Wo tafelt die Münchner Prominenz?

Alles, was Luxus ist: Münchens Top 7 Bars

+
Die Goldene Bar im Haus der Kunst

Wo tafelt die Münchner Prominenz, und wo kauft der Geldadel ein, wenn er nicht nur Couture, sondern eine ganze Villa braucht? Wo lässt man sich stylen? Und wer sind die letzten Paradiesvögel?

Die tz- Klatschredaktion ist diesen Fragen nachgegangen – bei echten Münchner Institutionen, die wir aus vielen Gesprächen mit der Hautevolee kennen. Die Auswahl ist durch und durch subjektiv – ganz nach dem Schickeria- Motto: In ist, wer drin ist. Und wer draußen ist, ist auch nicht out!

Schumann’s Bar am Hofgarten: Heim der Barkultur

Er ist Model für Luxusmarken, Markenbotschafter für einen Aperitif, Bestsellerautor eines Standardwerkes der Barkultur mit über 500 000 Stück Auflage, er ist seine eigene Marke – vor allem aber einer der weltweit bekanntesten Barkeeper mit Stammsitz in München. Auch wenn er den Shaker kaum mehr in die Hand nimmt – „alle bedienen kann ich nicht, und wenn ich nur für den einen mixe, fühlt sich der andere vielleicht zurückgesetzt“, sagte er mal –, ist Charles Schumann (74) in seiner Bar trotzdem fast jeden Tag zu finden, meist in der Küche, mal beim Servieren und wem der Chef dabei den Arm um die Schulter legt oder zu wem er sich gar auf einen Plausch setzt, der hat’s geschafft in diesem kleinen Universum. Ein guter Gastgeber zu sein, das ist dem gebürtigen Oberpfälzer wichtig: „Gute Barkeeper gibt es viele, aber ich glaube, dass es eben nicht so sehr viele gute Gastgeber gibt.“ Was auch viele Promis schätzen, die hier unbehelligt sein können. Bastian Schweinsteiger kam zu seiner Münchner Zeit regelmäßig, auch Pep Guardiola schaut vorbei, Boris Becker und Elyas M’Barek zählen zu den Stammgästen. Weil sie sich wohlfühlen. Und nicht nur sie: „Es muss ein Zuhause sein für die Leute, die hier arbeiten genauso wie für die Gäste.“ Letztere genießen Priorität. In Schumann selbst reifte die Erkenntnis erst mit der Zeit, im letzten Drittel seines Lebens, sagt er, sei er gelassener geworden. „Aber zu meinen Anfängen haben wir teilweise die Gäste behandelt, dass ich mich heute noch dafür geniere.“ Geniert hatte er sich auch, seinen Eltern zu sagen, dass er in München in einer Bar arbeitet.

Heart: Für Leute mit Stil und Kultur

Dominik Mölzl weiß: „Wir haben den Ruf eines Schicki- Ladens, aber das sind wir eigentlich nicht.“ Mölzl ist ein Heart-Mann der ersten Stunde, war erster Barchef des Restaurant-Mixes im noblen Lenbach-Palais, das mittlerweile nicht ganz unbescheiden zum Heart-House annektiert wurde. Bis ihn Maxi Ergert beerbte – und Mölzl zum Betriebsleiter aufstieg. „Unsere Gäste sind ganz normale Leute, die sich benehmen wollen – und auch sollen“, sagt der 32-Jährige. Immerhin kann es sein, dass man seinen Moscow-Mule, Gin Tonic oder Schampus an der großen, freistehenden Theke neben Christina Aguilera, Bruno Mars oder Orlando Bloom trinkt. Wer den direkten Blickkontakt mit solch geballter Prominenz – neben den Bayern-Spielern kommt auch Usain Bolt regelmäßig her – scheut, kann die auch indirekt durch die Spiegeldecke beobachten. Zu vorgerückter Stunde wird die Bar zum Club und die Mittelreihe des Restaurants zum Dancefloor unter der Disco-Kugel mit 80s, Hip-Hop und House-Musik. Es sind nicht die Nr.-1-Hits aus der Zeit, „sondern eher Nr. 4 oder 5“, erklärt Mölzl. „Das ist doch viel spannender.“ Nein, langweilig ist es im Heart ganz sicher nicht. Hand aufs Herz.

Lenbachplatz 2, Di. – Sa. ab 19.00 Uhr

Gabányi: Hier berät der Chef höchstpersönlich

„Es ist sicher Charles zu verdanken, dass das Barniveau in München so hoch ist.“ Er würde das nicht über sich selbst sagen, aber nicht ganz unmaßgeblich hat auch Stefan Gabányi damit zu tun, der mit Schumann viele Jahre auf Augenhöhe arbeitete – bis er sich 2012 selbstständig machte. Nur wenige können es sich leisten, ihren Tresen nach sich selbst zu benennen, bei Gabányi, der schon vor 20 Jahren ein Standardwerk über Whisk(e)y schrieb, ist das anders. ER ist hier nicht nur Chef, sondern in erster Linie Gastgeber. Gabányi bedient, nimmt Bestellungen auf, nur manchmal ist er auch hinter dem Tresen zu finden. So klassisch das Ambiente seiner kleinen, familiären Wohnzimmerbar, so bunt das Publikum. Und auffällig jung. Vielleicht hat der entspannte Wohlfühlcharakter auch damit zu tun, dass die Bar nichts behauptet. Man muss hier nicht besonders hip, besonders schön, besonders reich oder prominent sein – man muss hier nichts vorgaukeln. Es reicht, Mensch zu sein – mit einer Vorliebe für sehr, sehr gute Drinks, Schwerpunkt natürlich: Whisky. Gabányi berät hier noch persönlich. Auch Promis? Gabányi zieht etwas mitleidig die buschigen Augenbrauen hoch, schüttelt ganz leicht den Kopf. Die Frage, ob man darauf wirklich eine Antwort erwarte, verkneift er sich.

Beethovenplatz 2, Mi. & Do. ab 18.00 Uhr, Fr. – So. ab 20.00 Uhr

Les fleurs du mal

Damals in den 1970er-Jahren, als er in Bill Decks Harry’s New York Bar anfing. „Die fanden das anrüchig.“ Im Januar nächsten Jahres werden es 35 Jahre, dass sich der einstige Jesuiten- Schüler mit seiner American Bar an der Maximilianstraße 36 selbstständig machte, 2003 siedelte er an den Odeonsplatz um, wo er auf der Galerie vor zwei Jahren das puristische Les fleurs du mal eröffnete. Schumann wollte damit zurück zu den Wurzeln der Barkultur, die seine American Bar etwas verloren hat. „Eigentlich ist das zu groß hier und mittlerweile auch mehr ein Restaurant.“ Noch mal etwas ganz Neues zu machen, damit kokettiert der Gastronom seit vielen Jahren – irgendwo noch eine Traumbar verwirklichen. „Vielleicht am Meer, in Südfrankreich oder Spanien. Aber ich weiß auch, dass mir der Herrgott irgendwann eine Grenze setzen wird.“ Im Sommer wird Charles Schumann 75. Zu sagen, dass man ihm, der noch immer jeden Samstag Fußball spielt, das Alter nicht ansieht, wäre untertrieben.

Odeonsplatz 6-7, Mo – Fr. 8.00 – 3.00 Uhr, Sa. & So. 18.00 – 3.00 Uhr

Jaded Monkey: Affenstark! Bill Fehns Barkultur

Kleine Äffchen zieren die Tapete über der schwarzen Holzverkleidung, das Podest mit den grauen Lederbänken ist mit reinem Kupfer belegt, das mit zunehmender Oxidation für grungige Patina sorgen soll. Optische Gegensätze, die Bill Fehn in seinem Jaded Monkey zu einem großen Ganzen zusammenführt, ähnlich wie die geschmacklichen in den Drinks. Oder wer hätte gedacht, dass sich Limetten- und Birnensaft, Honig, Jasmintee und ein mit Pfeffer aromatisierter Cognac zu einem wunderbaren Drink vermählen? Na ja, mit Champagner sollte man ihn schon noch aufgießen. Aber dann: affenstark! Wer in Fehns erster eigener Bar nur auf ein Bier oder einen 08/15-Longdrink vorbeischaut, kann im Tantris auch gleich Currywurst bestellen! Denn hier liegen die Stärken in der Beratung und Kreation der Köstlichkeiten. So wie der Killroy, ein schlichter, kräftiger Mix aus Bullit Bourbon und Mentha Likör. Aber keine Angst, auch wenn es Fehn mit seinen Drinks sehr ernst ist, in seinem Jaded Monkey, wohltuend geografisch abgesetzt von der hektischen Feierbanane, geht es sonst durchaus lässig und gemütlich zu.

Herzog-Wilhelm-Straße 25, Mo. ab 19.00 Uhr, Di. – Sa. ab 20.00 Uhr

Goldene Bar: Hier ist aus Gold, was glänzt

Nein, High End und Rock’n’Roll müssen nicht unbedingt Widersprüche sein. Das beweist Klaus St. Rainer seit fast sechs Jahren mit seiner Goldenen Bar im Haus der Kunst. Klassische Barkultur mit dem gewissen Etwas. So treffen die denkmalgeschützten Wandbilder aus Blattgold von Karl-Heinz DallingerausdemJahr1937aufdas Thekenbild von Florian Süßmayr, in Sterne- Betrieben ausgebildete Bartender stellen ihre Tattoos zur Schau, und beim wöchentlichen lässigen Thursday Hideout gibt’s Elektro-Mucke zu klassischen Cocktails, die hier mit selbst gemachten Infusionen, Bitters, Limonaden und Sirups neu interpretiert werden. 2013 wurde die Goldene Bar zur Bar der Republik gewählt, „weil sie ein fantastischer Tresen mit einem guten Team und einem vortrefflichen Host“ sei. Und noch etwas ist hier anders: „Wir haben es bis heute geschafft, in eleganter Form alle Bayern- Spieler fernzuhalten“, sagt Rainer. Löwen-Spieler schauen schon mal vorbei, auch andere Bekannte, aber Diskretion sei eine Sache, die zur guten Bar gehöre.

Prinzregentenstraße 1, Mo. – Sa. 10.00 – 2.00 Uhr, So. 10.00 – 20.00 Uhr

Falk’s Bar: Historisch & megacool

„Meinem Vater würde es hier gefallen“ sagt Innegrit Volkhardt, Chefin des Hotels Bayerischer Hof, über die Bar, die sie zu seinen Ehren nach ihm benannt hat: Falk’s Bar. Falk Volkhardt hatte nach dem Bombenangriff am 25. April 1944 den Trümmerhaufen des Hotels sondiert und unter dem Schutthaufen den fast unzerstörten Spiegelsaal entdeckt. Er wurdezumerstenSpeisesaal der Stadt nach dem Krieg, spätersporadischer Veranstaltungsraum, bis aus dem denkmalgeschützten Raum unter Innenarchitekt Siegward Graf Pilati Falk’s Bar wurde – inzwischen mit Meike Zimmermann als Barchefin. „Das ist mehr als nur eine Hotelbar“, sagt die 28-Jährige. „Hier kommen auch viele Münchner her.“ Wie Uschi Glas oder Heiner Lauterbach. Gern darf’s mal ein cooler Skyfall oder ein Masataka Taketsuru sein. „Es ist meine Handschrift, viel selbst zu machen: Infusionen und Sirups bis hin zu den Rezepten“, so Zimmermann.

Promenadeplatz 2-6, täglich ab 11.00 – 2.00 Uhr

Von Tom Osswald

auch interessant

Meistgelesen

Eine Marke gewann deutlicher als Augustiner: Die Vorrunden-Sieger unseres Bier-Battles
Eine Marke gewann deutlicher als Augustiner: Die Vorrunden-Sieger unseres Bier-Battles
Draußen zu kalt? Bianca verrät ihre "neuen Hotspots" in München
Draußen zu kalt? Bianca verrät ihre "neuen Hotspots" in München
Muslimisches Restaurant wird für diesen Zettel gefeiert
Muslimisches Restaurant wird für diesen Zettel gefeiert
Thermomix-Weihnachtsmenü: So wird Ihr Essen perfekt
Thermomix-Weihnachtsmenü: So wird Ihr Essen perfekt

Kommentare