Mehr Frust als Lust?

Laufen ist gesund, oder? Die Risiken und Nebenwirkungen

Laufen
+
Laufen kann nicht nur gesund sein.

München - Was viele nicht wissen: Beim Laufen lauern auch Risiken. Was können Läufer falsch machen? Und wann profitiert der Körper vom Sport? Die tz sprach mit einem Experten.

Den Kopf frei kriegen, unterwegs sein, Kalorien verbrennen – Laufen boomt, vor allem im Frühjahr. Doch was viele nicht wissen: Beim Laufen lauern auch Risiken. Was können Läufer falsch machen? Und wann profitiert der Körper vom Sport? Die tz hat nachgefragt bei Prof. Dr. Martin Halle, dem Chef des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München.

Kopf

Positiv: Wer läuft, bleibt nicht nur in den Beinen fit – sondern auch im Kopf. „Wir haben Hinweise darauf, dass sportlich aktive Menschen seltener Demenz bekommen“, sagt Halle. Das gelte vor allem für Menschen, die Ausdauertraining betreiben. Zudem ist Laufen an der frischen Luft gut für die Psyche, hilft, Stress abzubauen.

Negativ: Bei extremen Belastungen können Läufer neurologische Probleme bekommen – bis hin zum Hirnödem. Das kann dann vorkommen, wenn Läufer beim Marathon nur Wasser trinken – und keine isotonischen Getränke wie Apfelschorle oder spezielle Sportgetränke. „Wenn man nur Wasser trinkt, hat man zu wenig Elektrolyten im Blut. Und dann kann Wasser ins Gehirn gezogen werden – das Hirn schwillt dann an“, sagt Halle.

Darm

Positiv: Wer läuft, hat seltener Verstopfungen. Durch Sport werde die Stuhlpassage weicher und schneller, sagt Halle.

Negativ: Laufen kann zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Hohe Belastung, etwa im Marathon, senkt die Durchblutung des Darms. Folge: Teile der Darmschleimhaut können absterben.

Knie

Negativ: Sportler haben ein höheres Risiko für Arthrose, sagt Halle. Für Läufer gelte das zwar nicht. Doch wer zum Beispiel viel wiegt, belastet das Knie bei jedem Auftreten stark – „vor allem, wenn man auf der Ferse auftritt“. Halles Rat: auf dem Vorfuß laufen. Dann werde das Knie angewinkelt, es komme seltener zu Verletzungen. Auch ein falscher Schuh kann Probleme machen. „Ich würde nicht sagen, dass man den Schuh mit der meisten Dämpfung kaufen sollte“, sagt Halle. Dadurch würden weniger Muskeln angesprochen. Aber „wenn’s ein bisschen gefedert ist, ist es nicht schlecht.“

Herz

Positiv: Laufen senkt das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Denn es lagert sich kein Kalk an den Herzkranzgefäßen ab. Das Risiko für Bluthochdruck und Diabetes sinkt, die Cholesterinwerte verbessern sich. „Dazu muss man 15 Minuten am Tag so laufen, dass man ins Schwitzen kommt“, sagt Halle. Das Herzinfarktrisiko sinke um 20 Prozent.

Negativ: Zu viel Training ist nicht gesund fürs Herz. Das heißt: Wer täglich mehr als eine Stunde läuft, profitiert nicht mehr davon. „Die Daten zeigen, dass man dann kein niedrigeres Herzinfakrt­risiko hat“, sagt Halle. Gefährlich wird Laufen vor allem bei Erkältungen. Die Viren, die Halsschmerzen oder Husten verursachen, können den Herzmuskel angreifen. Mögliche Folge: eine Herzmuskelentzündung. „Wenn man Fieber gehabt hat, sollte man mindestens eine Woche keinen Sport treiben“, rät Halle – und auch dann müsse man sich gut fühlen, bevor man losläuft.

Prostata

Positiv: Laufen erhöht die Potenz – ­zumindest bei jenen, die unter Erektionsstörungen leiden. Denn Laufen fördert die Durchblutung. Und das macht sich nicht nur in Armen und Beinen bemerkbar…

Beinmuskulatur

Positiv: Wer läuft, hat einen besseren Stoffwechsel. Denn durch Training werden die Muskeln aktiviert, sagt Halle. Das heißt: Mit jeder Belastung werden Informationen an die Muskulatur weitergegeben. Die Muskeln verbrennen Zucker und Fette – und wandeln sie in Energie um. Beim Laufen betrifft das vor allem die Ober- und Unterschenkelmuskulatur.

Negativ: Läufer können Muskelfaserrisse erleiden. Besonders am Unterschenkel und am hinteren Oberschenkel kann es zwicken. Aufgewärmte oder gut gedehnte Muskeln sind weniger anfällig – ermüdete Muskeln mehr.

Achillessehne/Sprunggelenk

Negativ: Durch intensives Training kann sich die Achillessehne entzünden. Das Hauptproblem: „Die Achillessehne ist das Ende der Unterschenkelmuskulatur“, sagt Halle, „was wir häufig sehen, ist eine Verkürzung dieser Muskulatur.“ Denn durch häufiges Laufen kann sich die Muskulatur verkrampfen. Dann ziehen die Muskeln an der Achillessehne, es kommt zur Entzündung. Halle empfiehlt in solchen Fällen jedoch, nicht die Achillessehne selbst zu behandeln – sondern die Muskeln: mit Akupunktur, Dehnen oder Massagen des Muskels. „Das Problem ist dann schnell behoben.“

Christopher Gerards

Dieser Text ist im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von tz und Deutscher Journalistenschule (DJS) entstanden. Informationen dazu finden Sie auch unter djs-medizin.de.

auch interessant

Meistgelesen

So oft sollten Sie Ihre Bettwäsche wechseln
So oft sollten Sie Ihre Bettwäsche wechseln
Migräne: Forscher entschlüsseln Ursache 
Migräne: Forscher entschlüsseln Ursache 
Diese Snacks sind gut für Gelenke und Herz
Diese Snacks sind gut für Gelenke und Herz
Der lange Abschied vom Kinderwunsch
Der lange Abschied vom Kinderwunsch

Kommentare