Seltener Esel in Berliner Tierpark geboren

Kalos - Schweinerei um einen Esel

Kalos ist sehr scheu und sehr selten.

Seinen Humor hat er noch nicht verloren.„ Dergrößte Esel in der ganzen Geschichte, bin ich selbst“, sagt Reiner Grieshaber aus dem badischen Kandern und lacht: „Aber das ist mir egal, ich werde dafür sorgen, dass es Kalos gutgeht.“

Bei Kalos handelt es sich um einen fünf Jahre alten Somalischen Wildesel, ein nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) streng geschütztes Tier. In seiner afrikanischen Heimat gibt es nur noch wenige Hundert Tiere. Daher unterliegen der Handel und die Haltung besonders strengen Regeln.

Darum ist das, was mit Kalos passiert ist, eine Riesenschweinerei. Geboren wurde der Esel, dessen Name auf deutsch „Der Gute“ bedeutet, im Berliner Tierpark. Der Zoo rühmt sich der Nachzucht der Wildesel, preist seine Afrikaanlage. Wäre Kalos eine Stute, hätte er wohl bleiben dürfen. Denn die Herde brauchte keine weiteren Hengste mehr. Als einjähriges Tier wurde der Esel am 3. November 2008 dem Tierhändler Werner Bode übergeben, der den Esel an die sogenannte Van’t Klooster BV im niederländischen Haule verkaufen wollte. So steht es in der Cites-Ausfuhrgenehmigung.

Merkwürdig: Bei dem Unternehmen handelt es sich nicht um einen Tierpark, sondern um einen Großhandel. Das verwundert den wissenschaftlichen Berater von der Tierschutzorganisation Peta, Edmund Haferbeck überhaupt nicht: Peta hat Strafanzeige gegen den Tierhändler Bode gestellt, nachdem Recherchen ergaben, dass mehrere hundert Tiere, die ihm anvertraut wurden, verschwunden sind.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt, die Zoo-Direktoren, die mit Bode Geschäfte gemacht haben, werden vernommen.

Die Biologin Sandra Altherr von Pro Wildlife ergänzt: "Da sind sogar Tiger irgendwo verschwunden". Das Bundesamt für Naturschutz ist Ansprechpartner beim Verkauf von geschützten Tierarten. Doch ein Behördensprecher sagte gegenüber der tz, dass die Bundesländer die Genehmigungen erteilen, wenn das Tier in der EU bleibt. Und handelt es sich um eine Nachzucht der zweiten Generation findet keine Prüfung statt, was mit dem Tier passiert.

Die Biologin Sandra Altherr ärgert das Gebaren der Zoos sehr: „Die Betreiber der Tierparks rühmen sich gern mit ihren Artenschutzprogrammen. Doch passt ein Tier nicht in ihr Zuchtprogramm, dann werden sie über dubiose Tierhändler entsorgt. Das hat meiner Meinung nach nichts mit Artenschutz zu tun.“

Kalos kam nie in den Niederlanden an, sondern landete bei einem Lama-Halter in Heinsberg in der Nähe der niederländischen Grenze. Der Esel vertrug sich nicht mit den Lamas, daher stand er zum Verkauf. Physiotherapeut Reiner Grieshaber war auf der Suche nach einem Tier, das er in Therapiestunden einsetzen kann. Er wollte einen zahmen dalmatinischenEselkaufen. Dass er stattdessen einen vom Aussterben bedrohten Wildesel erwarb, ahnte er nicht. Er fand den Esel mit den Zebrastreifen an den Beinen besonders hübsch, der Preis war ok. Dass Kalos kein normaler Esel war, stellte er jedoch nachderAnkunftfest: Das Tier sprang über den zwei Meter hohen Zaun der Weide und flüchtete in die idyllische Landschaft rund um Kandern. Drei Tage lang war Grieshaber hinter dem Tier her. Schließlich suchte sich Kalos selbst eine neue Bleibe: Er spazierte auf dem Pferdehof von Jürgen Eichin indenStall,suchtesich eine Box aus, und da steht er nun und will nicht mehr weg.“ Grieshaber: „Mittlerweile lässt er mich schon auf 30 Zentimeter heran. Aber er ist extrem scheu und schreckhaft.“ Ihm ist mittlerweileauchklar, warum: „Das ist ein Wildtier. Eine Domestikation dauert viele tausend Jahre.“

Reiner Grieshaber hat viele, auch den Tierpark Berlin, um Rat gefragt, doch die wollen den Hengst nicht zurück „aus Sorge um unsere Herde“. Die Tierparks bleiben unbehelligt, während das Veterinäramt dem Pferdehofbesitzer schon einen Besuch abgestattet hat, um ein Bußgeld anzudrohen, weil der Wildesel nicht artgerecht gehalten wird. Kalos bräuchte eine große Weide, einen Unterstand und am Besten auch Artgenossen.

Die Behördenvertreter zeigten sich kulant, als sie die ganze Geschichte gehört hatten. Auch das Regierungspräsidium verzichtet noch auf rechtliche Schritte. Doch wo soll Reiner Grieshaber eine artgerechte Bleibe für ein afrikanisches Wildtier finden? Er ist jetzt auf die Idee gekommen, das Tier nach Afrika zurückzubringen, und sucht nun dort einen Platz. Währenddessen sammelt er Spenden für dieses Vorhaben. Denn eines ist ihm klar: „Ich passe auf Kalos auf. Sonst landet er irgendwo im Suppentopf.“

SUSANNE STOCKMANN

Wer helfen will: rettet_kalos@yahoo.de oder Tel: 07626/97 78 53

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