Sich selbst und der Medizin helfen

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Schlaflosigkeit macht die Patienten am Tag müde und nachts unruhig.

Für viele Erkrankungen fehlen nach wie vor wirksame und verträgliche Behandlungsmöglichkeiten. Um dies zu erreichen, werden ständig neue Medikamente entwickelt. In einem langen Prozess müssen aufwändige klinische Untersuchungen die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit prüfen.

„Das Studienzentrum Wilhelmshöhe führt eigene klinische Studien und solche in Zusammenarbeit mit der forschenden pharmazeutischen Industrie durch“, sagt die Leiterin des Studienzentrums Prof. Andrea Rodenbeck. Alle Untersuchungen unterliegen der Aufsicht durch Landes- und Bundesbehörden. Die zu prüfenden Medikamente oder Methoden sind in dieser Testphase bereits an Tier und Mensch auf ihre Wirkungen und Nebenwirkungen geprüft.

Besondere Aufmerksamkeit

Im professionellen Studienzentrum werden Patienten nur im Rahmen der dort durchgeführten Studien behandelt. „Die Behandlung und das Medikament sind kostenfrei und es steht auch ausreichend Zeit für den einzelnen Betroffenen zur Verfügung“, erläutert die Wissenschaftlerin. Für Probanden bietet die Teilnahme an einer Studie den Vorteil einer neuen Therapiemöglichkeit. Die Teilnahme ist insbesondere für Patienten interessant, die auf zugelassene Therapien nicht mehr ansprechen, starke Nebenwirkungen oder seltene Erkrankungen haben.

In einem persönlichen, ausführlichen Gespräch werden Zielsetzung, Nutzen und Ablauf der Teilnahme für den Patienten sowie mögliche Risiken einschließlich einer speziell abgeschlossenen Versicherung erläutert und schriftlich dargelegt. Die Untersuchungszeitpunkte werden zu Studienbeginn festgelegt. „Diese Termine sind für das Studienteam immer wieder spannend, da in der Mehrzahl der Studien auch die Behandler nicht wissen, ob der Patient momentan eine ‘echte Substanz’ oder ein Placebo (Schein-)-Präparat erhält“, erklärt Andrea Rodenbeck. Diese so genannte Doppel-Blindheit sei notwendig, um Erwartungshaltungen und damit einen unterschiedlichen Umgang mit dem Patienten auch von Seiten des Studienteams auszuschließen.

Ausstattung und personal muss vorbildlich sein

Studienzentren müssen spezielle Qualitätsstandards hinsichtlich Ausstattung und Qualifikation der Mitarbeiter erfüllen. Dabei werden die Mitarbeiter bei jeder Studie erneut für die jeweiligen speziellen Anforderungen geschult. „Es wird streng darauf geachtet, dass die Prüfer über eine entsprechende klinische Erfahrung für die jeweilige Erkrankung verfügen. Dies ist umso wichtiger, da mögliche Teilnehmer an einer Studie umfassend über andere mögliche Behandlungsverfahren aufgeklärt werden müssen“, sagt Prof. Rodenbeck.

Aktuelle Studien

Der Schwerpunkt des Studienzentrums Wilhelmshöhe liegt im Bereich neurologischer, psychiatrischer und schlafmedizinischer Störungen. Dies betrifft Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen, Angststörungen, Tinnitus, Demenzen, Parkinson und vor allem sämtliche Schlafstörungen.

Vier Prozent der Bevölkerung haben behandlungsbedürftige Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) mit und ohne begleitende Depression. „Eine Behandlungsbedürftigkeit liegt vor, wenn die Schlafstörung über wenigstens vier Wochen besteht, mindestens dreimal pro Woche auftritt und am Tage zu Einbußen der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit führt“, sagt Andrea Rodenbeck. „Klassische Schlafmittel dürfen bei täglichem Gebrauch nur zwei bis vier Wochen angewendet werden und schlafanstoßende Antidepressiva zeigen oft unerwünschte Nebenwirkungen“, erklärt die Schlafforscherin. „Unter Berücksichtigung neuer Forschungsergebnisse werden daher derzeit Schlafmittel mit neuen Wirkungsweisen klinisch erprobt.“

Ruhelose Beine

Oft sind Schlafstörungen psychisch oder organisch bedingt. Besonders häufig ist das Syndrom der unruhigen Beine (Restless legs Syndrom, RLS) mit abendlichen oder nächtlichen quälenden Missempfindungen und einem kaum zu unterdrückenden Bewegungsdrang der Beine. Auslöser können Eisenmangel oder bestimmte Medikamente sein, oft ist aber verminderter Botenstoff im zentralen Nervensystem ursächlich. „Die Therapie des RLS kann nur medikamentös erfolgen, in Deutschland stehen aber lediglich vier Medikamente zur Verfügung. Bei schwer Erkrankten können diese nach einiger Zeit aber an Wirkung verlieren. Daher wird im Studienzentrum auch untersucht, ob bereits zugelassene Mittel für andere Erkrankungen langfristig auch gegen ein mittelschweres bis schweres RLS helfen“, sagt Prof. Rodenbeck.

Gefährlicher Tagesschlaf

Hypersomnie ist ein Zuviel an Schlaf – sowohl nachts als auch tags: Es kommt zu Tagesschläfrigkeit bis hin zu ungewolltem Einschlafen, auch beispielsweise beim Autofahren. Wesentliche Erkrankungen sind dabei die schlafbezogenen Atmungsstörungen, aber auch die „Narkolepsie“, die meistens mit einer Tagesschläfrigkeit beginnt und bei der sich nach und nach komplexe Symptome mit plötzlicher Muskelschwäche in emotional erregenden Situationen einstellen. Auch leichte bis mittelschwere Schädel-Hirn-Verletzungen, Gehirnerschütterungen oder -prellungen können zu einer anhaltenden Tagesschläfrigkeit führen, die behandelt werden kann. „Das Studienzentrum prüft derzeit, ob sich die ungewollte Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie oder nach Hirnverletzungen mit Arzneien basierend auf neuen Wirkungsweisen verbessern lässt“, berichtet Prof. Rodenbeck.

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