Seit 500 Jahren wird Bier nach diesen Regeln gebraut

Reinheitsgebot in Bayern und Deutschland: Das sind die Unterschiede

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Das Reinheitsgebot in Deutschland feiert den 500. Geburtstag. Doch die Zahl bezieht sich eigentlich nur auf Bayern.

München - Das Reinheitsgebot besteht seit 500 Jahren. Doch nicht in ganz Deutschland. Eigentlich dürfte nur Bayern diesen Geburtstag feiern. Und der Freistaat hat auch nicht das älteste Reinheitsgebot - München ist Bayern um einige Jahre voraus.

Mit 500 Jahren ist es das älteste deutsche Lebensmittelgesetz, das heutzutage noch gültig ist: das bayerische Reinheitsgebot. Brauereien in Bayern halten sich seit 1516 an die Vorschrift, Bier nur unter Verwendung festgelegter Zutaten zu brauen. Zum 500. Geburtstag des Gebots sind im April diverse Feierlichkeiten geplant. In Ingolstadt wird es einen Festakt geben, in Passau wird eine Landesausstellung eröffnet, im Juli gibt es in München ein Jubiläumsfestival. Doch: Wer hält sich eigentlich an das 500 Jahre alte Reinheitsgebot? Das bayerische Reinheitsgebot ist nicht das einzige seiner Art. Doch die verschiedenen Vorschriften unterscheiden sich zum Teil stark.

Das bayerische Reinheitsgebot: Das bedeutet es und so ist es entstanden

Vor allem Mönche und Nonnen waren vor einigen hundert Jahren mit der Kunst des Bierbrauens vertraut. Während der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern war Essen verboten - Bier trinken hingegen war kein Problem. Also brauten die Geistlichen munter das bayerische Traditionsgetränk. Sie nutzten vor allem Hopfen zur Herstellung, da das Bier so einen besseren Geschmack hatte und länger haltbar war. Außerhalb der Klöster fanden allerdings viele andere Zutaten ihren Weg in den Brautopf, oft auch giftige - bis im Jahr 1516 das Reinheitsgebot erlassen wurde. Herzog Wilhelm IV schrieb in Ingolstadt fest: Ab sofort dürfen für das Bier nur noch die natürlichen Zutaten Wasser, Hopfen und Gerste verwendet werden. Die Bedeutung für Hefe für das Bier wurde erst später bekannt und dann nachträglich dem bayerischen Reinheitsgebot hinzugefügt.

Bis heute halten sich in Bayern die Brauereien an das Gebot. Bei der Herstellung von Bier ist die Verwendung von Rohr-, Rüben- oder Invertzucker verboten - dies sind keine natürlichen Mittel. Auch beispielsweise künstliche Aromen und Konservierungsstoffe sind verboten - im Gegensatz zu Bieren aus dem Ausland. Als Bayern 1918 in die Weimarer Republik eintrat, wurde dieses Gebot rechtlich gesichert und gilt bis heute. Für die bayerischen Brauereien ist das Reinheitsgebot immer mehr ein Erfolgsgarant. Sie exportieren Bier in die ganze Welt - den Freistaat hat das bekannt gemacht. Wer kennt schließlich nicht das Oktoberfest und die Maßkrüge?

Das deutsche Reinheitsgebot: Der kleine aber feine Unterschied im Bier

Im Ausland wird weniger zwischen bayerischem und deutschem Bier unterschieden. Doch das deutsche Reinheitsgebot für Bier ist nicht mit dem des Freistaats gleichzusetzen. Kaiser Wilhelm erließ dieses im Jahr 1906 - also fast 400 Jahre nach dem bayerischen Herzog. Untergäriges Bier wird demnach ebenfalls nur mit Gerstenmalz, Hopfen, Wasser und Hefe gebraut. Bei obergärigem Bier aber sieht die Sache anders aus: Hier dürfen auch andere Malzarten in den Braukessel, außerdem ist Rohr-, Rüben- und Invertzucker erlaubt.

Seit 1987 dürfen in Deutschland auch Biere aus dem Ausland zum Verkauf angeboten werden, die nicht nach den Vorschriften des Reinheitsgebots gebraut werden. Die deutschen Brauer haben sich jedoch weiterhin verpflichtet, sich an das Reinheitsgebot zu halten. Um dies zu würdigen, hat die EU dem nach deutschen Reinheitsgebot gebrauten Bier den Status eines "traditionellen Lebensmittels" anerkannt.

500 Jahre Reinheitsgebot: Die Münchner brauen Bier schon länger nach diesen Regeln

500 Jahre also wird in Bayern auf diese Weise Bier gebraut. Herzog Wilhelm IV hat sich dieses aber nicht allein ausgedacht. Vielmehr hat er sich die reine Braukunst bei verschiedenen bayerischen Städten abgeschaut. Denn beispielsweise in der Landeshauptstadt war schon viele Jahre vorher festgelegt, was bei den Münchner Brauereien in das alkoholische Getränk darf - und was nicht. Genauer gesagt am 30. November 1487 erließ Herzog Albrecht von Bayern im Teilherzogtum Bayern-München das Münchner Reinheitsgebot. Neben den Zutaten Hopfen, Gerste und Wasser wurde außerdem ein Bierpreis festgelegt und Qualitätskontrollen vorgeschrieben. Thema war das aber schon 1363 im Münchnner Stadtrat. 1493 folgte das Teilherzogtum Bayern-Landshut dem Gebot, ganz Bayern dann erst vor 500 Jahren.

Als erste Stadt hat sich urkundlich belegt Augsburg um die Qualität des Biers gesorgt. Schon 1156 unter Kaiser Friedrich Barbarossa war im damaligen Stadtrecht von der Bierbrauerei die Rede. "Wenn ein Bierschenker schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt, soll er gestraft werden", heißt es da. Was aber schlechtes Bier genau bedeutet, wurde damals noch nicht festgelegt - erst dann im Münchner Reinheitsgebot

Reinheitsgebot außerhalb von Deutschland: Das erwartet die Biertrinker 

Bier außerhalb des Reinheitsgebots darf nach dem Beschluss des Europäischen Gerichtshofs nach Deutschland importiert und dort auch verkauft werden. Doch viele Länder halten sich dennoch an das Reinheitsgebot, obwohl sie es nicht müssen. Denn ohne Reinheit haben sie kaum eine Chance auf dem deutschen Biermarkt. Rein gesetzlich müssen die Biere aber weder für den Export noch für das Inland auf diese Weise gebraut werden. Außerhalb Deutschlands ist es erlaubt, bei der Herstellung Malzersatzstoffe zu verwenden. Um eventuelle geschmackliche Defizite auszugleichen, werden dann künstliche Enzym-Präparate verwendet.

Doch auch weit, weit weg von deutschem Boden findet sich Bier, das exakt nach den Regeln des Reinheitsgebots gebraut wird. Beispielsweise in Afrika. Der Wüstenstaat Namibia war eine einstige deutsche Kolonie. Das dort hergestellte Windhoek Lager richtet sich nach der Brauart der deutschen Biere. Auch in Asien gibt es das. Die Hafenstadt Quingdao in China stand ebenfalls einmal unter deutscher Herrschaft. Aus dieser Zeit rührt Chinas Bier Tsingtao her - gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516.

Das Reinheitsgebot in Deutschland: Ausnahmen bestätigen die Regel

Es gibt im Gesetz zur deutschen Bierbrauerei eine Ausnahme mit "besonderen Bieren".  Dabei ist es erlaubt, Gewürze und Früchte bei der Herstellung zu verwenden. Das wohl bekannteste besondere Bier: die Berliner Weiße. Malz- und Hopfenersatzstoffe sind aber auch da nicht erlaubt. Doch auch die Bierbrauer, die sich an das 500 Jahre alte Gebot halten, sind nicht gezwungen, ein und dasselbe Getränk zu produzieren. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Malz, Hopfen und Gerste - kombiniert man diese, gibt es rund eine Million verschiedene Geschmäcker. 

In Deutschland werden rund 5000 Sorten Bier gebraut. Die ganz kleinen Unterschiede schmecken aber wohl nur die wirklichen Bierkenner heraus. Und für alle, die selbst zuhause Bier brauen: Wer zum Eigenbedarf nicht mehr als 200 Liter pro Jahr herstellt, muss sich nicht an das Reinheitsgebot halten. Na dann, Krüge hoch!

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