Die wichtigsten Fragen und Antworten

40 Tage Fastenzeit: Darauf kommt es beim Fasten an

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Fasten bedeutet Verzicht - wer sich in dieser Zeit grundsätzlich Gedanken über seinen Lebensstil macht, kann damit den Einstieg in eine gesündere Ernährung schaffen.

In der Fastenzeit wird zwischen Fasching und Ostern insgesamt 40 Tage gefastet. Worauf es dabei ankommt, woher dieser Brauch überhaupt kommt und weitere interessante Infos zum Thema Fasten hier im Überblick.

Für Christen beginnt am 10. Februar 2016 die Fastenzeit. Doch auch bei Menschen, die mit Glauben wenig am Hut haben, liegt Fasten schwer im Trend. Viele versprechen sich vom Fasten neben dem Gewichtsverlust auch Glücksgefühle, eine Reinigung von Körper, Geist und Seele, geschärfte Sinne, mehr Energie oder straffere Haut. Doch kann Fasten diese Erwartungen erfüllen? Wie geht das eigentlich richtig? Gibt es eine Anleitung für jedermann? Und was sollte man beim Fasten beachten?

Was ist Fasten eigentlich und wo kommt es her?

Fasten wird als freiwilliger Verzicht auf feste Nahrung definiert und ist auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt. Normalerweise wird für fünf bis zehn, manchmal aber auch für 14 Tage gefastet. Je nach Methode wird dabei völlig oder nur teilweise auf das Essen verzichtet. Die christliche Fastenzeit dauert 40 Tage. Im Islam gibt es den Fastenmonat Ramadan - er dauert 29 bis 30 Tage. Es gibt verschiedene Formen des Fastens und verschiedene Gründe (siehe unten). Das Wort "Fasten" kommt aus dem Germanischen (fastan) und bedeutet so viel wie "(fest)halten, beobachten, bewachen". 

Fasten ist KEINE Diät und sollte nicht mit Abstinenz verwechselt werden.

Das Fasten ist so alt wie die Menschheit selbst

Schon der griechische Arzt Hippokrates, der 460 - 375 vor Christus lebte, soll für das Fasten geworben haben. Folgendes Zitat zu diesem Thema soll von ihm stammen: "Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente." Aber schon lange vor Hippokrates haben Menschen immer wieder bewusst auf Nahrung verzichtet. Ins Christentum fand das Fasten beziehungsweise die Fastenzeit im 2. Jahrhundert Einzug. Zunächst dauerte sie nur zwei Tage (vor Ostern). Im 3. Jahrhundert wurde die Fastenzeit dann auf die Karwoche ausgedehnt. Bis Anfang des 5. Jahrhunderts hatte sich schließlich flächendeckend die 40-tägige Fastenzeit durchgesetzt.

Fastenzeit 2016: Wann fasten Christen, Juden, Muslime und Buddhisten

Religion

Welche Art von Fasten?

Zeiträume

Hintergründe

Christentum

Einst viele Regeln und sehr striktes Fasten. Bei Verstoß z. T. drakonische Strafen (im Mittelalter). Heute: Verzicht z.B. auf Süßigkeiten, Alkohol o.ä., an bestimmten Tagen auch auf Fleisch; Empfehlung: Nur eine volle Mahlzeit pro Tag und zwei kleine Stärkungen.

Von Aschermittwoch bis einschließlich Karsamstag, also die 40 Tage vor Ostern. Dieses Jahr geht die Fastenzeit also bis 26. März 2016. (Ostern ist der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond und liegt zwischen dem 21. März und dem 25. April);

Lange Zeit dienten im Christentum der Aschermittwoch und der Freitag (Jesus wurde ans Kreuz geschlagen) als generelle Fastentage.

Jesus ging laut Bibel für 40 Tage in die Wüste und fastete dort. Gefastet wird im Christentum als Buße und zur Besinnung. Christen sind während der Fastenzeit zum freiwilligen Verzicht auf Nahrung und zum Beten und Geben aufgerufen. Es geht um Buße, Besinnung und Umkehr.

Islam

Verzicht auf Essen, Trinken und Rauchen zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang.

Gefastet wird hauptsächlich im Ramadan. Das ist der neunte Monat des islamischen Mondjahres (und verschiebt sich jedes Jahr). Ansonsten sind Muslime angehalten, jeden Montag und jeden Donnerstag zu fasten.

Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam und entsprechend ein elementarer Bestandteil der Religion.

Buddhismus

Buddhistische Mönche und Nonnen verzichten jeden Tag ab 12 Uhr mittags auf jegliche Nahrungsaufnahme. Aber auch jeder gläubige Buddhist ist dazu aufgerufen, immer wieder zu fasten.

Eine vorgeschriebene oder empfohlene Fastenzeit wie im Christentum oder im Islam gibt es im Buddhismus nicht.

Buddhisten fasten, um innerlich rein zu werden, besser meditieren zu können sowie um inneren Frieden und Erleuchtung zu finden.

Judentum

Juden dürfen z.B. an Jom Kippur nicht essen, nicht trinken und nicht rauchen. Auch Waschen, Sex und Arbeit ist untersagt. Über diesen wichtigen Fastentag hinaus gibt es noch fünf weitere, allgemeine Fastentage. An ihnen wird zum Teil nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang gefastet.

Fasttage, an denen Essen und Trinken für 24 bis 25 Stunden vollkommen verboten ist: Jom Kippur, Schiwa Assar beTammus, Zom Gedalja, Assara beTevet sowie Tischa beAv.

Juden fasten zum Beispiel, um zuvor begangene Sünden zu sühnen oder traurigen Ereignissen zu gedenken. Es geht aber auch um die "Unabhängigkeit von irdischen Bedürfnissen".

Hinduismus

Die Einschränkungen bezüglich der Nahrungsaufnahme beim Fasten im Hinduismus variieren je nach Glaubensrichtung und Anlass.

Auch im Hinduismus gibt es keine klassische Fastenzeit. Es gibt aber mehrere Tage, an denen alle Hindus fasten; aber auch welche, an denen sie individuell fasten. Auch an Vollmondtagen und Neumondtagen wird gefastet.

Im Hinduismus wird oft vor einem Fest oder Ritual gefastet. Fasten wird aber auch praktiziert, um bei den Göttern zum Beispiel für die Genesung einer geliebten Person oder die Vergebung der eigenen Sünden zu bitten. Der Geist soll durch das Fasten gereinigt werden.

Orthodoxe Kirche

Verzicht auf Fleisch, Eier und Milchprodukte. An strengen Fasttagen darf außerdem kein Fisch gegessen, kein Wein getrunken und kein Öl verwendet werden. Fasten ist untrennbar mit Gebet verbunden.

Vier größere Fastenzeiten im Jahr: 40 Tage vor Ostern, sog. "Apostel-Fasten" in der Woche nach Pfingsten, "Koimesis-Fasten" im August und "Advent-Fasten" von Mitte November bis Heilig Abend. Außerdem soll jeden Mittwoch und Freitag, sowie am 5. Januar, 29. August und 14. September gefastet werden.

Das Fasten soll das geistliche Leben unterstützen. Es soll Körper und Geist beruhigen und das Gebet verstärken. Das Ziel ist die Besinnung auf Gott.

Richtig fasten - aber mit welcher Methode?

Fasten kann man - abseits religiöser Vorschriften - auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Mal ist überhaupt keine feste Nahrung erlaubt, mal nur trockene Semmeln und Milch, mal nur Saft oder nur Obst und Gemüse. Beliebt sind vor allem Heilfasten und Basenfasten. Die Ziele sind allerdings ähnlich wie beim religiösen Fasten: Es geht im weitesten Sinne um die seelische und körperliche Reinigung sowie darum, Ballast loszuwerden und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Im Folgenden gehen wir im Detail auf die wichtigsten Fasten-Methoden ein:

Heilfasten nach Otto Buchinger

Otto Buchinger war ein deutscher Arzt, der von 1878 bis 1966 gelebt hat. Er hat 1919 im Selbstversuch eine Fasten-Kur unternommen, um seine Rheuma-Schmerzen loszuwerden. Sein Projekt war von Erfolg gekrönt. Buchinger beschäftigte sich daraufhin eingehend mit dem Thema und eröffnete 1920 eine eigene Fasten-Klinik. 1935 veröffentlichte er sein Buch "Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden". Seither gilt Buchinger als Begründer des Heilfastens. Sein Werk wird bis heute regelmäßig neu aufgelegt. Der Ansatz des Arztes war, den Körper von Giftstoffen zu reinigen und seine Selbstheilungskräfte anzuregen. In diesem Zusammenhang führte Buchinger den Begriff "Entschlacken" ein. Wissenschaftlich ist dieser Ausdruck und das was dahintersteckt nicht belegt. Laut Medizinern gibt es in einem gesunden menschlichen Organismus keine Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Ist der Mensch gesund, scheidet er Abfallprodukte und Giftstoffe sowieso regelmäßig aus. Das Heilfasten nach Buchinger wird deshalb von Ärzten oft kritisiert.

Anleitung: Darauf kommt es beim Heilfasten nach Buchinger an

Nach ein bis drei sogenannten Entlastungstagen dürfen nur noch Tee, Wasser, Säfte und Gemüsebrühe konsumiert werden. Pro Tag sollen so rund 500 Kalorien aufgenommen werden. Am Ende folgen noch zwei Aufbautage, das sogenannte "Fastenbrechen". Das Fasten wird durch eine oder mehrere Darmentleerungen (z.B. mit Glaubersalz oder Einläufen) unterstützt.

  • An den Entlastungstagen sollte man nur leichte Kost und kein Eiweiß zu sich nehmen. Empfohlen werden Obst, gedünstetes Gemüse und Reis oder Kartoffeln. Schon jetzt sollte man viel trinken (etwa drei Liter pro Tag). Alkohol und Zigaretten sind verboten.
  • An den Fastentagen gibt es morgens Tee (am besten Kräutertee), der mit etwas Honig gesüßt werden darf. Mittags folgt eine Gemüsebrühe oder Gemüsesaft; abends dann Obstsaft, Gemüsesaft, Gemüsebrühe oder Tee. Sämtliche Flüssigkeiten sollten langsam gelöffelt und "gekaut" werden. An jedem zweiten Fastentag (beginnend mit dem 1.) erfolgt eine Darmentleerung.
  • Die Aufbautage (man rechnet immer einen Aufbautag pro drei Fastentage), die mit dem sogenannten "Fastenbrechen" beginnen, sollen mit einem reifen Apfel (am Abend des letzten Fastentages) und einer Gemüsesuppe (mit Inhalt/zum Mittagessen am ersten Aufbautag) begonnen werden. Das langsame Essen und die bewusste Ernährung sollten auch darüber hinaus so lange wie möglich beibehalten werden.
  • Im Idealfall wird das Heilfasten nach Buchinger mit moderater Bewegung und viel Entspannung unterstützt. Empfohlen werden zum Beispiel leichte Yoga-Übungen und Spaziergänge.

Heilfasten nach Franz Xaver Mayr (Milch-Semmel-Kur)

Franz Xaver Mayr war ein österreichischer Arzt, der von 1875 bis 1965 lebte. Seine Forschung widmete er vor allem dem menschliche Darm und der Verdauung. Er entwickelte eine drei-stufige Fasten-Kur zur Sanierung des Darms. Sie basiert auf folgenden Prinzipien: "Schonung, Säuberung und Schulung". Mayrs These war, dass der Schlüssel zu Gesundheit eine gesunde, leistungsfähige Verdauung ist. Mit seiner mindestens dreiwöchigen Milch-Semmel-Kur soll der Grundstein dafür gelegt werden. Mit der Franz-Xaver-Mayr-Therapie sollen unter anderem Verstopfung und Darmkrebs vorgebeugt werden können.

Für Franz Xaver Mayr ist das Wie der Ernährung viel bedeutender als das Was. Ein wichtiger Bestandteil seiner Kur ist deshalb das langsame Kauen der Nahrung. Dadurch wird der Speichelfluss angeregt, der die erste Stufe der Verdauung ist. Neben dem Essen spielen auch Bauchmassagen, die den Darm anregen sollen, eine wichtige Rolle bei der Therapie.

Schon etwa eine Woche vor Beginn der F.X.-Mayr-Kur sollte man seine Ernährung umstellen und möglichst auf Süßigkeiten, schwer verdaubare Kost (rohe Lebensmittel), fettiges Essen, Gebackenes, Frittiertes oder in Fett Gebratenes sowie Kaffee und Alkohol verzichtet werden. Wenn das Heilfasten dann losgeht, sind folgende Dinge zu beachten:

Anleitung: Darauf kommt es beim Heilfasten nach Franz Xaver Mayr an

  • Zu Beginn der Kur stehen Darmentleerungen (z. B. mit Glaubersalz) und striktes Fasten mit Tee und Wasser.
  • Danach darf zum Frühstück, Mittag- und Abendessen je eine trockene Semmel mit frischer Milch gegessen werden. Jeder Bissen sollte 40 bis 60 Mal gekaut werden, bevor dem Ganzen ein Löffel Milch hinzugefügt und der Brei dann geschluckt wird. Fastende sollten nach 18 Uhr keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen.
  • Neben der Semmel-Milch-Ernährung sollte der Fastende noch zwei bis drei Liter stilles Mineralwasser oder Kräutertees zu sich nehmen. Auch Gemüsebrühe ist erlaubt.
  • Eine Darmentleerung (z. B. mit Glaubersalz) wird jeden Tag empfohlen.
  • Um einer Mangelernährung vorzubeugen, wird geraten, zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe (sogenannte Substitute) zum Beispiel als Pillen zu sich zu nehmen.
  • Anschließend wird eine Schonkost-Diät empfohlen, die den Magen und Darm weiter schont und entlastet.

Heilfasten mit der Schrothkur

Johann Schroth war ein Fuhrmann und Naturheiler, der von 1798 bis 1856 lebte. Die Idee zu der Kur, die später nach ihm benannt wurde, kam Schroth beim Beobachten von krankem Vieh. Die Tiere verweigerten ihr Futter, tranken kaum etwas und bewegten sich nur wenig. Er schlussfolgerte, dass ein solches Verhalten auch einem kranken Menschen helfen könnte - und probierte es aus. Seine Methode hatte Erfolg und schnell galt Schroth als "Wunderdoktor". Schon zuvor hatte er am eigenen Leib nach einer Knieverletzung auf einen Tipp hin mit feuchten Wickeln experimentiert. Auch diese Behandlung war von Erfolg gekrönt und statt sich auf einen Körperteil zu fokussieren, entwickelte er Ganzkörperwickel.

Auf diesen beiden Grundlagen basiert auch das Heilfasten mit der Schrothkur. Diese dauert zwei bis drei Wochen und besteht aus sogenannten Trink- und so Trockentagen. Das Ziel ist die "Entgiftung" des Körpers. Im Prinzip besteht die Schrothkur aus vier Säulen: Der Diät/Ernährung, der schrothschen Packung (Ganzkörperwickel), dem Wechsel von Trink- und Trockentagen sowie einer Mischung aus Ruhe und Bewegung.

Anleitung: Darauf kommt es beim Heilfasten mit der Schrothkur an

  • Da die Ganzkörperwickel, die ein elementarer Bestandteil der Schrothkur sind, nur von ausgebildeten Leuten angelegt werden können, begeben sich die Fastenden in der Regel für drei Wochen in eine spezielle Fastenklinik.

  • Die Schrothkur ist auf 21 Tage ausgelegt. Dabei wird drei Mal ein Wochenplan wiederholt. An den letzten drei Tagen werden die Fastenden wieder an eine normale Ernährung herangeführt.

  • Bevor man mit der Schrothkur beginnt, sollte der Darm mit Glaubersalz oder einem Einlauf entleert werden.

  • Die Schrothkur beginnt mit einem sogenannten Trockentag. An einem solchen Tag sollte maximal ein halber Liter Flüssigkeit getrunken werden - und am besten kein Wasser, sondern Weißwein (am besten ein leichter Wein). Dieser soll über mehrere Stunden hinweg in kleinen Schlucken genossen werden. Wer keinen Wein mag, ihn nicht verträgt oder besser keinen Alkohol trinkt, kann aber selbstverständlich auch Wasser oder Tee als Ersatz zu sich nehmen.

  • Zu essen gibt es Reis, Hafer oder Gerstenschleim. Zum Frühstück und Abendessen wird je eine trockene Semmeln empfohlen. Auch gekochtes Gemüse und Trockenfrüchte sind in Maßen erlaubt. Wichtig ist: Die Ernährung sollte salz- und fettfrei sein und möglichst wenig Eiweiß enthalten. Insgesamt sollten 700 Kalorien nicht überschritten werden.
  • Abgewechselt werden die Trockentage mit je zwei "kleinen" und "großen" Trinktagen pro Woche. (Beispiel: Tag 1 = Trockentag, Tag 2 = kleiner Trinktag, Tag 3 = Trockentag, Tag 4 = Großer Trinktag.) An Trinktagen kann man Gemüsesuppen mit Kartoffeln, Karotten, Paprika, Kohl, Sellerie oder Lauch essen. Am Abend soll bewusst etwa ein Liter Wein (oder Alternativen, s.o.) getrunken werden.
  • An sechs Tagen die Woche (außer am Sonntag) wird dem Fastenden am frühen Morgen (gegen 4 Uhr) eine sogenannte "schrothsche Packung" (Ganzkörperwickel) angelegt. Sie besteht aus einem feuchtkalten Leintuch, drei Wärmflaschen und trockenen Wolldecken, die im besten Fall mit zwei Schnüren um den Körper herum zusammengebunden werden. Vor dem Anlegen der schrothschen Packung soll der Fastende heißen Tee trinken. Diese Kombination fördert die Wärmebildung, wirkt schmerzlindernd und krampflösend sowie beruhigend und ausgleichend, soll die Abwehrkräfte steigern und die Ausscheidung anregen.
  • Trockentagen werden als Ruhetage genutzt. Es ist Zeit für Entspannungstechniken, Massagen und Spaziergänge. An Trinktagen steht Bewegung auf dem Programm. Sportliche Betätigung soll den Stoffwechsel anregen und den Fettabbau zusätzlich fördern.

Basenfasten

Das Basenfasten ist eine milde Form des Fastens. Man darf sich weiterhin mit drei bis fünf kleinen Mahlzeiten am Tag satt essen - allerdings nur mit Gemüse und reifem Obst. Erlaubt ist alles, was von Pflanzen stammt. Verboten sind hingegen tierische Lebensmittel, Süßigkeiten, Teigwaren sowie Alkohol und Koffein. Das Basenfasten ist auf sieben bis 14 Tage ausgelegt. Die Idee dahinter ist folgende: Im Körper sollte ein ausgewogenes Verhältnis von Säuren und Basen herrschen, damit sich der Mensch gesund und leistungsfähig fühlt und der Stoffwechsel effektiv abgewickelt werden kann. Es geht also um innere Balance.  

Beeinflusst wird der Säure-Basen-Haushalt im Körper vom Lebenswandel. Wer viel Alkohol oder Kaffee trinkt, viel Süßes, viel Fettiges und viele Milchprodukte isst und auch noch Stress hat, dessen Körper ist höchstwahrscheinlich übersäuert. Die Folge sind Verdauungsstörungen, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder unreine Haut.

Anleitung: Darauf kommt es beim Basenfasten an

„Es gibt drei basische Mahlzeiten am Tag, bei denen man so viel essen darf, wie man möchte", sagt Ute Merk, ärztlich geprüfte Fastenleiterin aus Lenggries (Kreis Bad Tölz/Wolfratshausen). "Dabei werden vor allem Obst, Gemüse, Nüsse und Kräuter verarbeitet." Viel Flüssigkeit helfe zudem, die abgelagerten Schlacken im Körper auszuspülen. Das Abnehmen stehe bei dieser Art des Fastens nicht im Mittelpunkt, so Merk: "Vielmehr geht es darum, zu entgiften und einer Übersäuerung entgegenzuwirken."

Was beim Fasten im Körper passiert

Beim Fasten verwertet der Körper zunächst den Zucker, den er als kurzzeitigen Energielieferant als Glykogen in der Leber speichert. Dieser ist nach 24 Stunden komplett aufgebraucht. Weil die inneren Organe und das Gehirn aber nach Energie verlangen, holt sich der Körper diese aus Notreserven. Damit sind aber nicht nur die Speckröllchen gemeint. Der Körper baut auch Eiweiß aus Muskeln und Organen ab. "Alle Organe büßen beim Fasten etwas an Größe ein", erklärt sagt Prof. Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin, das zur Technischen Universität München gehört. Dies führt zu einer hormonellen Umstellung des Körpers, der in den Mangelbetrieb wechselt. Alle Organe büßen beim Fasten etwas an Größe ein“, erklärt Prof. Hauner. Bei Leuten, die nur eine Woche fasten schrumpfen die Organe allerdings nur wenig. Wer aber lange und extrem fastet, riskiert sogar einen gefährlichen Abbau des Herzmuskels.

Ein Körper, der beim Fasten, auf "Notbetrieb" schaltet, verbraucht weniger Energie. Denn: Die Verdauung hat frei, das Herz schlägt langsamer und der Blutdruck sinkt. Darum haben Fastende manchmal Kreislaufprobleme. Wenn die Muskeln schrumpfen sinkt zudem der Energiebedarf. „Um 20 bis 25 Prozent“, sagt Prof. Hauner.

Nur bei einem Organ wird beim Fasten nicht gespart: Das Gehirn muss nicht hungern. Dies lässt sich aus unserem evolutionärem Erbe erklären. Wir mögen uns zwar kulturell weiterentwickelt haben. Von unserer körperlichen Entwicklung her sind wir aber immer noch die Jäger und Sammler aus der Urzeit. Hunger würde beim Jagen in der Freien Wildbahn den Geist träge machen. Was die Chanchen auf Beute sinken lässt. Aber auch hier hat sich im Laufe der Evolution eine Lösung herausgebildet: Wenn kein Traubenzucker zugeführt wird, stellt unser Gehirn stellt auf einen weiteren Treibstoff um, auf sogenannte Ketonkörper, die beim Abbau von Fettsäuren in der Leber entstehen. Sie führen übrigens auch zu dem fiesen Mundgeruch, den viele Fastende kennen.

Für den Körper bedeutet diese Umstellung vor allem: Stress. "Darum fühlen sich Fastende am Anfang oft unwohl, sind nervös oder sogar aggressiv“, weiß Prof. Dieter Melchart, Direktor des Kompetenzzentrums für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat) am Klinikum rechts der Isar in München. Doch meist verschwinden die Gefühle schnell – zumindest, wenn man freiwillig auf das Essen verzichtet. Erzwungener Verzicht indes führt zu Dauerstress. Er setzt eine hormonelle Kettenreaktion in Gang, bei der viel Cortisol gebildet wird. Das Hormon hält den Stresspegel hoch. Denn der Hungernde soll handeln, ehe seine Kräfte schwinden. 

Wer freiwillig und mit Augenmaß fastet, bei dem stellt sich aber oft eine gute Lauen ein. Woher diese kommt, hat der Göttinger Neurobiologe Prof. Gerald Hüther an Ratten studiert. Er fand heraus: Beim Fasten wird im Gehirn mehr vom Stimmungsaufheller Serotonin gebildet.

Wer darf fasten und wer sollte lieber verzichten

"Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene fasten", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Trotzdem gibt es Risikogruppen, die beim Fasten aufpassen sollten. Die ärztlich geprüfte Fastenleiterin Ute Merk warnt etwa Schwangere vor dem Basenfasten. "Die ausgespülten Giftstoffe könnten auf den Fötus übergehen." Auch sollten Menschen, die unter Psychosen oder Depressionen leiden, aufs Fasten verzichten.

Generell warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Menschen mit ernsten Vorerkrankungen sollten nicht fasten. Bevor jemand seinen Körper einer Fastenkur unterzieht sollte man in jedem Fall mit dem Arzt sprechen. Günther Gunzelmann vom Berufsverband Fasten und Ernährung konkretisiert: Vom Fasten absehen sollten Schwangere, Stillende sowie Kinder und Heranwachsende unter 14 Jahren. "Auch diejenigen, die eine schwere Infektionskrankheit wie etwa eine Bronchitis gerade hinter sich haben, sollten tunlichst aufs Fasten verzichten", empfiehlt Gunzelmann. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, spricht idealerweise in jedem Fall vor dem Fasten mit seinem Hausarzt. Das gilt vor allem für jene, die unter Bluthochdruck, Diabetes oder unter bestimmten Herzkrankheiten leiden.

Richtig fasten? Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Diese zwei Fehler sollte man beim Fasten tunlichst vermeiden:

  • Vor einer erstmaligen Fastenkur nicht mit dem Arzt zu sprechen.
  • Es beim Fasten zu übertreiben.

Dass eine medizinische Abklärung vor dem Fasten Sinn macht, haben wir bereits erörtert. Aber wann übertreibt man es mit dem Fasten? Prof. Dieter Melchart erklärt: Nach 40 Tagen sollte selbst für Fastenprofis Schluss sein. Beim Fasten sollte immer ausreichend getrunken werden - und zwar bis zu drei Liter pro Tag. Außerdem sollte der Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden, etwa durch Obst- oder Reistage, Gemüsebrühe und Fruchtsaft.

Beim Fasten muss es nicht die harte Tour sein

Wer sich etwas Gutes tun will, kann es mit einer Fastenkur versuchen. Der Körper wird entgiftet, tankt neue Energie - und nebenbei purzeln auch noch die Pfunde. Dafür muss man nicht radikal auf Nahrung verzichten - man darf sehr wohl essen, nur eben bewusst und richtig.

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