Der Schmerzen Herr werden

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Der Arzt erklärt dem Patienten die Ursache seiner Schmerzen.

Patienten mit chronischen Schmerzen sind oft in ihrem Alltag stärk beeinträchtigt. In der speziellen Scmerztherapie lernen sie, die Ursache ihrer Schmerzen zu verstehen und finden mit dem Arzt einen Weg der Besserung und der Umgangsweise mit dem Schmerz.

Schmerzen sind ein Warnsignal unseres Organismus. Wenn Schmerzreize jedoch immer wieder auf unser Nervensystem einwirken, hinterlassen sie dort eine tiefe Spur, eine Art Gedächtnis. Die lebenswichtige Schutzfunktion der Schmerzempfindung gerät auf diese Weise aus dem Ruder und wird nach und nach zu einer eigenständigen quälenden Erkrankung. Man spricht dann von chronischem Schmerz.

„In besonders schlimmen Fällen bemächtigt sich die Schmerzerkrankung des ganzen Menschen und wird zum zentralen Problem seines Denkens und Handelns, ja sogar, der Familie, der Freunde und des weiteren sozialen Umfeldes“, sagt Dr. Eberhardt Sumpf, niedergelassener Schmerztherapeut im Gesundheitszentrum am Vogelsang, Hann. Münden. Er berichtet aber auch von vielen Fällen, in denen die Patienten versuchen, ihr ständiges Leiden zu verstecken: „Mir glaubt ja doch keiner, wie schlecht es mir geht, deshalb rede ich nicht darüber und unterdrücke meinen Schmerz“, gestünden sie dann. Rückzug und letztlich soziale Isolation sind die Folge. Das verschlimmert jedoch die Krankheit.

Diagnostik und Therapie

 „Den Schmerzpatienten, die zu mir kommen, mangelt es häufig nicht an aufwändigen Befunden vom Speziallabor bis zum Kernspintomogramm. Vorberichte füllen oft mehrere dicke Krankenakten. Woran es dennoch immer wieder fehlt, ist die Zusammenschau der gesamten Problematik. Und diese besteht eben nicht ausschließlich aus objektiv erhebbaren biologisch-technischen Befunden, sondern in wesentlichen Anteilen auch aus dem seelischen Befinden des Patienten und dem sozialen Gefüge, in welchem er sich befindet“, sagt Dr. Sumpf. „Schmerzdiagnostik beginnt deshalb da, wo der Arzt seinem Patienten zuhört. Und zwar geduldig! Dazu gehört auch ein Interesse an seinem Lebensweg, seiner Familie, seinem Beruf, seinen Ängsten, seinen Sorgen. Die moderne Schmerztherapie hat dafür den etwas sperrigen Fachbegriff bio-psycho-soziales Krankheitsmodell geprägt, was aber nichts anderes beschreibt, als die Notwendigkeit, das organische Problem niemals isoliert, sondern stets im Zusammenhang der Person und ihres Umfeldes zu betrachten“.

Chronische Schmerzen

In Europa hat fast jeder Fünfte chronische Schmerzen.
Am Beispiel Hessen bedeutet das: 
- 1,14 Millionen Bürger in Hessen leiden zumindest phasenweise unter chronischen Schmerzen. 
- 180 000 bis 300 000 Hessen leiden an täglichen Kopfschmerzen. 
- 350 000 bis 420 000 aller Frauen, 180 000 bis 240 000 aller Männer in Hessen haben Migräne.

Das kostet viel Geld: 
- Jährliche Kosten für den Arbeitsausfall durch Migräne liegen deutschlandweit bei 15 Milliarden Euro. 
- Die jährlichen Kosten aufgrund von Rückenschmerzen belaufen sich deutschlandweit auf 25 Milliarden Euro.

In Hessen beispielsweise haben lediglich 57 und in Niedersachsen 40 Ärzte die Zulassung zur Schmerztherapie. (nh)

Am Beginn steht üblicherweise ein ausgiebiges Gespräch. Daran schließt sich eine körperliche Untersuchung an. Der Schmerz wird nicht nur hinsichtlich seiner Intensität, sondern auch bezüglich seiner Qualität, der zeitlichen Veränderung und seiner Beeinflussbarkeit genauestens analysiert. Die anerkannten Schmerztherapeuten verwenden außerdem spezielle Fragebögen, die einem festgelegten Standard entsprechen müssen. Dazu kommen das Aktenstudium und oftmals noch telefonische Abstimmungen mit den mitbehandelnden Therapeuten, manchmal auch Recherchen in der internationalen Fachliteratur. „Alles in allem plane ich für einen Ersttermin zwei Stunden Zeit ein. Aus dem Anamnesegespräch und der körperlichen Untersuchung können bereits achtzig Prozent der Diagnosen gestellt werden, sodass eine weiterführende technische Diagnostik in erster Linie der Bestätigung beziehungsweise dem Ausschluss zuvor erhobener Differentialdiagnosen dient“, berichtet Dr. Sumpf. „Im Anschluss bemühe ich mich, dem Patienten seine Erkrankung so zu erklären, dass er sie verstehen kann. Das ist ungeheuer wichtig, weil es nur dann gelingt, gemeinsam auch realistische Therapieziele zu entwickeln“. Komplette Schmerzfreiheit ist dabei manchmal eine Illusion. Eher geht es darum, die Beschwerden auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Das ist oft die wesentliche Voraussetzung dafür, den Lebensmut und ein Mindestmaß an körperlicher und sozialer Aktivität zurück zu gewinnen.

Information zu Dr. Sumpf

zur AwoGsD und dem nephrologischen Zentrum

zum Artikel "Wie finde ich einen Schmerztherapeut

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