Was stimmt und was nicht?

Zuckerkrank: Zehn Irrtümer über Diabetes

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Alle Diabetiker spritzen Insulin? Falsch!

München - Die tz stellt die Volkskrankheit Diabetes in einer Serie auf der Medizinseite vor. Heute räumen wir mit den verbreitetsten Irrtümern auf: Was stimmt und was nicht?

Weltweit gibt es über 250 Millionen Diabetiker, in Deutschland sind rund sechs Millionen Menschen in Behandlung. Daneben gibt es geschätzt mindestens zwei Millionen Männer und Frauen, die zuckerkrank sind, ohne es zu wissen, weil sie keine Symptome haben. Allein in München leben schätzungsweise 200 000 unerkannte Diabetiker! Die Krankheit wird oft erst nach acht bis zehn Jahren entdeckt! So häufig Diabetes mellitus auch ist, das Wissen über die Krankheit ist geprägt von Vermutungen und Mythen. Die tz stellt die Volkskrankheit in einer Serie auf der Medizinseite vor. Heute räumen wir mit den verbreitetsten Irrtümern auf.

Irrtum: Wer viel Zucker isst, wird zuckerkrank!

Diabetes vom Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt das eigene Immunsystem zerstört die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Folge: Die nach der Verdauung im Blut schwimmende Glukose gelangt nicht mehr in die Zellen. Die Erkrankung wird durch genetische und noch unbekannte Faktoren ausgelöst. Beim Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin, das Hormon wirkt aber nur teilweise. Dabei spielt der Lebensstil tatsächlich eine große Rolle, besonders Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Das muss nicht unbedingt ein Zuviel an Zucker sein. Eine Studie vom Institut für Ernährungsforschung ergab, dass auch diejenigen, die viel Fleischprodukte und Weißbrot essen, ein höheres Risiko haben, Diabetes zu bekommen.

Irrtum: Alle Diabetiker müssen Insulin spritzen!

Zunächst sind nur Erkrankte vom Typ 1 auf Insulingaben angewiesen. Beim Typ 2 kann schon eine Änderung des Lebensstils, kombiniert aus vernünftiger Ernährung und moderater Bewegung dazu führen, dass sich die Blutzuckerwerte wieder normalisieren. Sind die Patienten nicht mobil genug oder schaffen sie es nicht, ihr Gewicht zu reduzieren, können Medikamente den Blutzuckerspiegel senken.

Irrtum: Diabetiker brauchen spezielle Diabetiker-Produkte!

Diese Produkte sind weitgehend überflüssig. Wie für gesunde Menschen gilt auch für Diabetiker: wenig Fett, Zucker und Salz in Maßen, viel Getreideprodukte, Gemüse und Früchte essen. Süßigkeiten sind ab und zu erlaubt. Eine spezielle Diät ist nicht nötig.

Irrtum: Diabetes ist nicht so schlimm!

Diabetes verursacht in Deutschland jährlich mehr Todesfälle als Brustkrebs und AIDS zusammen. Jeden Tag sterben hierzulande drei Menschen an Diabetes. Die Zuckerkrankheit erhöht z. B. das Schlaganfallrisiko um das Doppelte bis Dreifache, auch das Herzinfarktrisiko, das Risiko für Fußamputationen, Erblindungen und Nierenversagen ist bei Diabetikern ungleich häufiger.

Irrtum: Diabetiker dürfen keinen Sport treiben.

Bewegung ist sogar sehr wichtig. Selbst Leistungssport ist für gut geschulte Patienten möglich. Die Sportler müssen ihren Blutzucker intensiv kontrollieren, da Muskeln einen hohen Energiebedarf haben, damit die Blutzuckerwerte nicht zu stark schwanken.

Irrtum: Diabetes ist nicht heilbar!

Das stimmt für den Typ1, bei dem die Insulin produzierenden Zellen zerstört wurden. Der Ausbruch der Typ-2-Erkrankung kann bei Gefährdeten auch ohne Medikamente durch eine gesunde Lebensweise verhindert, zumindest hinausgezögert werden.

Irrtum: Nur Dicke bekommen Diabetes!

Übergewicht ist ein wesentlicher Risikofaktor für den Diabetes Typ 2, allerdings schützt eine schlanke Figur nicht zuverlässig vor der Krankheit.

Irrtum: Hohen Blutzucker spürt man!

Die Erkrankung wird oft nur durch Zufall entdeckt. Wenn Symptome auftreten wie starker Durst, häufiges Wasserlassen, ist die Erkrankung bisweilen schon weit fortgeschritten.

Irrtum: Diabetiker sind häufiger krank!

Wer seinen Blutzucker gut eingestellt hat, sei es durch Insulin, Tabletten oder den gesunden Lebensstil, hat im allgemeinen keine größere Gefahr, sich mit Infektionskrankheiten anzustecken. Auch Impfungen können ganz normal gegeben werden.

Irrtum: Nur alte Menschen werden Diabetiker!

Diabetes betrifft prinzipiell alle Altersgruppen. Das Risiko für die Erkrankung am Typ-2-Diabetes steigt jedoch mit dem Alter an. Von den 70-Jährigen ist etwa jeder Vierte bis Fünfte von dieser Krankheit betroffen. Auf der anderen Seite wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit dem sogenannten Alterszucker auf etwa 5000 geschätzt. Das sind hauptsächlich Jugendliche mit erheblichem Übergewicht und Bewegungsmangel.

sus

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