Stadtmuseum

„Paris ist eine Frau, München ist Bier“

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Mitte des 19. Jahrhunderts zierten die Masskrüge noch keine Brauereinamen. Ab 1874 änderte sich das.

Seinen 500. Jahrestag feiert das Bayerische Reinheitsgebot diesen Monat. Anlass genug für das Stadtmuseum, dem Münchner Biergewerbe und seiner Geschichte ab heute eine Ausstellung zu widmen. Auf 800 Quadratmetern dreht sich bei „Bier. Macht. München.“ alles ums flüssige Gold.

Der russische Maler Leonid Pasternak legte sich fest: „Paris ist eine Frau, München ist Bier“, schrieb er Ende des 19. Jahrhunderts. Abgeneigt soll er beidem nicht gewesen sein – die klare Sicht hat ihm das jedoch nicht geraubt: „Nach meiner Meinung ist München besser!“

Kaum eine deutsche Stadt ist kulturell so eng mit der Geschichte ihres Bieres verwoben wie München. Bereits mit dem Reinheitsgebot war die Residenzstadt dem Rest Bayerns einen Riesenschritt voraus, wie ein historisches Dokument im Eingangsbereich der Ausstellung belegt. Demnach existierte schon im Jahr 1487 ein Münchner Reinheitsgebot, das der bayerischen Variante von 1516 als Inspiration gedient haben soll.

Mit trockenen Gesetzestexten und historischer Amtsmeierei befasst sich das Stadtmuseum aber keinesfalls. Um die Braukunst geht es, um den Aufstieg örtlicher Bierhersteller zu weltweit gefragten Genusslieferanten. Und um die Wirtshäuser, in denen die Münchner sich seit vielen hundert Jahren ihrer ungebrochenen Liebe zur Mass hingeben. „Das größte Problem der Ausstellung war, sich zu beschränken“, verrät Kuratorin Ursula Eymold. Es sei schwierig gewesen, unter den vielen möglichen Exponaten eine begrenzte Auswahl zu treffen. Immerhin – stolze 700 Objekte sind es geworden. Noch bis zum 8. Januar 2017 kann man sie im Stadtmuseum bewundern. Von technischen Brauereieinrichtungen bis hin zu historischen Grafiken, die die zeichnerische Entwicklung der großen Brauereimarken illustrieren, gibt das Museum einen detaillierten Einblick in die Geschichte der Münchner Bierindustrie.

Bei den Forschungsarbeiten im Vorfeld seien sie und ihre Kollegen auf so manche Überraschung gestoßen, sagt Ursula Eymold. „Von ursprünglich 60 Brauereien, die hier das ganze Mittelalter hindurch bis ins 19. Jahrhundert ihr Aus- und Einkommen hatten, reduziert sich die Zahl im Laufe des 19. Jahrhunderts auf 20.“ Mittlerweile gebe es in München nur noch sechs große Brauereien – „oder sechs richtige, wie sie sich gern selbst bezeichnen“. Das sei an sich zwar noch keine neue Erkenntnis. „Dass diese sechs Brauereien aber nicht zu den Neugründungen des 19. Jahrhunderts gehören, sondern allesamt ihre Wurzeln in den handwerklichen Betrieben des Mittelalters haben, war für uns interessant.“

Dabei trugen sogenannte Bierbarone wie Gabriel Sedlymayr oder Joesph Pschorr zwischen 1860 und 1890 maßgeblich zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt München bei. Zeitgenössische Porträtgemälde verleihen diesen Visionären der Brauereikultur in der Ausstellung „Bier. Macht. München.“ ein Gesicht.

Um die komplexen Vorgänge des Bierbrauens angemessen darstellen zu können, greifen Eymold und ihre Kollegen neben eindrucksvollen Originaleinrichtungen aus Münchner Brauereien auf erklärende Grafiken zurück und beamen einen einsichtsvollen Dokumentar-Stummfilm an die Wand. Doch nicht die gesamte Ausstellung schwebt in den Sphären von großbürgerlichem Unternehmertum und wissenschaftlichem Pioniergeist. Einer der drei Museumsräume widmet sich ganz dem Konsumenten. Historische Biergartengemälde finden hier ebenso Aufmerksamkeit wie die punkig-abgeranzte Toilettentüre des einstigen Atomic Cafés.

Die Ausstellung

„Bier. Macht. München.“ kann dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Für Erwachsene kostet der Eintritt 7 Euro, für alle unter 18 überhaupt nichts.

Von Marian Meidel

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