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Die Geheimcodes im Arbeitszeugnis

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Was die berufliche Zukunft bringt, hängt auch von den Arbeitszeugnissen einer Karriere ab. Daher sollten Arbeitnehmer wissen, was die Formulierungen bedeuten. © dpa

München - Ein gutes Arbeitszeugnis erhöht die Jobchancen. Doch was gehört in ein Arbeitszeugnis und was lesen Personalchefs aus den üblichen Floskeln – ein Überblick.

Es ist oftmals der Schlüssel für das Vorstellungsgespräch: das Arbeitszeugnis aus dem vorherigen Arbeitsverhältnis. Manche Experten sehen es sogar als wichtigsten Bestandteil der Bewerbungsunterlagen. Entsprechend kritisch beäugt der Arbeitnehmer das Abschiedsgeschenk seiner Firma.

Bei der Würdigung der Leistungen seines Mitarbeiters kann der Arbeitgeber seiner Fantasie nicht freien Lauf lassen: Wahrheit und „verständiges Wohlwollen“ sind nach Meinung von Arbeitsrechtlern und -richtern die wichtigsten Anforderungen an ein Zeugnis. Daneben gelten auch formale Auflagen: Das Zeugnis muss auf Geschäftspapier, maschinengeschrieben und frei von Knicken, Korrekturen und gravierenden Fehlern sein. Die (Original-)Unterschrift muss von einem Vorgesetzten stammen.

Je individueller das Zeugnis, umso besser

Ein Streit um solche Formalitäten lässt sich meist schnell beilegen. Der Anspruch von Wahrheit und Wohlwollen jedoch bringt Zeugnisschreiber und -empfänger häufig auf die Barrikaden. Schließlich sind wahre Beurteilungen nicht immer schmeichelhaft. Bei ungerechtfertigten negativen Beschreibungen droht dem vormaligen Arbeitgeber ein Prozess. Allzu euphorische Beschreibungen können ihn ebenfalls teuer zu stehen kommen: Bescheinigt er etwa einem unehrlichen Kassierer untadeliges Verhalten, kann der spätere Arbeitgeber sogar Schadenersatz fordern, wenn der Arbeitnehmer auch in seinem neuen Job in die Kasse greift.

Nicht selten flüchten sich Personalchefs deshalb in Floskeln – oder sie lassen übliche Bewertungen einfach weg, um Defizite beim Arbeitnehmer zu verschweigen. Allerdings werden in einem qualifizierten Zeugnis neben Aussagen zur Leistung auch solche zur Führung gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern erwartet. Fehlt zum Beispiel das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, so hängt dem Stellenbewerber gleich das Etikett des Querulanten an.

Zum Gang vor Gericht kommt es meist nur dann, wenn der Zeugnisstreit als Nachhutgefecht eines verkorksten Arbeitsverhältnisses geführt wird. Oft einigen sich die Parteien gütlich. Als Faustregel gilt: Je individueller und ausführlicher ein Zeugnis auf Qualitäten des Mitarbeiters eingeht, desto besser. Eine halbe Seite riecht nach einer lästigen Pflichtübung. Der entzieht sich mancher Vorgesetzte dadurch, dass er Mitarbeiter ihr Zeugnis selbst entwerfen lässt – und es dann nur unterschreibt.

Das verraten Zeugnis-Floskeln

In Arbeitszeugnissen werden oft feste Floskeln verwendet. Personalchefs können daraus teils konkrete Noten ablesen. Was die Zeugnissprache bedeutet – einige Beispiele:

Kürzlich hat das Arbeitsgericht Berlin einer Arbeitnehmerin, der vom Ex-Chef „mit voller Zufriedenheit“ eine „Drei“ mitgegeben worden war, ein neues Zeugnis mit „stets voller...“ zugestanden, weil der Arbeitgeber in der Verhandlung nicht erklären konnte, warum er das „stets“ ausgelassen hatte (AZ: 28 Ca 18230/11).

Weitere Geheimcodes in Zeugnissen:

Von Wolfgang Büser

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