78-jährige Renterin erlebt Fiasko nach Rückkehr

GBW hinterlässt Bauruine: "Meine Wohnung ist kaputtsaniert"

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Angela M. ist verzweifelt: Ihre Wohnung ist nach der Sanierung nicht mehr bewohnbar.
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Ein Regal, das nicht mehr in die Wohnung passt, wurde einfach auseinandergesägt.
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Das Haus ist immer noch Baustelle.
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Im Bad fehlen die Fliesenfugen und statt einer Badewanne gibt es nur eine Dusche.
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Die Küche wurde beim Umbau ebenfalls schwer beschädigt: In der Arbeitsplatte ist ein Riss

München - Vier Wochen lang bezahlte die GBW als Vermieter von Angela M. (78) ihr für die Renovierung ihrer Wohnung in Moosach ein Hotelzimmer. Doch als sie zurückkam, war ihre Bleibe schlicht unbewohnbar.

So hatte sich Angela M. (78) die Rückkehr in ihre Wohnung nicht vorgestellt. Vier Wochen lang bezahlte ihr die GBW als Vermieter für die Renovierung ihrer Wohnung in Moosach ein Hotelzimmer. Doch als sie zurückkam, war ihre Bleibe schlicht und einfach unbewohnbar!

Der Wohnwahnsinn im Einzelnen: Im Badezimmer waren die Fliesen nicht verfugt, die Heizung fehlte. In der Küche lief kein Wasser, die Arbeitsplatte ist geborsten, am Fußboden entlang wurden Leitungen neu verlegt. Die wurden zwar verkleidet, doch jetzt passt kein Möbelstück mehr da hin, wo es vorher stand. Im Bett liegen Glasplatten, Tapeten hängen von der Wand – kurz: ein Fiasko, was Angela M. vorigen Freitag erlebte, als sie wieder in ihre Wohnung am Seydlitzplatz zurück durfte.

Ihr halbes Leben lang hatte Angela M. (78) in der Uni-Verwaltung gearbeitet, der Staat stellte ihr dafür vor 35 Jahren eine Wohnung zur Verfügung. 2003 wurde das Haus an die damals noch staatliche GBW verkauft. Die GBW wurde 2012 wiederum an die Augsburger Patrizia AG weiterverkauft (siehe tz-Stichwort unten).

Im Herbst 2015 mussten die Mieter wegen der Sanierung des Hauses ihre Kellerabteile räumen. „Wir sollten neue, dichte Fenster bekommen und ein neues Bad“, erinnert sich Angela M. Die Handwerker begannen im Haus im April umzubauen. Angela M. musste am 1. August ausziehen, um den Handwerkern Platz zu machen.“

Sie freute sich noch, als ihr die GBW ein Hotelzimmer zahlte – doch so, wie sie ihre Wohnung am vorigen Freitag antraf, ist sie unbewohnbar: „Ich kann nicht in meinem Bett schlafen, ich kann mich nicht waschen, ich kann nicht duschen – und trotzdem muss ich die volle Miete bezahlen.“ Und die wird 2017 durch die „Modernisierung“ von bisher rund 700 um 200 Euro auf knapp 900 Euro steigen!

Was es für die Mieterin nicht leichter macht: Angela M. ist schwer krank und braucht ein Beatmungsgerät: „Ich musste selbst schauen, wie ich es wieder anschließen kann. Auch Fernseher, Telefon, Internet waren tot.“

Die GBW erklärt: „Der Wiedereinzug zum 27. August geschah auf expliziten Wunsch der Mieterin.“ Bedauerlicherweise seien die Sanierungsmaßnahmen noch nicht abgeschlossen gewesen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, diese schnellstmöglich und umgehend umzusetzen.“

Noch am Montag habe man Handwerker ins Haus geschickt. Die beschädigte Küchenplatte werde ersetzt. „Hilfe durch andere Service-Mitarbeiter oder ein anderer Termin wurde der Mieterin natürlich angeboten, jedoch nicht gewünscht.“ Angela M. widerspricht: „Das ist nicht wahr, das Hotel war nur bis 27. August bezahlt.“

tz-Stichwort GBW

Vor vier Jahren verkaufte die Bayerische Landesbank (BLB) die GBW (eigentlich: Gemeinnützige Bayerische Wohnungsaktiengesellschaft) an die private Augsburger Patrizia AG, nachdem der Freistaat die BLB nach ihrer Milliardenpleite retten musste. Die EU-Kommission habe der Landesbank vorgeschrieben, die Bilanzsumme fast zu halbieren, argumentierte Finanzminister Markus Söder 2013: „Wir mussten alles verkaufen, was nicht niet- und nagelfest war.“ Die Landesbank sollte die Geschäftsbereiche verkaufen, die nicht zu den Kernaufgaben einer Bank gehören. Das EU-Wettbewerbs­kommissariat wies diese Darstellung zurück.

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