Gleiche Zutaten, anderer Geschmack

Die Besonderheiten und Unterschiede der Biersorten

+
Wasser, Hopfen und Malz haben alle Biersorten gemeinsam - dennoch schmecken sie anders.

Das deutsche Reinheitsgebot gibt vor, welche Zutaten ein Bier haben darf. Dennoch gibt es verschiedene Biersorten. Wir erklären das Besondere an den Varianten und die Unterschiede.

In Sachen Bier macht uns Bayern keiner so schnell etwas vor. Nach Tschechien hat Deutschland den zweithöchsten Bierkonsum in Europa. Aber Bier ist nicht gleich Bier. Wasser, Hopfen und Malz haben alle Sorten gemeinsam - so schreibt es das deutsche Reinheitsgebot vor, das 2016 sein 500-jähriges Bestehen feiert.

"Verschiedene Arten von Malz, Hopfen und Hefe und unterschiedliche Braustile können ohne zusätzliche Zutaten vielfältige Aromen schaffen", erklärt Werner Gloßner vom Verband Private Brauereien. Wir erklären, was das Besondere an den diversen Bieren ist und wie sich der Geschmack unterscheidet.

Biersorten: Pils, Helles und Dunkles

  • Pils: Die mit Abstand beliebteste, meist produzierte und verkaufte Biersorte in Deutschland ist das Pils. Sein Anteil am gesamten Bierausstoß liegt bei mehr als 55 Prozent. Ein Pils ist frisch, herb und hopfenbetont. Der Alkoholgehalt liegt bei einem Pils bei 4,9 Prozent. "Ein Pils ist etwas für den unkomplizierten Biertrinker und ist ein typisches Feierabendbier", sagt Sandra Ganzenmüller vom Verband der Diplom-Biersommeliers.

Besonders viele Freunde hat das Pils im Norden, Westen und Osten der Republik. Im Süden, wo es die meisten Brauereien in Deutschland gibt, greift man dagegen zu den anderen Biersorten. Besonders beliebt es das Pils bei den Männern: Jeder zweite deutsche Mann trinkt mindestens einmal in der Woche ein Pils, ein Drittel sogar mehrmals in der Woche. 

Der größte Unterschied im Vergleich zu anderen Bieren ist, dass es stärker gehopft und damit bitterer ist. Benannt ist das untergärige Bier nach der böhmischen Stadt Pilsen. 

  • Helles: Ein Helles wird auch als Helles Lager, Münchner Hell oder Bayrisch Hell bezeichnet. Es gehört zu den untergärigen Biersorten und ist im Gegensatz zum Pils schwach gehopft. Das Helle ist besonders im Süden Deutschland beliebt. Es gehört sogar geradezu zu den Grundnahrungsmitteln, das zu den meisten Mahlzeiten dazu gehört, denn: "Helles schmeckt fast jedem und passt zu fast jedem Essen", meint Ganzenmüller. Durch den Einsatz von hellen Malzsorten schmeckt es etwas süßer, malziger und weicher. Weil das Helle vor der Abfüllung gefiltert wird, ist es ein sogenanntes "blankes Bier". Für den Brauvorgang benötigen untergärige Biere besonders niedrige Temperaturen.
  • Dunkles: Wie das Helle ist das Dunkle ein untergärig gebrautes Vollbier. Es bietet ansonsten nicht nur farblich einen Kontrast. "Ein gutes dunkles Bier ist vollmundig, etwas süß und hat ein malziges und röstartiges Aroma, je nach Ausprägung sind auch feine Kaffee- oder Schokonoten wahrnehmbar", erläutert Gloßner. Das Malz ist auch für die Farbe des Bieres verantwortlich. Es wird bei Temperaturen zwischen 100 und 110 Grad getrocknet und nimmt danach die dunkle Farbe an, die es dann an das Bier weitergibt. Das dunkle Bier hat mit 37 Kalorien pro 100 Milliliter etwas weniger als Pils oder Helles, obwohl der Alkoholgehalt ähnlich ist.

Biersorten: Weizen, Starkbier und Mischbier

  • Weizen: Das Weizen, oder Weißbier, ist das wohl bayerischste aller Biere. Doch das Weizenbier hat aus Bayern im Grunde einen beachtlichen Siegeszug gen Norden angetreten - sowohl bei den Brauereien als auch bei den Konsumenten. Wie es der Name schon verrät, wir das Weißbier mit Weizen beziehungsweise Weizenmalz hergestellt, dessen Gehalt mindestens 50 Prozent betragen muss. Das Weizenbier wird auch als Weißes oder Weiße bezeichnet und wird obergärig gebraut.

Ein Weizen zeichnet sich vor allem durch den fruchtigen Geschmack aus, sagt Ganzenmüller. Außerdem ist es besonders kohlensäurehaltig und schmeckt deshalb erfrischend. Beim Weizen lässt sich zwischen kristallklarem und naturtrübem unterscheiden. Für beide gilt: "Ein Weizen ist ein Bier, für das man ein bisschen Zeit mitbringen sollte", so die Expertin: "Eins, das man in Ruhe aus dem Glas trinkt, nicht zwischendurch aus der Falsche."

Bayern ist übrigens nach wie vor das wichtigste Bier-Brau-Bundesland in Deutschland. Jedes vierte deutsche Bier wurde im vergangenen Jahr im Freistaat gebraut.

  • Starkbier: Seine Zeit beginnt in Bayern nach dem Ende des Faschings und soll die Fastenzeit erträglicher machen. Aus diesem Grund ist es stärker als alle anderem- stark und kalorienreich genug, um die Zeit der Abstinenz überbrücken zu können. Zum Ursprung des Starkbieres gibt es mehrere Versionen. Die gängigste ist die, dass das Bier in der Fastenzeit von Salvatormönchen gebraut wurde. Ganz nach dem Motto: Es soll nicht an flüssiger Nahrung fehlen, wenn schon gefastet werden muss.

Die Zeit des Starkbiers endet gegen Ostern, aber kurz darauf folgt bereits die Maibock-Saison - als Begrüßung für den Frühling. Das Alleinstellungsmerkmal eines Starkbiers ist der Stammwürzgehalt von über 16 Prozent und damit einhergehend ein Alkoholgehalt von 6,5 Prozent oder höher.

  • Mischbier: Nahezu jede Biersorte lässt sich gut mischen - ob mit Zitronenlimonade oder Cola. Bis Ende 1992 schrieb das Biersteuergesetz vor, die Mischung "vor den Augen des Gastes" durchzuführen. Erst seit 1993 dürfen die deutschen Brauereien Biermischgetränke direkt herstellen und abfüllen.

Wenn es so etwas wie einen "Urvater" der Mischbiere gibt, ist es das Radler, das in der Regel aus hellem Bier und Zitronenlimonade im Verhältnis 1:1 gemischt wird und im Norden eher als Alsterwasser bezeichnet wird. Geht es nach der Expertin, sollte man sich sein Radler aber selbst mischen: "Bei vielen fertigen Mischgetränken sind die Geschmackskomponenten des Erfrischungsgetränks zu extrem, und das Bier-Aroma geht verloren", sagt Ganzenmüller. Ohnehin sei ein Mischbier wegen des Zuckergehalts der Limonade keine gesunde Alternative. Aber eben eine erfrischende.

Eine andere Variante ist der Russ'n, der zu gleichen Teilen aus Zitronenlimo und Weizenbier besteht. Beliebt ist auch die Kombination aus Bier und Cola, die oft Diesel genannt wird. In den vergangenen Jahren war der Phantasie der Brauereien keine Grenzen gesetzt: Sie mischten Bier plötzlich auch mit Säften oder anderen Erfrischungsgetränken: Apfel, Banane, Grapefruit, Kaktusfeige oder Energydrinks. Erst kürzlich wurden in vielen bekannten Bier-Sorten, darunter Augustiner, Paulaner und Becks, Glyphosat gefunden.

Biersorten: Was ist der Unterschied zwischen obergärig und untergärig?

Ein Weißbier wird zum Beispiel obergärig gebraut. Das heißt, dass die Hefe während des Brauens an die Oberfläche steigt und die Braugefäße oft offen sind. Außerdem muss es relativ warm sein: Obergäriges Bier braucht eine Raumtemperatur von 15 bis 20 Grad und erhält oft ein fruchtiges Aroma.

Beim untergärigen Bier - etwa dem Hellen - ist es genau anders herum, die Hefe sammelt sich unten im Kessel. Der Gärkeller muss zudem kalt sein, untergäriges Bier verträgt nur 4 bis 9 Grad. Untergärige Biere werden heutzutage häufiger hergestellt als obergärige. Das war früher, als es noch keine Klimaanlagen gab, anders: Da bestimmte hauptsächlich das Wetter, welches Bier am Ende getrunken wurde - war es kalt, gab es untergäriges Bier, war es warm, ließ sich obergäriges brauen.

Marcel Guboff

Marcel Guboff

E-Mail:info@merkur.de

Google+

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Biancas Foodblog: Fünf Tipps für griechische Lokale in München
Biancas Foodblog: Fünf Tipps für griechische Lokale in München
McDonald's geht in die Nugget-Offensive - das soll wirklich drinstecken
McDonald's geht in die Nugget-Offensive - das soll wirklich drinstecken
Endivien sind voller Nährstoffe
Endivien sind voller Nährstoffe
Kuriose Kombination: Der Hamdog aus Australien
Kuriose Kombination: Der Hamdog aus Australien

Kommentare