Wo tafelt die Münchner Prominenz?

Alles, was Luxus ist: Münchens Top 7 Feinkosthändler

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Das Ladengeschäft bei Dallmayr mit seinen Auslagen – ein Paradies für Augen und Gaumen.

München - Die tz-Klatschredaktion hat die sieben Top-Clubs der Stadt zusammengestellt. Wo feiert sich's am besten? Natürlich darf eine Institution nicht fehlen.

Wo tafelt die Münchner Prominenz, und wo kauft der Geldadel ein, wenn er nicht nur Couture, sondern eine ganze Villa braucht? Wo lässt man sich ­stylen? Und wer sind die letzten ­Paradiesvögel? Die tz-Klatschredaktion ist diesen Fragen nachgegangen – bei echten Münchner Institu­tionen, die wir aus vielen Gesprächen mit der Haute­volee kennen. Die Auswahl ist durch und durch subjektiv – ganz nach dem Schickeria-Motto: In ist, wer drin ist. Und wer draußen ist, ist auch nicht out!

Dallmayr: Hoflieferant für alle

K öniglich Bayerischer Hoflieferant, Hoflieferant Seiner Majestät des Kaisers und Lieferant von 14 weiteren Königs- und Fürstenhäusern – Alois Dallmayr ist um 1900 das erste und erlesenste Delikatessenhaus Europas und in München daheim. Seit über 300 Jahren.

Der Kaufmann Christian Reitter hatte das Handelsgeschäft angefangen; um 1870 kaufte es der Wolnzacher Alois Dallmayr, bevor er es 15 Jahre später an Anton Randlkofer weiterveräußerte, womit wir bei einer der beiden heutigen Inhaberfamilien wären. Familie Wille kam 1933 dazu, als entschieden wurde, den Kaffeebereich auszubauen. Die braunen Bohnen machten und machen die Marke Dallmayr zum Inbegriff von Kaffeegenuss.

Das Haus selbst ist so berühmt, dass es eine Sehenswürdigkeit ist: ­Sage und schreibe 1,4 Millionen Touristen besuchen es im Jahr, aber genauso viele Münchner sind es, die das Ladengeschäft in der Dienerstraße 14 – 15 aufsuchen, wenn es um besonders delikate Einkäufe geht – in 18 Fachabteilungen auf 850 Quadratmetern. Wozu nicht nur die berühmten Hors d’œu­vres, die Medaillons, gehören – diese kleinen sensationellen Kunstwerke aus Krustentieren, veredeltem Fleisch oder Gemüse. Auch Salate, frische Nudelwaren, Fisch oder das gegrillte Hendl, die schönsten Nachspeisen – es gibt alles, was ein Gaumen mit Anspruch liebt: täglich im Haus frisch zubereitet von 70 Köchen. Immer wieder neu kreiert und inszeniert, dass es eben immer das Besondere ist und bleibt. Ein Schlaraffenland, das ­Florian Randlkofer (48) in der fünften und Wolfgang Wille (75) in der zweiten Generation als persönlich haftende Gesellschafter führen.

Filialen in anderen Städten sind nicht geplant, das Delikatessenhaus in München soll einzigartig bleiben. International aber sind das Kaffee- und Automatengeschäft sowie der Versandhandel.

Trotzdem will sich auch das Delikatessengeschäft weiterentwickeln. Florian Randlkofer denkt da an das sich verändernde Einkaufsverhalten junger Leute, die sehr gezielt auswählen; an die vielen Single-Haushalte und die alternde Gesellschaft. Unter dem Begriff Convenience („bequemes Essen“) will die Dallmayr-Küche dafür immer Neues anbieten. Auch der Express-Lieferservice wird im regionalen Geschäft immer wichtiger: einfach anrufen – einkaufen und liefern lassen.

Wobei wir da wieder bei Dallmayr wie vor hundert Jahren wären: Da belieferte das Haus Münchens erste Familien mit Lebensmitteln und Delikatessen und deckte dort auch Festtafeln ein. Heute ist Dallmayr Luxus für alle!

Monti: Dolce Vita am Schlachthof

Sarah Gässler mit Lebensgefährte Massimo di Santo, Devisen-Broker.

Eigentlich war Donato Montanarella (†57 – 2011), Monti genannt, Großhändler italienischer Feinkost – bis er 1999 auf dem Viehhof, Zenettistraße 11, mit einer Vitrine und ein paar Tischen anfing, Dolce Vita für jeden anzubieten: italienische Feinkost, frisch zubereitete Speisen, gute Weine. Über viele Jahre war Monti ein Geheimtipp – auch bei Schauspielern wie Michaela May, Lambert Hamel, ­Günther Maria Halmer oder Volksschauspieler Josef Thalmaier. Und so wurde Monti auch immer größer – bis eine Krankheit ihm die Lebenskraft nahm, er seinen Feinkosthandel samt Bistro verkaufen musste und in Sarah Gässler (34) eine würdige Nachfolgerin fand.

Die Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing fühlt sich als gebürtige Münchnerin sowieso als Halb-Italienerin und hat das Monti mit Laden und Bistro (90 Plätze) in gut fünf Jahren zu neuer Blüte geführt. Die Stammkundschaft ist geblieben. Im Laden gibt es typisch italienische Spezialitäten wie diverse Ciabatta, Schinken und Käse, Vorspeisen, 100 verschiedene Weine und jede Menge Geschenkartikel, und Bistro und Catering können alles, was das italienische Herz begehrt, z.B. Kalbsnierchen (17,90 Euro). Ein Vergnügen!

Fisch-Groß- und Einzelhandel Lurz: Alles, was die Meere hergeben

Seit 38 Jahren handelt Heinz Lurz (72) mit Fischen und Krustentieren.

Heinz Lurz’ (72) Büro in der Kistlerhofstraße 70 ist Umschlagzentrale zwischen kleinen Fischern in aller Welt, die ihre Ware fangfrisch nach München fliegen lassen, und den Sterneköchen, Einzelhändlern und Delikatessenläden, die nur das Allerbeste wollen, was die Weltmeere und Binnengewässer hergeben. Massen-Netzfänge, qualvolle Krustentiertransporte in Kartons – all das lehnt Lurz ab, deswegen stehen riesengroße Salz- und Süßwasserbecken für Lebendfisch in seinen Räumen. Mit seiner Kundschaft, allen voran den Köchen, aber auch Händlern am Viktualienmarkt, den Firmen Käfer oder Dallmayr, bespricht der ehemalige Immobilienkaufmann und Notariatsbeamte Qualität und Preis persönlich am Telefon, Endverbraucher können direkt vor Ort kaufen, wie das auch der ehemalige Sternekoch Fritz Schilling tut. Er ist längst im Ruhestand, aber privat hat er denselben Anspruch wie im Beruf.

Lurz erklärt sein Geschäftsmodell so: „Wir kaufen nicht über Preis, nur über Qualität.“ Wie das schmeckt, kann man auch direkt vor Ort probieren – im Bistro, wo es ­Muscheln oder Fischsuppe gibt.

Käfer: Alles, was das Herz begehrt

Käfer – das ist in der ganzen Republik zum Synonym für Feinkost geworden, seit Gerd Käfer (†82) mit seinem Bruder Helmut (80) aus dem Schwabinger Lebensmittelladen der Eltern Elsa und Paul Käfer ein ganzes Feinkost-Imperium geformt hat, das heute deren Enkel Michael führt. Im Stammhaus an der Prinzregentenstraße 73 gibt es auf 1200 Quadratmetern alles, was der verwöhnte Gaumen begehrt – nur Erlesenes, vieles exklusiv.

Michael Käfer (58) ist Herr des Feinkost-Imperiums, der Gastronomien, des Party-Services und des Lizenzgeschäfts. Mit 1000 Mitarbeitern erwirtschaftet er einen Umsatz von 140 Millionen Euro jährlich.

Angefangen hatte alles mit Feinkost-Salaten, mit denen Elsa Käfer schon in den 40er- und 50er- Jahren stadtbekannt wurde – mit Joghurt, Gewürzen und frischen Kräutern verlieh sie ihren Kreationen eine besondere Leichtigkeit und Eleganz. Mit Helmut Käfer als Einkäufer machte das Feinkost-Imperium noch einmal einen Quantensprung – kein Gaumen war so geschmackssicher wie seiner; er fing an, selbst in den Pariser Markthallen in Rungis einzukaufen, entdeckte immer wieder neue kleine Manufakturen und konnte Waren anbieten, wie man sie zuvor in München nicht kannte. Er macht die erste Crème fraîche salonfähig, brachte das Carpaccio über die Alpen. Die feine Bogenhausener Gesellschaft kaufte nur noch bei Käfer, und man ließ liefern. Der Service ist noch heute außerordentlich.

Über 1200 Lieferanten versorgen Käfer mit 10 000 Artikeln, darunter allein 350 Sorten Käse. Der Trend: „Selbstgemachtes, das perfekt ist – wie Brot, Weihnachtsplätzchen.“

Marks am Kufsteiner Platz: New Yorker Lifestyle mitten in München

Café, Bistro, Lebensmittelladen und Feinkostlieferant in einem – das Marks mit den Chefs Norbert Faschinger (li.) und Kaspar Triller.

Für Anwohner rund um den Kufsteiner Platz ist es kein Geheimtipp mehr, aber für alle Nicht-Bogenhausener: das Marks. Was früher eine Art Tante-Emma-Laden war, ist seit zwei Jahren ein kleines Paradies für gesundheitsbewusste Großstädter, die den ganzen Tag über gut essen wollen – Müsli, Obst, frisch zubereitete Salate (8,90 Euro), Suppen (4,90 Euro) und andere Gerichte wie beispielsweise Palmherzen und Artischocken mit frischen Kräutern (5,90 Euro). Alles zum Mitnehmen. Es gibt aber auch eine noch vielschichtigere Bistroküche vor Ort – dazu den Lebensmittel- und Feinkosthandel, wo es Fleisch, Käse, Obst und Gemüse, Wein und Delikatessen wie frisch zubereitete Hummersalate gibt, all das, was man daheim so braucht. Alles möglichst Bio, auf alle Fälle regional und von kleinen Manufakturen. Inhaber und Geschäftsführer Cornelius Dornier hat sich auf vielen Reisen von Metropolen wie New York inspirieren lassen und die Feinkostidee mit Co-Geschäftsführer Kaspar Triller sowie Marktleiter Norbert ­Faschinger in die Tat umgesetzt. Das Marks bietet auch einen Bürolieferservice (ab 50 Euro) und unterscheidet sich im besonders Individuellen – ein echter Trendsetter!

Viktualienmarkt: Das sinnlichste Gourmet-Paradies

Der Viktualienmarkt zieht nicht nur die Münchner, sondern auch Touristen aus aller Welt an.

Sehen, riechen, probieren, plaudern, handeln – der Viktualienmarkt ist Münchens volksnahstes Feinschmeckerparadies – mit 140 Standl. Nirgendwo sonst kann man aus 40 Kartoffelsorten wählen und nirgendwo sonst ist die ganze Welt an einem Ort so vielfältig vereint – mit Früchten, Gemüsen, Pilzen, Fleisch, Fisch, Wild, Geflügel, Käse, Backwaren, ja sogar Suppen. Viele Rufnamen wie Exotenmüller verraten schon das Angebot.
Weit über 200 Jahre ist der Markt inzwischen alt – und immer noch en vogue, denn mit dem Wirtschaftswunder in den 50er-Jahren hat er sich zum Schmankerlparadies entwickelt – und ist es auch geblieben. Spitzenköche kaufen hier ein, wie Eckart Witzigmann, viele andere Prominente, und samstags wird der ganze Marktplatz zur Flaniermeile für das Who is who Münchens, das sich da und dort ein Glaserl und ein Häppchen genehmigt. Sinnlicher kann man nicht einkaufen – und da darf’s dann auch a mal a bisserl mehra und a bisserl teurer sein!

Terra di Tartufi: Nasen für Trüffel

Trüffelhändler Andreas Stock beliefert Tatiana Kettner von Leo’s Obststandl am Viktualienmarkt.

Wenn’s um die besten Trüffel geht – dann gibt es in München zwei Top-Händler, die Sternerestaurants und den Viktualienmarkt beliefern: Stefan Burger mit La Bilancia (Gmunder Str. 37 a) sowie ­Andreas Jokisch und Andreas Stock mit ihrer Firma Terra di Tartufi (Westendstr. 125), deren Pilzspezialitäten auf den Tellern u.a. im Tan­tris und bei Bobby Bräuer landen oder zum Verkauf bei Dallmayr und an Leo’s Obststandl (Viktualienmarkt). Beim Trüffel kommt es auf Frische, Aroma, Farbe und Konsistenz, aber auch Form an. Über den direkten Kontakt zu Sammlern und Aufkäufern in Italien oder Frankreich kommen die Münchner an die beste Ware, deren Preis sich täglich ändern kann.

Ulrike Schmidt

Ulrike Schmidt

E-Mail:ulrike.schmidt@tz.de

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