"Wir haben Hoffnung"

Nach Cecils Tod: Was hat sich geändert?

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Löwe Cecil wurde von einem US-Zahnarzt illegal getötet.

München - Anfang Juli empörte eine grausame Jagd die Welt: Ein US-Amerikaner erlegte in Simbabwe den Löwen Cecil, ein Na­tionalheiligtum. Was hat sich seit dem Mord geändert?

Zahlreiche Proteste gingen nach der Hetzjagd um die Welt.

Der Mann, ein 55-jähriger Zahnarzt, hatte das Tier aus dem Hwange-Nationalpark, in dem die Jagd illegal ist, mit Aas gelockt, es mit Pfeil und Bogen angeschossen und rund 40 Stunden gehetzt, bevor er die stolze Raubkatze endgültig erlegte und anschließend häutete. Der einzigartige Löwe war als Forschungstier zudem mit einem speziellen Halsband versehen. Den Amerikaner kümmerte es nicht, er posierte mit dem Leichnam auf Fotos, die er im Internet veröffentlichte. Danach wurde rund um den Globus diskutiert – über Trophäenjagd und den Schutz bedrohter Tierarten. Was hat sich seither geändert – die tz fragte nach:

Ein Aufschrei der Empörung ging nach Cecils Tod durch die Welt. Was hat sich seither verändert?

Dr. Sandra Altherr ist Mitbegründerin von Pro Wildlife

Sandra Altherr: Simbabwe hat die Trophäenjagd kurzzeitig eingeschränkt, nach ein paar Tagen aber wieder aufgehoben. Auf internationaler Ebene hat sich die Situation aber deutlich verändert.

Inwiefern?

Altherr: Kommende Woche wird von der EU diskutiert, ob Jagdtrophäen aus bestimmten Ländern eingeführt werden dürfen – das war bisher kein Problem. Jetzt wird über Beschränkungen nachgedacht. Viele Fluglinien lehnen inzwischen schon den Transport von Großwildtieren ab. Das trifft die Jäger, denn selbst wenn es zu einem Abschuss kommt, kann die Beute ja nicht mehr außer Landes geschafft werden. Da ist der Spaß schnell vorbei.

Warum wird die Jagd überhaupt weiter gestattet?

Altherr:So eine Jagd ist leicht verdientes Geld. Die Pächter der Ländereien, auf denen diese Jagden stattfinden, sind Großgrundbesitzer und sehr einflussreich. Auch die Reiseveranstalter bringen Geld mit ins Land. Die Bevölkerung sieht von diesem Geld freilich nichts. Es versickert schnell in den wenigen vorhanden Instanzen, die hinter der Großwildjagd stecken.

Und in Ländern wie Simbabwe? Wird sich dort etwas ändern?

Altherr: Solange Herr Mugabe an der Macht ist, wird dort wenig passieren. Die Korruption ist hoch: Selbst wenn sich etwas auf politischer Ebene ändert, sind die alten Verhältnisse ganz schnell wieder hergestellt. Dennoch haben wir Hoffnung.

Hoffnung? 

Altherr: Viele Trophäenjäger sind gut betuchte Leute, die meist aus den USA oder Europa kommen. Wenn die EU die Schotten dicht macht und die USA ihre Überlegungen in diese Richtung ausweiten, dann könnte das die Hobby-Jäger vielleicht ausbremsen.

Was kommt rechtlich noch auf Walter Palmer zu?

Altherr: Zur Zeit wird geprüft, ob er gegen Recht in Simbabwe verstoßen hat. Aber selbst wenn nicht: Durch den sogenannten „Lacy Act“ könnte er auch in den USA für die illegale Jagd von Cecil belangt werden.

Was würde ihm bei einer Verurteilung drohen?

Altherr: Wahrscheinlich würde es bei einer Geldstrafe bleiben. Es ist unwahrscheinlich, dass er deshalb ins Gefängnis geht. Und an seinem Verhalten wird das wohl nichts ändern. Er hat zwar bereut – aber doch nur, dass er wegen der Jagd auf diesen einen Löwen am Pranger steht. Er hat ja weiter kein Problem damit, mit Pfeil und Bogen auf bedrohte Tierarten zu schießen.

Interview: Dominik Laska

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