Bildhauer Nicolai Tregor

Büste für den Gasteig: Ein Maazel für München

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Der Bildhauer Nicolai Tregor arbeitet an einer Büste für den Gasteig.

München - Der Hausgott der Münchner Philharmoniker soll bald einen Nachbarn erhalten. Noch thront die Büste Sergiu Celibidaches (1912 bis 1996) konkurrenzlos in der Philharmonie, doch bald kommt Lorin Maazel (1930 bis 2014) hinzu …

Am US-Top-Pultstar Maazel, dem Vorgänger Valery Gergievs als Chef der Philis, arbeitet der Münchner Bildhauer Nicolai Tregor. Er hat vor knapp 20 Jahren auch schon den „Celi“ erschaffen. Der Maazel-Bronzekopf ist vom Kulturreferat in Auftrag gegeben, so der Künstler.

Tregor hat eine Werkstatt in der Schleißheimer Straße, aber an seinen Köpfen werkelt er zu Hause. „Die verfolgen mich nächtelang. Da will ich daheim sein“, sagt er verschmitzt melodramatisch. Maazel, einer der größten Pultstars der vergangenen 50 Jahre, war zwei Mal in München Chef: erst ein Jahrzehnt bei den BR-Symphonikern als Vorgänger von Mariss Jansons (73), später in selber Funktion knapp drei Jahre lang bei den Münchner Philharmonikern – bis zu seinem Tod.

Für eine Büste nach Fotografien, erklärt Tregor, braucht er rund 200 Stunden. „Wenn ich ein leibhaftiges Modell vor mir habe, geht das ruckzuck – in fünf bis zehn Stunden.“ Der Preis ist Verhandlungssache. „Zwischen 20 000 und 50 000 Euro.“ Am Maazel – hier die Vorstudie aus Ton – stand er bisher rund 25 Stunden. Wann der Maestro fertig sein wird? „Keine Ahnung. Sicher ist aber, dass er diesen typisch beseelten Gesichtsausdruck haben wird, der einfängt, wenn der Maestro mit dem Klang zufrieden war. Ähnlich wie bei Celi.“

Tregor ist ein Nachtmensch. „Ich beginne etwa um 17 Uhr mit der Arbeit, dann geht es durch bis zum Morgen.“ Er müsse sich in Trance arbeiten. „Irgendwann übernimmt dann die Büste. Ich hasse diesen pseudokünstlerischen Zustand, wenn man verwahrlost und verdreckt im Rausch ist“, grinst er. „Und man mit den Leuten kommuniziert, die schon toter sind als tot und die man künstlerisch wieder zum Leben erweckt.“

Halleluja, möchte man sagen, dass gerade noch ein zweiter Auftrag eingegangen ist, sozusagen am lebenden Objekt: Tregor nimmt sich unseren Ex-Papst Benedikt XVI. vor. Der Auftrag stammt von den Freimaurern. „Ich werde nun parallel an Benedikt arbeiten.“ Den Bayern-Papst mag er übrigens deutlich lieber als den jetzigen „Gutmenschen“ Franziskus. Herrn Ratzinger wird Tregor nach Fotografien gestalten; einen der etlichen Porträtierten live kennengelernt zu haben, sei zwar nützlich, meint Tregor, „aber das vergisst man mit der Zeit. Daher halte ich mich an Fotografien, wenn mir niemand Modell sitzt“.

Mit der Arbeit anhand von Fotografien geht eine „perverse Lust“ einher: „Ich fange an einer Seite an. Wenn sie fertig ist, kommt die nächste Foto-Perspektive. Ergebnis: Ich muss an der fertigen Seite wieder nacharbeiten, während ich die neue gestalte. Das ist ein einziges Korrigieren.“

Apropos korrigieren: Zu seinem berühmten Monaco Franze an der Münchner Freiheit hat Tregor ein, nun ja, sehr gespaltenes Verhältnis: „Der ist eigentlich eine hässliche Figur“, sagt der Mann, der in seinem bald 70-jährigen Leben u. a. auch Franz Josef Strauß, Sophie Scholl oder August Everding gegossen hat. „Der Monaco ist ein banales Markenzeichen, aber werbetechnisch prima. Der Platz ist ein Wallfahrtsort geworden. Die Plastik hat zu wenig echte Qualität, zu wenig Tiefe. Aber das hatte der Franze ja schließlich auch nicht.“

Übrigens wirkt Tregor auch tagsüber, bei unserem Gespräch, alles andere als müde. Wann er eigentlich mal schläft, wollen wir wissen. Antwort: „Am Monatsende.“

Matthias Bieber

Matthias Bieber

Matthias Bieber

E-Mail:Matthias.Bieber@tz.de

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