Nur 28 Überlebende

Tiere als Kriegsopfer: Hilfe für Zootiere von Gaza

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Sichtlich mitgenommen sind auch diese beiden Löwen. Stark unterernährt und traumatisiert sollen sie nun noch Jordanien gerettet werden.

Gaza-Stadt - Der Krieg und die Bomben haben nicht nur bei den Menschen im Gaza-Streifen Spuren hinterlassen. Auch viele Tiere haben die Gefechte nicht überstanden - Der Zoo gleicht einem Trümmerfeld.

Im 52-Tage-Krieg in Gaza starben nicht nur über 2104 Palästinenser und 68 Israelis, auch ungezählte Tiere wurden Opfer der Bombardements. So wurde der Zoo von al-Bisan von schweren Geschossen verwüstet. Der großzügige Park mit exotischen Blumen und Palmen war bis zu seiner Verwüstung ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Besonders die Löwen waren eine Attraktion. Wie vieles andere wurden sie durch Schmugglertunnel ins Land gebracht. Viele Tiere, die die Angriffe überlebt haben, sind später elendig verhungert. Die Pfleger hatten kein Futter. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten konnte jetzt ein Team um den Tierarzt Amir Khalil in den Zoo schicken. Die tz sprach mit ihm:

Der Tierpark in Gaza wurde von Bombenangriffen komplett zerstört.

Wie sieht es in dem Zoo aus?

Amir Khalil: Ich habe sehr viele, sehr traurige Bilder im Kopf. Es war erschütternd, die Tiere zu sehen. Ein Affe z. B. hat seine beiden Weibchen und die Babys verloren. Er ist völlig traumatisiert. Die drei überlebenden Löwen sind unterernährt und sehr krank. Während des 52-Tage-Krieges wurde der Zoo zweimal von Geschossen getroffen. Viele Gehege sind zerstört, 86 Tiere sind gestorben. In den Gehegen lagen noch die Kadaver von Lamas, Stachelschweinen und Sträußen. Die Pfleger bekommen seit sechs Monaten kein Gehalt, und für sie war es sehr gefährlich, die Tiere zu versorgen. Es gab nur sehr wenig Futter. Die Löwen z. B. haben seit fast zwei Monaten nichts zu fressen und auch kein Wasser bekommen. Alle 28 Tiere, die den Krieg überlebt haben, sind in einem erbärmlichen Zustand, sie sind total abgemagert und auch aggressiv geworden. Einige Tiere haben noch Verletzungen von den Bombenangriffen, wir haben bei dem Adler, einem Affen und den Löwen Bombensplitter entfernt.

Wie geht es weiter?

Khalil: Unsere Mission ist noch nicht beendet. Jetzt arbeiten wir mit der israelischen und der ägyptischen Seite daran, dass wir drei Löwen nach Jordanien in ein Rehabilitationszentrum bringen können. Wir hoffen, dass in den kommenden Tagen die Genehmigung kommt. Für die weitere Versorgung der Tiere im Zoo haben wir Mitarbeiter engagiert, außerdem sichern wir Medikamente und Futter für erst mal zwei Monate. Zwei Tiefkühltruhen sowie Kühlschränke haben wir vor Ort organisiert. Wir haben auch mit Generatoren die Stromversorgung wieder hergestellt und hatten eine Spezialfirma dabei, die einem 50 Meter tiefen Brunnen für Wasser gebohrt hat.

Dr. Amir Khalil behandelte alle Tiere, hier trägt er einen Affen.

Das war eine große organisatorische Aufgabe!

Khalil: Ja, es war nicht leicht, aber wir hatten viel Unterstützung. Dank der guten Kontakte von Vier Pfoten haben wir als einzige Organisation eine Ausnahmegenehmigung bekommen, um nach Gaza zu reisen. Die Reise war sehr gefährlich, insbesondere der Abschnitt durch Nord Sinai-Ägypten. Wir mussten uns vor Attentätern und Überfällen schützen. Ich hatte auch befürchtet, dass wir angesprochen werden, warum wir den Tieren helfen, wenn doch so viele Menschen dort sterben. Aber alle Menschen waren der Meinung, dass diese Tiere nicht leiden dürfen, und es wichtig ist, ihnen zu helfen. Die Tiere können ja wirklich nichts für den Krieg. Ich glaube, dass die Rettung dieser Zootiere für die Bevölkerung ein Signal der Hoffnung ist.

tz

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