Geschichte des Bieres

Wie ein Rabbi dem Bier seinen theologischen Segen gab

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Das jüdische Museum in München

Als die Bayern dem Bier vor 500 Jahren ihr Reinheitsgebot gaben, hatten die Juden dem Getränk schon längst ihren Segen gegeben. Schon vor 5000 Jahren lernten die Israeliten in Ägypten das Bier schätzen.

So sehr, dass es im Talmud sogar für rituelle Speisen gestattet wurde. Diese eher unbekannte Geschichte des Biers erzählt das Jüdische Museum in München nun in einer Ausstellung.

Es ist das erste Mal, dass es eine Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart des Biers in der jüdischen Tradition gibt. Anlass ist der 500. Jahrestag des bayerischen Reinheitsgebots, der in diesem Monat gefeiert wird. Während sich im Münchner Stadtmuseum seit einigen Tagen eine Ausstellung unter dem Titel "Bier.Macht.Bayern" mit der klassischen bayerischen Biergeschichte befasst, wird im gegenüber liegenden Jüdischen Museum am Jakobsplatz von Dienstag an die noch traditionsreichere, aber bislang unbekannte jüdische Biergeschichte erzählt.

Museumsdirektor Bernhard Purin erzählt, wie es das Bier im eigentlich den Wein vorziehenden Judentum sogar zu theologischem Segen brachte. Im babylonischen Talmud, einem der wichtigen Lehrwerke des Judentums, finde sich die Geschichte über den Rabbi Amemar, der eines Tages in eine abgelegene Stadt gekommen sei. Er sei dort über den Sabbat geblieben und von den Einheimischen eingeladen worden, am Hawdala-Ritual teilzunehmen. Als sie ihm aber statt des in der Gegend seltenen Weins Bier für den Segensspruch gebracht hätten, habe er den Segen abgelehnt.

Ein Jahr später sei der Rabbi wieder in die Stadt gekommen, wieder luden ihn die Menschen zum Segen ein und wieder brachten sie Bier. Der Rabbi habe in dem Jahr nachgedacht und diesmal das Bier gesegnet. "Wenn es in diesem Land so schwer ist, Wein zu beschaffen, dann ist das Bier das Wein dieses Landes", habe seine Begründung gelautet.

"Bier ist der Wein dieses Landes" heißt der zu Bayern und vor allem zur Bierstadt München passende Name der Ausstellung. Fast alle Biersorten erfüllen den jüdischen Anspruch an ein koscheres, also rituell reines Getränk. Nur am Pessach-Fest, an dem alles Gesäuerte verboten ist, darf es nicht getrunken werden, weil Bier vergoren ist.

Auch zu den gesundheitlichen Chancen und Risiken des Biertrinkens gibt es in den Schriften Hinweise. So sprach Rabbi Joseph dem ägyptischen Bier im babylonischen Talmud gar eine wundersame Doppelfunktion für die Probleme rund um den Toilettengang zu: "Wer an Verstopfung leidet, bei dem wirkt es auflösend, wer an Durchfall leidet, bei dem wirkt es verhärtend."

Und Rabbi Jonathan verklärte das Biertrinken ebenfalls im Talmud zum Schutzgetränk gegen schwerste Krankheiten. "In Babylonien sind deshalb keine Aussätzigen, weil man da Mangold isst, Bier trinkt und im Gewässer des Euphrat badet." Es scheint fast so, als hätten die Münchner Brauereien sich im Talmud für ihre Werbekampagnen inspirieren lassen: Die gestalten sie im Sommer regelmäßig mit in der Isar planschenden Schönheiten, die Bier trinken und Brezeln essen.

Es ist einiger Platz für Heiterkeit in der Ausstellung - aber auch für Abschreckendes. Denn natürlich hatten auch Juden ihren Anteil an der Erfolgsgeschichte des Biers in Deutschland. So lieferten ab dem späten 15. Jahrhundert vor allem jüdische Händler den für den Biergeschmack so wichtigen Hopfen. Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 endete diese Geschichte.

AFP

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