Elektrochemotherapie bei Hauttumoren

Kombination aus Chemotherapie und Elektroimpulsen

Die Elektrochemotherapie ist eine neue Methode in der Krebstherapie: eine Kombination von Chemotherapie mit Elektroimpulsen. Sie eignet sich vor allem für Hautmetastasen des schwarzen Hautkrebses.

Es ist die häufigste Krebsart in Europa: Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 120.000 Menschen an einem Tumor der Haut. Nur etwa 16.000 Fälle davon gehen allerdings auf den sehr gefährlichen schwarzen Hautkrebs zurück, auch malignes Melanom genannt, der sich aus den Pigmentzellen entwickelt.

Weitaus häufiger ist der sogenannte weiße Hautkrebs. Dabei handelt es sich meist um ein Basaliom, eine bösartige Erkrankung der Basalzellen. Der Tumor ist weniger gefährlich als der schwarze Hautkrebs, da er selten Metastasen, also Absiedelungen an anderen Körperbereichen, bildet. Doch kann er weit in das Gewebe hineinreichen und so bedrohlich werden. Seltener handelt es sich beim weißen Hautkrebs um ein Spinaliom, auch Plattenepithelkarzinom genannt. Beide Arten von hellem Hautkrebs werden vor allem durch UV-Licht ausgelöst und bilden sich daher oft im Gesicht. Bilden sich Tumore auf der Haut, kann die Ursache aber auch eine andere Krebsart sein. So bildet etwa fortgeschrittener Brustkrebs nicht selten Absiedelungen in der Haut.

Früh erkannt, ist der schwarze sowie der weiße Hautkrebs meist gut heilbar. Daher sollte man die Früherkennungsuntersuchung unbedingt in Anspruch nehmen. Diese wird von den Krankenkassen für Versicherte ab 35 alle zwei Jahre erstattet. Hat ein malignes Melanom aber einmal Metastasen gebildet oder treten auf der Haut Absiedelungen von inneren Tumoren auf, ist die Krankheit oft unheilbar geworden. Doch gibt es Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf zu bremsen und den Krebs lokal unter Kontrolle zu halten.

Eine davon ist die Elektrochemotherapie, eine Kombination von Chemotherapie mit Elektroimpulsen. Sie eignet sich vor allem für Hautmetastasen des schwarzen Hautkrebses, in manchen Fällen auch für Basalzellkrebs und Spinaliome der Haut. Auch Sarkome, Tumore des Stützgewebes, lassen sich behandeln sowie Metastasen in oder unter der Haut, die von inneren Tumoren stammen.

Viele Tumore der Haut, insbesondere der schwarze Hautkrebs, aber auch innere Tumore wie Brustkrebs, können in dem Bereich der Haut, wo sie entstanden sind, nachwachsen. Sie können aber auch Metastasen an Haut und Unterhaut bilden. Finden sich nur einzelne dieser Tumore, können sie problemlos in einer Operation entfernt werden. Sind die Knoten aber sehr zahlreich und über einen größeren Bereich verteilt, kann man nicht mehr einfach operieren. Doch gibt es andere Verfahren, etwa Bestrahlung oder eine Kombination von Wärme und Chemotherapie. Waren diese Behandlungen nicht erfolgreich, gab es bisher kaum noch Möglichkeiten, dem Patienten zu helfen. Doch unbehandelt wachsen die Tumore weiter und können offene und blutende Wunden bilden.

Mit der Elektrochemotherapie steht seit einiger Zeit eine neue Möglichkeit der Behandlung zur Verfügung. Sie arbeitet mit kurzen elektrischen Impulsen direkt im Tumorgewebe. Diese führen dazu, dass in der Hülle der Tumorzellen kleine Löcher entstehen. Man spricht auch von der Elektroporation. Zudem erhält der Patient ein Medikament, das Zellen bei ihrer Teilung zerstören kann, ein Chemotherapeutikum (Bleomycin oder Cisplatin). Es wird zuvor entweder in die Tumorknoten gespritzt oder über die Vene zugeführt. Durch die Löcher kann es ungehindert in die Zellen eindringen. Je nach Mittel erreicht man so eine bis zu 10.000 Mal beziehungsweise 80 Mal höhere Konzentration in den Zellen als ohne die elektrischen Impulse. Diese werden über Nadelelektroden ausgesandt, die zuvor in einer Kurznarkose in die Tumoren eingesteckt werden. Dies hat zur Folge, dass die Tumore sofort schlechter durchblutet werden. Die Zellen sterben durch das Chemotherapeutikum aber nicht sofort, sondern erst bei der nächsten Zellteilung.

Eine Behandlung mit Elektrochemotherapie dauert etwa 30 Minuten. Dabei können je nach Größe bis zu 200 Tumorknoten behandelt werden. Je nach Tumortyp und Größe sprechen 80 bis 90 Prozent der Knoten darauf an, bis zu 60 Prozent bilden sich völlig zurück. Je nachdem, wie groß die Knoten sind und der Bereich, über den sie sich ausgedehnt haben, reicht eine Behandlung aber meist nicht aus. Die Therapie kann dann in sechs bis achtwöchigen Abständen erfolgen.

Die Elektrochemotherapie alleine kann eine Tumorerkrankung nicht heilen. Jedoch bilden sich die Tumorknoten meiste zurück, das Bluten lässt nach, ebenso wie der unangenehme Geruch. Der Gewinn an Lebensqualität für die Betroffenen ist enorm, sie können der Rückbildung der Tumore zusehen. Bislang ist es durch die Elektrochemotherapie nicht möglich zu verhindern, dass neue Metastasen auftreten. Ergänzend zur Elektrochemotherapie sollte daher eine weitere spezifische Chemotherapie durchgeführt werden, um die Tumore zu behandeln. Die Haut ist direkt nach der Therapie zunächst oft gerötet und entwickelt im Verlauf eine verstärkte Pigmentierung. Man spricht auch von der postinflammatorischen Hyperpigmentierung. Sehr selten leiden die Patienten direkt nach der Behandlung an Übelkeit und Appetitlosigkeit. Häufig sind dagegen Muskelschmerzen, die durch die Stromstöße ausgelöst werden. Die Patienten haben Muskelzuckungen sowie Schmerzen an der Haut. Doch lassen sich die Nebenwirkungen gut behandeln.

Christian Kunte und Sonja Gibis

Leserfragen an den Experten: wissenschaft@merkur.de

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