Am 15.4. ist sie in der Muffathalle

Big-Band-Chefin Monika: Ohne Nebenjobs klappt es nicht

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Gitarristin Monika Roscher greift auch gerne in die Tasten.

München - Am 15. April stellt die Münchner Big-Band-Leaderin Monika Roscher ihr neues Werk Of "Monsters And Birds" im Ampere vor. Im Interview verriet sie, wer die Monster sind.

Weibliche Big-Band-Leader sind so selten wie Frauen in Vorstandsetagen der Autohersteller. In München haben wir allerdings eine, die vom Jazzmagazin Downbeat zu den weltweit 20 besten Newcomern gezählt wird. Die 32-jährige Monika Roscher erhielt 2011 den Jazz-Echo für ihr Debütalbum Failure in Wonderland. Am 15. April stellt sie ihr neues Werk Of Monsters And Birds im Ampere vor. Im Interview verriet sie, wer die Monster sind.

Wie entstehen Ihre Stücke?

Monika Roscher: Ich setze mich nicht hin und sage mir, dass ich jetzt das oder das schreibe. Ich lasse es laufen und schaue erst später, was es geworden ist. Ich bin kein Konzeptmensch.

Dabei klingt die CD fast programmatisch …

Roscher: Das passiert später. Da merke ich: Oh, das ist ein Waldstück. Und dann fällt mir ein, was dazu passen könnte, ein Monster vielleicht.

Sie mögen das Bedrohliche?

Roscher: Mich langweilt Musik, wenn es immer nur harmonisch ist. Man hat auch andere Gefühle, und die müssen einen Platz haben.

Etwa beim Stück mit den zwitschernden Vögeln, als das Grollen einsetzt?

Roscher: Genau. Der Mensch in der Natur sozusagen.

Ist der Mensch das Monster im Titel?

Roscher: Naja, wir schaffen es schon noch, die Welt zu zerstören.

Wie rekrutieren Sie Ihre Big Band? Und wie finanzieren Sie diese, wenn Sie nicht reich geerbt haben?

Roscher: Leider nicht (lacht). Ich bin auch nach dieser Produktion wieder am Jobben. Uns haben die Initiative Musik und die Landeshauptstadt München unterstützt. Außerdem haben wir den Bayerischen Kunstförderpreis erhalten. Aber man glaubt nicht, was man alles in eine Big-Band-CD stecken kann. Die Musiker, mit denen habe ich früher studiert. Die machen alle mit, weil sie Bock auf dieses Projekt haben.

Wie haben Sie das sehr eigene Arrangieren von Bläsersätzen gelernt?

Roscher: Ich habe klassische Harmonielehre gelernt bei Gregor Hübner an der Musikhochschule hier. Das ist ein recht wilder Typ, und der hat von vornherein gesagt: Das eine ist, dass man sein Handwerk beherrscht, das andere ist es, dies auch weglassen zu können. Man kann alle Regeln brechen. Mich fasziniert diese Freiheit in der Musik.

Sie verwenden Elemente aus den unterschiedlichsten Genres von Pop und Blues bis Filmmusik ...

Roscher: Grundsätzlich bin ich erst einmal offen für alle Musikrichtungen. Die ganzen Abspaltungen, ob Jazz, Pop oder Punk und Klassik, interessieren mich nicht. Es gibt nur Musik. Wenn man sich etwa ein Schnittke-Requiem anhört, da würde jeder Metaltyp sagen: Ja, krass! Musik ist ohnehin schon spartenübergreifend. Was ich halt am Jazz so mag, sind die Instrumente, die Improvisation und die Freiheit. Das ist auch am Jazz-Publikum so schön. Die kann man fast nicht schocken, weil sie diese Tradition haben, über Bebop, über Freejazz. Ein reines Poppublikum hätte vielleicht mit meiner Musik eher Probleme.

Hören Sie viel traditionellen Jazz?

Roscher: Es gibt so ein paar, die kann ich immer hören, wie Charlie Parker. Der hat wahnsinnig krass gespielt, aber immer inspirierend. Man kann zwar seine Stücke nachspielen, aber seine Art zu interpretieren bekommt man nie hin. Es geht ja nicht nur um die Töne, sondern auch um die Haltung, wie bringt der Mensch das rüber.

Monika Roscher: Neue CD und Konzert

Noch mehr als beim Vorgänger zeigt Monika Roscher beim neuen Album Of Monsters And Birds ihre ungewöhnliche Art, Musik für eine Big Band zu arrangieren – zwischen klassischem Jazz, freien Elementen und Anleihen an Rock, Folk, Blues oder Filmmusik. Am 15. April erscheint die Platte, Monika Roscher präsentiert sie am gleichen Tag in der Muffathalle.

Antonio Seidemann

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