Fressen und gefressen werden in den Tierparks

Keine Gnade für Zootiere

Giraffe, Löwen, Zoo, Kopenhagen
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Das Giraffenkind Marius wurde im Zoo von Kopenhagen getötet und von Löwen gefressen.

Es ist das schmutzige kleine Geheimnis der Zoos, über das in den bunten Prospekten nicht geschrieben und in Tiershows nicht gesprochen wird: Viele der Zootiere sind Raubtiere und fressen Fleisch.

Das können die Tierparks in den Schlachthöfen kaufen, oder sie sorgen selbst für Futter. In allen großen Zoos werden Meerschweinchen und Mäuse zum Beispiel für Raubvögel oder Schlangen gezüchtet. Antilopen, Ziegen oder Zebras stehen auf dem Speiseplan von Löwen, Tiger und Co. Auch in Deutschland gibt es Diskussionen, „überzählige Tiere“, für die es auf lange Sicht keinen Platz im Zoo gibt, zu verfüttern.

Blutbad in Kopenhagen stößt auf Abscheu

Das Blutbad in Kopenhagen als Lehrstunde für Kinder (tz berichtete) stößt weltweit auf Abscheu und Empörung. In einer Online-Petition fordern 59 000 Menschen die Schließung des Zoos. Auch der Verband der Deutschen Zoodirektoren äußerte sich kritisch. Präsident Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos, sagte, obwohl die Schlachtung rechtlich und ethisch in Ordnung gewesen sei, sollte eine Tötung nicht so öffentlich zur Schau gestellt werden: „Zoos wollen den Menschen in erster Linie Freude bereiten.“

Während in der Schweiz überzählige Tiere offiziell eingeschläfert werden, ist das in Deutschland nicht so einfach möglich. Als in Magdeburg zwei Liger, also Mischlinge aus Löwe und Tiger, nach der Geburt getötet wurden, wurde der Direktor verurteilt – unerwünschte Gene sind kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes, um Tiere zu töten. Tierschützerin Laura Zimprich, Expertin für Tierparks bei Animal Public e.V. sagte gestern zur tz: „Die Zoodirektoren in Deutschland versuchen seit Jahre durchzusetzen, dass sie überzählige Tiere töten dürfen. Das ist ein ganz erbitterter Streit, der hinter den Kulissen tobt.“ Für diese Tiere müssen Zoos also einen Platz finden, aber Animal Public hat Einzelfälle dokumentiert, wo Tiere in schlechte Haltung kamen oder als Jagdtrophäe endeten, oder so Zimprichs Erfahrung: „Es heißt, das Tier sei krank und es sei besser, es werde eingeschläfert.“

Abgesehen davon müssen die Raubtiere im Zoo versorgt werden. Dafür dürfen auch in Deutschland z. B. Antilopen geschlachtet werden – weil sie als natürliche Beute von z. B. Löwen gelten und so gleich als Futtertiere gezüchtet werden dürfen. In Amerika übrigens werden die Raubtiere nur mit gehacktem Fleisch gefüttert – man will die Besucher vor den schmutzigen Geheimnissen schützen.

Marius’ Tod war unnötig

Marius musste sterben, weil für ihn kein Platz war. Was sagen Sie dazu?

tz-Interview mit

Martina Stephany

Vier Pfoten

Martina Stephany: In diesem Zoo dürfen die Tiere sich einfach paaren und vermehren, wie sie wollen. Da gibt es keine Kontrolle. Wird ein Tier geboren, wird hektisch überlegt: Was machen wir nun damit? Das ist absolut verantwortungslos dem Tier gegenüber. Zoos müssten Geburtenkontrolle praktizieren und vorher überlegen, ob es Platz für das Tier gibt.

Gab es Alternativen?

Stephany: Es hätte viele Möglichkeiten gegeben: Das Tier hätte nicht in diesem Zoo bleiben müssen, es gab ja sogar Angebote von anderen Zoos. Falls es wirklich keinen guten Platz gegeben hat, wie der Direktor behauptet, hätte man die Giraffen nach Geschlechtern trennen können. Junge Bullen kann man in Gruppen halten. Marius hätte kastriert werden können oder man hätte den Weibchen zeitweilig Verhütungsmittel verabreichen können. Das Tier zu töten, war völlig unnötig.

Für den Zoo als Wirtschaftsbetrieb hatte das Giraffenkind Marius keinen Nutzen mehr. Da war sein Schicksal als Löwenfutter besiegelt.

Stephany: Mich stört besonders, dass die Geburt des Tieres vor zwei Jahren groß inszeniert wurde – und nun wurde sein Tod zum öffentlichen Event. Zoos wollen einen Beitrag zum Artenschutz leisten. Doch wenn gesunde Tiere gezüchtet werden, um sie anschließend zu töten, stimmt grundlegend etwas an dem Konzept nicht.

In der Schweiz ist es üblich, überzählige Tiere zu töten.

Stephany: Letztlich ist es eine Frage des Willens und des Geldes, ob man Tieren, die nicht perfekt in die Zucht passen, trotzdem ein gutes Leben ermöglicht. Hier sehen wir die Zoos in der Pflicht, denn sie sind für ihre Schützlinge, mit denen sie schließlich gutes Geld verdienen, verantwortlich. Die Zoos sollten Lösungen anbieten, die ethisch und aus Tierschutzsicht tragbar sind.

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