Wenn Kaninchen und Co. in die Klinik müssen

Nagetiere auf dem OP-Tisch

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Tierärztin Dr. Nina Brugger behandelt die Zähne des Meerschweinchens Jerry.

Ismaning - Viele Menschen denken, dass nur Hunde und Katzen in den Tierkliniken behandelt werden. Doch auch für die Nagetiere können die Spezialisten viel tun.

Liebevolle Fürsorge, aufmerksame Pflege – und doch frisst das Kaninchen oder das Meerschwein nicht genug. Tierhalter, die zu Dr. Nina Brugger in die Tierklinik Ismaning kommen, sind oft beunruhigt: Ihr Nagetier hat deutlich abgenommen, und obwohl es offensichtlich großen Hunger hat, nimmt es kaum Futter zu sich. Viele Menschen denken, dass nur Hunde und Katzen in den Tierkliniken behandelt werden. Doch auch für die Nagetiere können die Spezialisten viel tun – meistens plagen Kaninchen und Meerschweinchen zu lange und schiefe Zähne.

Wenn Kaninchen und Co. in die Klinik müssen

"Wir klären immer erst einmal, ob das Tier Probleme mit der Verdauung hat“, erklärt die Tierärztin Nina Brugger. Ist mit Magen und Darm alles in Ordnung, sind häufig die Zähne schuld. „ Diese Tiere haben zwar Appetit, hoppeln zum Fressen und zeigen Interesse, brauchen aber ungewöhnlich lange zum Kauen“, sagt Dr. Nina Brugger. „Zum Teil fällt ihnen dabei das Fressen sogar aus dem Maul.“

Tierarzt Klaus Zahn: „Nagetiere brauchen keine Pellets!“

In solchen Fällen vermutet Brugger Fehlstellungen des Gebisses oder zu lange Zähne. Häufig sind dies die Spätfolgen einer ungeeigneten Ernährung – die Tierhalter wollen nur das Beste und kaufen verarbeitetes Trockenfutter. Damit tun sie ihrem Tier keinen Gefallen: „Nagetiere sollten am besten Heu und Frischzeug kauen, sie brauchen keine Pellets“, warnt auch Klaus Zahn, Leiter der Tierklinik Ismaning. Werde zu lange ausschließlich ungeeignetes Futter verwendet, würden die Zähne nicht ausreichend abgenutzt, sagt er. Anders als beim Menschen wachsen die Zähne der Nagetiere lebenslang nach. „Fehlt der regelmäßige Widerstand durch faserhaltige Nahrung, entwickeln die lange Zähne manchmal sogar scharfe Kanten, die die Mundschleimhäute verletzen“, berichtet Brugger. Im Mundraum können sich schmerzhafte Abszesse bilden, zum Teil entzünden sich auch noch die Zahnwurzeln.

Zu lange Zähne müssen behandelt werden – aber keinesfalls zu Hause, sagt Brugger. Wer sich mit einem Nageltrimmer am Gebiss seines Lieblings zu schaffen macht, risikiere splitternde oder brechende Zähne. In der Klinik verschafft sich Brugger mit dem Otoskop einen ersten Eindruck vom Gebiss das Patienten. Bei den Schneidezähnen ist dies relativ einfach, für die gründliche Untersuchung der Backenzähne wird das Tier in eine kurze schonende Narkose versetzt. Eine Aufnahme im Computertomografen liefert ein vollständiges Bild des Kiefers.

Und dann? „Wir können oft schnell helfen, indem wir einzelne Zähne kürzen“, sagt Brugger. Manchmal ist es allerdings nötig, beschädigte Zähne zu ziehen und Abszesse zu behandeln. Ein Problem können schwer zugängliche Backenzähne darstellen. Im schlimmsten Fall – wenn auch eine Operation aussichtslos wäre – muss das Tier eingeschläfert werden. In der Regel lässt sich das Gebiss aber auf dem OP-Tisch wieder herstellen. Nach dem Eingriff sollten die Besitzer zufüttern, bis ihr Meerschwein oder Kaninchen ohne Beschwerden selbst fressen kann – und sich wieder rundum wohlfühlt.

Tierklinik Ismaning:

089/540 45 64 11;

www.tierklinik-ismaning.de

Komplizierte Zahnbehandlung

Meerschweinchen Jerry bei der Behandlung.

Seit zwei Wochen fraß Meerschweinchen Jerry nicht mehr richtig – ein Drama für seine zehnjährige Besitzerin Leonie. Die Schülerin ließ nichts unversucht, um Jerrys Appetit anzuregen. Sie verbrachte viel Zeit mit ihm, nahm Jerry auf den Arm, kraulte ihn und fütterte ihn mit großer Geduld mit geschälten Apfelschnitzen und Kraftfutter. Für das Tier, dessen Zähne zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon Vorschäden aufwiesen, war die hochkalorische Kost allerdings genau das Verkehrte. Es knabberte gar kein Heu mehr, sodass die Zähne noch weiter wuchsen. „Pro Woche werden sie beim Meerschweinchen etwa einen Millimeter länger, wenn das Tier nicht ausreichend faserhaltige Nahrung kaut“, sagt Dr. Klaus Zahn. Dieses  ungesunde Wachstum geht mit Fehlstellungen einher. Schon beim ersten Anblick Jerrys fiel Dr. Nina Brugger auf, dass die Frontzähne schief standen. Tierarzthelferin Sabrina Quinlan hielt das Tier während der Erstellung der Diagnose, sodass Jerry sich die Untersuchung mit dem Oto­skop gefallen ließ. Sie ergab, dass die Backenzähne ungleichmäßig abgenutzt waren und einzelne Zähne spitz hervorragten. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Zunge und Backenschleimhaut die ersten Verletzungen aufgewiesen hätten. In Narkose wurden die zu langen Frontzähne und die spitzen Backenzähne korrigiert. Schon am Tag darauf konnte Leonie Jerry zu ihrer großen Erleichterung wieder abholen.

Tom hat die Drehkrankheit

Kaninchen Tom kam in die Tierklinik Ismaning, weil er zuerst den Kopf schief gehalten hatte, dann sogar zur Seite fiel und mit den Beinen zappelte – ein deutlicher Hinweis auf die Drehkrankheit, eine relativ häufige, gravierende Infektion des zentralen Nervensystems. Per Braunüle wurde Tom ein intravenöser Zugang am Ohr gelegt, um ihm Infusionen und Medikamente zu verabreichen. Nur so konnte sichergestellt werden, dass das Tier den ersten Krankheitsschub überlebte. Ob er dauerhaft geheilt werden kann, ist noch nicht klar, jedoch besserten sich die Symptome nach der Behandlung deutlich.

Leben lieben. Aiderbichl

von Michael Aufhauser

Recht auf Gesundheit

Während ich mir, wie gerade eben, die Kaninchen in den Kleintieranzeigen auf Ebay ansehe, stelle ich fest, dass ich für nur sechs Euro ein lebendiges Kaninchen kaufen könnte. Nicht eines der vielen Schlachtkaninchen, bei denen versprochen wird, dass sie an Ostern schlachtfertig abzugeben wären, sondern eines, das man Kindern gerne schenkt.

Ich frage mich manchmal, weshalb so unendlich viele Kaninchen auf unseren Gütern abgegeben werden. Denken die Käufer nicht darüber nach, was ihnen an Arbeit, Zeit und Kosten bevorsteht? Sind sie nur enttäuscht, weil sich das Kaninchen nicht dressieren lässt? Ich glaube, es ist ein Mix aus vielem, und so nehme ich mir einmal einen Packen Tierarztrechnungen für unsere Nager vor. Vielleicht sind es die Tierarztkosten, die so manchen abschrecken.

Die Kosten stationärer Unterbringung (Einstellung) mit Verpflegung, stationärer Untersuchung und oraler Eingabe von Medikamenten betragen da 54 Euro pro Tag. Dazu kommt natürlich die Hauptbehandlung. Bei einer Ohrenmilben-Operation kommen 88,66 Euro dazu und wehe, es wird die Operation eines Bindehaut-Flaps notwendig – dann wären noch weitere 270 Euro zu bezahlen. Spätestens bei Letzterem würden wahrscheinlich doch einige Kaninchenbesitzer resignieren. Aber es geht natürlich auch billiger. Zum Beispiel kostet eine Zahnbehandlung inklusive Narkose nur 50 Euro, eine Tränenkanalspülung 25 Euro, einmal Röntgen 25 Euro und die friedliche Einschläferung liegt etwa bei elf Euro. Aber alles ist teurer als der Anschaffungspreis: Das Kaninchen kann nichts dafür, dass es als eine Art Mogelpackung über den Ladentisch geht. Bitte sich auch deshalb nicht an ihm rächen. Das Schlimmste, was Sie einem Kaninchen antun könnten, wenn Sie es nicht mehr behalten wollen, ist, es bei einem Zoo abzugeben, der Lebendtiere an Reptilien verfüttert. Zu einer guten, gesunden Haltung gehört mindestens ein Artgenosse. Kaninchen dürfen nie Zugluft haben und Hygiene ist das oberste Gebot. Auch muss man berücksichtigen, dass es sich bei Kaninchen um dämmerungsaktive Tiere handelt. Wer die Kosten für eine Zahnbehandlung so niedrig wie möglich halten möchte, sollte eine Auswahl verschiedener Obsthölzer immer zur Verfügung stellen.

Vorsicht vor zu vielen Streichelattacken und ständigem Hochheben. Das versteht ein Kaninchen nicht und erschrickt in der Regel nur. Stress sollte man schon aus gesundheitlichen Gründen diesen Tieren nicht zumuten. Wer alles richtig macht, hat mit Kaninchen als Haustieren eine große Freude und kann sich lächelnd daran erinnern, dass die Freundschaft einmal mit sechs Euro begonnen hat.

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