So wappnen Sie sich am besten

Sport und Ernährung gegen Krebs: Die besten Tipps

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Sport wie Joggen kann das Wachstum von Krebszellen hemmen.

München - Albtraum Tumor: Top-Wissenschaftler beraten auf Konferenz in München, wie man sich im Alltag gegen die Volkskrankheit Krebs besser wappnen kann.

Bessere Konzepte zur Früherkennung, neue OP-Methoden, präzisere Bestrahlungs-Technik und moderne, auf den Tumor des Patienten abgestimmte Chemotherapien: Im Kampf gegen den Krebs haben die Mediziner beachtliche Fortschritte gemacht. Inzwischen rückt noch ein weiterer wichtiger Aspekt in den Blickpunkt: „Wir wissen immer mehr darüber, wie wir mit unseren Lebensgewohnheiten einer Tumorerkrankung vorbeugen können – genauer gesagt: durch gezielte körperliche Bewegung und die richtige Ernährung“, sagt Professor Dr. Martin Halle, der Chef des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München. Auf seine Initiative hin tauschen sie derzeit im Klinikum rechts der Isar Top-Wissenschaftler aus aller Welt und Patienten bei der 3. Konferenz „Sport und Krebs“ aus. Gemeinsam mit seinen Co-Gastgebern Prof. Dr. Michael Schoenberg, dem Chefarzt der Chirurgie am Münchner Rotkreuzklinikum, und Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar, ­erklärt Halle, wie wir unser Krebs-Riskiko senken können.

Andreas Beez

Die Erkenntnis klingt spektakulär: „Wir können dem Krebs davonlaufen“, betont Prof. Michael Schoenberg. Das bedeute zwar nicht, dass jedem passionierten Jogger eine Tumor­erkrankung erspart bleibt. Aber: Wer Laufen geht oder anders regelmäßig sportelt, der kann sein persönliches Krebs-Risiko senken – das haben mehrere Studien bewiesen.

Dabei spielt unser Erbgut eine wichtige Rolle. Denn ob bestimmte Abschnitte der DNA aktiviert oder blockiert werden, liegt an verschiedenen körpereigenen Stoffen – und deren Bildung wird wiederum durch Sport gefördert. Diesen Wirkmechanismus konnten Forscher jetzt erstmals an einem konkreten Beispiel genau entschlüsseln: „So zeigt sich, dass während des Trainings aus der Muskelatur sogenannte Myokine – das sind Muskelhormone – ausgeschüttet werden“, erklärt Prof. Martin Halle. „Eine Gruppe dieser Muskelhormone heißen SPARC. Sie hemmen nachweislich die Enstehung von Polypen im Darm, die entarten und dann Dickdarmkrebs verursachen können.“ Auch wenn ein Patient bereits an Krebs erkrankt ist, kann ihm der Sport helfen. „Regelmäßiges Training kann die Heilung fördern und das Risiko eines Rückfalls verringern. Laut Studien erhöht regelmäßige Bewegung die Überlebensratebei Darmkrebs um 14 bis 47 Prozent und bei Brustkrebs um bis zu 40 Prozent“, erläutert Halle. „Wichtig ist allerdings, dass man trainiert, ohne der Körper zu überfordern. Dazu können wir den Patienten inzwischen gezielte Programme anbieten.“

Haben die Federführung bei der Münchner Krebs-Konferenz: die Professoren Martin Halle (Mitte), Hans Hauner und Michael Schoenberg.

Doch zurück zur Vorsorge: Auch die Ernährung hat Einfluss auf die Entstehung von Krebs. „Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise Übergewicht und häufiger Verzehr von gegrilltem, gepökelten und geräuchertem Fleisch. Und man sollte auch nicht zu wenig Obst und Gemüse essen“, berichtet Prof. Hans Hauner (siehe goldene Regeln rechts). Dazu komme übermäßiger Verzehr von Schweine- oder Rindfleisch sowie Wurstwaren, eine Ernährung mit wenig Ballaststoffen und viel Fett sowie Alkoholkonsum. Mittlerweile können die Wissenschaftler sogar sagen, wie sich bestimmte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten auf die Entstehung verschiedener Tumoarten auswirken (siehe Risiko-Tabelle: Was uns schützt, was uns schadet).

Krebsvorsorge: Neun goldene Ernährungs-Regeln:

➊ So schlank wie möglich, innerhalb des Normalgewichtsbereichs.

➋ Täglich Bewegung.

➌ Begrenzung des Verzehrs energiedichter Lebensmittel (Dickmacher).

➍ Überwiegend Verzehr pflanzlicher Lebensmittel (mehr als 600 g Obst und Gemüse am Tag).

➎ Verzehr von rotem Fleisch und verarbeitetem Fleisch (z.B. Wurstwaren) begrenzen (weniger als 300 g pro Woche; weniger als 500 g Fleisch aller Art).

➏ Alkoholkonsum einschränken (Männer weniger als 20 Gramm, Frauen weniger als 10 am Tag. 20 g sind eine Halbe Bier, 10 gr sind 0,1 Liter Wein.

❼ Salzkonsum reduzieren (weniger als 5 g am Tag), verschimmelte Waren meiden.

➑ Nahrungsergänzungsmittel werden nicht empfohlen.

➒ Säuglinge sollten gestillt werden, Mütter stillen (länger als sechs Monate).

Quelle: WCRF

Formen der vegetarischen Ernährung

Moderate Vegetarier:

… essen gelegentlich Fleisch und Fisch.

… verzehren Milch, Milchprodukte und Ei.

Ovo-lacto-Vegetarier:

… essen kein Fleisch und kein Fisch.

… verzehren Milch, Milchprodukte und Ei.

Lacto-Vegetarier:

… verzichten auf Fleisch, Fisch und Eier.

… essen Milch und Milchprodukte.

Veganer:

… meiden strikt alle tierischen Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milch, Milchprodukte, Eier; meiden zusätzlich Honig, Leder und Wolle.

Top-Kerbs-Forscher jetzt ein Münchner

Einer der weltweit angesehensten Krebsforscher ist jetzt ein Münchner – zumindest im Geiste und im Herzen: Professor Dr. Dr. honoris causa multiplex (h.c. mult.) Otmar D. Wiestler wurde am Mittwoch die Ehrendoktorwürde der medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität verliehen. „Es ist etwas ganz Besonderes, zu ihrer Familie stoßen zu dürfen“, sagte der 57-jährige Top-Wissenschaftler bei der Feierstunde in der Uniklinik Großhadern.

Wiestler ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums und gilt als brillianter Netzwerker im Kampf gegen die Volkskrankheit. So hat er unter anderem das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) maßgeblich mitgeschaffen. Darin werden die Kräfte von Forschern und praktizierenden Krebsmedizinern gebündelt, um noch bessere Therapien und Früherkennungs-Methoden zu entwickeln. „Wir wollen die besten Köpfe unseres Landes zusammenbringen“, erläuterte Wiestler. Das DKTK hat seine Zentrale in Heidelberg und sieben Partnerstandorte in ganz Deutschland. Dazu zählt auch München mit dem Uniklinikum Großhadern und dem Klinkum rechts der Isar.

„Dieses Netzwerk bringt uns deutlich voran“, betonte der Direktor der III. Medizinischen Klinik am Uniklinikum Großhadern, Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann. „Und mit Herrn Wiestler haben wir einen ausgezeichneten Koordinator.“ Der neue LMU-Ehrendoktor habe „visionäre Ideen entwickelt und realisiert“, betonte der Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Dr. h.c. Maximilian Reiser. Die traditionell in lateinischer Sprache erstellte Urkunde an „Otmaro Wiestler“ überreichte unter respektvollem Beifall unter anderem auch LMU-Präsident Prof. Dr. Bernd Huber.

Andreas Beez

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