Verliebt ins Bier

BR zeigt Doku über "Die Bier-Rebellen" Bayerns

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Hat den richtigen Riecher: Bier-Sommelière Kathrin Meyer

Wer eine Geschmacksrevolution anzetteln will, muss kreativ sein. In Omas Kochtopf, der Badewanne oder in der Garage haben viele Bier-Rebellen ihren ersten Gerstensaft gebraucht.

Was sie eint? Die Liebe zum Handwerk, der persönliche Kontakt zu ihren regionalen Rohstofflieferanten und der eiserne Wille, sich in der Welt der glatt gebügelten Konzernbiere einen Platz zu erobern. 500 Jahre Reinheitsgebot bedeuten schließlich nicht 500 Jahre Langeweile. Bier-Sommelière Kathrin Meyer hat Die Bier-Rebellen in ganz Bayern aufgespürt und porträtiert sie in der unterhaltsamen Doku, die heute den Auftakt des neuen Programmschemas des BR Fernsehens macht. Wer sich mit Meyer auf die ebenso stimmungsvolle wie lehrreiche Reise begibt, bekommt vor allem eines: Lust auf Bier.

Frau Meyer, Sie kommen aus einer Brauereifamilie. In welchem Alter haben Sie Ihr erstes Bier getrunken?

Kathrin Meyer: Das war mit vier. Davon gibt’s sogar ein Foto, wie ich die Bierflasche halte, aus der ich das Noagerl geschlürft hab. Als Kind mochte ich gern die letzten Tropfen und die Hefereste. So richtig auf den Geschmack gekommen bin ich aber erst viel später. Die große Liebe zum Bier kam erst mit über 20.

Sie haben die Ausbildung zur Bier-Sommelière gemacht. Können Sie auch selbst brauen? 

Meyer: Leider nicht. Ich hab zwar letzte Woche meinen ersten Homebrew-Sud gemacht, aber unter fachkundiger Anleitung. Allein hätte ich’s nicht hingekriegt – auch wenn ich den Gärprozess und die Rohstoffe, die man braucht, sehr gut kenne.

Wie muss das perfekte Bier für Sie schmecken? 

Meyer: Mit dem Bier ist es wie mit der Liebe: Es gibt manchmal unerwiderte Liebe und manchmal ist sie so stark, dass sie einen einengt. So ist das auch mit dem Biergeschmack.

Wie bitte? 

Meyer: Ja, das Bier muss bei mir im Mund und im Kopf eine Lust erzeugen, die nicht zu groß ist, mich also nicht erschlägt, es darf aber auch nicht zu leer schmecken und zu wenig Attraktion bieten. Das perfekte Bier hält die Balance zwischen beidem. Für mich ist das ein sauber gebrautes Helles.

Der Film begleitet Sie auf Ihrer Reise durch Bayern, wo sie die sogenannten Bier-Rebellen besuchen. Was unterscheidet kleine Privatbrauereien oder sogenannte Craft- Brauer von den großen Bierkonzernen? 

Meyer: Die Kreativität und die Auswahl der Rohstoffe. Als Craft-Brauer kannst du neue Ideen schneller umsetzen, weil der Weg zwischen Sudhaus und Geschäftsleitungmeistnichtweitist( lacht). Außerdem haben viele kleine Brauereien noch einen persönlichen Kontakt zur Mälzerei oder zum Hopfenbauern. Die großen Konzerne kaufen dagegen mehr nach Preis ein, damit am Bier auch was verdient ist.

Nach Ihrem Film ist man schlauer. Aber erklären Sie doch mal kurz für den Leser: Was ist ein Gipsy- Brewer? 

Meyer: Das ist einer, der keine eigene Sudhausanlage besitzt und sich bei verschiedenen Brauereien einmietet, um mit den bestehenden Maschinen sein eigenes Bier zu brauen. Das ist in der Branche durchaus üblich. Aber natürlich muss ein Wanderbrauer vom Fach sein und sich auskennen, damit er keine Infektionen ins Sudhaus einschleppt.

Craft-Brauer erzeugen Aromen wie Lychee, Maracuja oder auch Karamell mit den unterschiedlichen Hopfenund Malzsorten. Ist das Ergebnis was für Puristen? 

Meyer: Ich glaube nicht, dass Craft-Biere die Stammtische der Trachtenvereine erobern oder die bayerische Bierlandschaft revolutionieren werden. Aber ich finde es spannend und wichtig, dass beides seinen Platz hat: das klassische bayerische Bier und das moderne kreative Craft-Bier, das auch nach dem Reinheitsgebot aus vier Zutaten gebraut ist und die Branche auf jeden Fall bereichert.

In welches Bier haben Sie sich auf Ihrer Reise spontan verliebt? 

Meyer: Oh, da gab es einige. Wir haben ja noch weit mehr verkostet, als man im Film sieht. Was ich wirklich köstlich fand, war der Bourbon- Bock aus der Camba-Bavaria Brauerei in Truchtlaching. Da reift das Bier in amerikanischen Whiskey-Fässern. Und das Indian Pale Ale von der Schönram-Brauerei ist auch sehr fein.

Letzte Frage: Ist unser Bier zu billig? 

Meyer: Ja, unbedingt. Wir zeigen im Film auch die Hopfenernte und wie die Gerste verarbeitet und geröstet wird. Ich hoffe, dass man sehen kann, wie viel Handwerk und Zeit in diesem Produkt steckt. Und am Ende gibt’s den Kasten für 15 Euro. Da braucht man als Privatbrauer, der Wert auf Qualität legt, schon viel Idealismus. Das Biergeschäft ist einfach ein saumäßig hartes.

Von Astrid Kistner

Aufgepasst

Ab sofort folgt der BR seinem neuen Sendeschema. Betroffen ist davon die Rundschau, die bereits um 18.30 Uhr beginnt. Fans der Vorabendserie Dahoam is Dahoam müssen eine Viertelstunde früher, also bereits um 19.30 Uhr einschalten! Um 20 Uhr übernimmt der BR dann künftig die Tagesschau- Hauptausgabe der ARD und ergänzt sie ums Bayern-Wetter. Ebenfalls neu: Blickpunkt Sport kehrt vom Sonntagabend auf seinen alten Sendeplatz am Montag um 22 Uhr zurück.

Erlaubt ist, was schmeckt

Crew Republic: Für ihre Craft-Biere haben Timm (Foto mit Kathrin Meyer) und Mario in Unterschleißheim eine Heimat gefunden. Standardbiere langweilen das Duo, das immer auf der Suche nach den besten Rohstoffen und neuen Rezepturen ist. In die Flasche kommt nur, was den Jungs selbst schmeckt. Das Ergebnis gibt’s in ausgesuchten Bars und unter www.crewrepublic.de

Giesinger Bräu: Von der Garage in den Mittelstand: Die Jungs vom Giesinger Bräu haben es geschafft. Im Herzen Münchens bieten sie frische unfiltrierte Biere nach traditionellen Brauverfahren. Ihre Spezialitäten schenken sie nicht nur im angeschlossenen Bräustüberl aus, sondern verkaufen sie auch ab Hof. Mehr Infos unter www.giesinger-braeu.de

Pax-Bräu & Hoppebräu: „Lasst uns Schwerter zu Zapfhähnen schmieden“, fordert Andreas Seufert (Foto re.). Mit Pax-Bräu verwirklicht der Braumeister aus dem unterfränkischen Oberelsbach sein Ideal: Rohstoffe aus biologischem Anbau, alternative Energien in der Herstellung, keine Filtration, keine Kurzzeit-Erhitzung. Was zählt ist der reine Geschmack. www.pax-braeu.de

Meinel-Bräu: Die Brauerei Meinel im oberfränkischen Hof wird bereits in der 12. Generationen familiengeführt. Aktuell brauen und experimentieren die Schwestern Gisela (li.) und Monika mit besten regionalen Zutaten Traditionelles, aber auch schmackhafte Kreativbiere. www.meinel-braeu.de

Astrid Kistner

Astrid Kistner

E-Mail:Astrid.Kistner@tz.de

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