Konzept scheint aufzugehen

Eataly in der Schrannenhalle: Ein gutes Gefühl mit Italien

Vermitteln gute Laune in der Schrannenhalle: Obsthändler Kurt Faltus und Jessica vom Info-Schalter des Eataly.
+
Vermitteln gute Laune in der Schrannenhalle: Obsthändler Kurt Faltus und Jessica vom Info-Schalter des Eataly.

Das „Eataly“-Konzept scheint die Schrannenhalle profitabel werden zu lassen. Auch umliegende Händler sind zufrieden.

Am 26. November öffneten sich die automatischen Schiebetüren zum nächsten Akt der Schrannenhalle. Oscar Farinettis Eataly war eingezogen, mit der ersten europäischen Filiale außerhalb Italiens. Die Idee: Italienische Feinkost zu höheren, aber akzeptablen Preisen. Die Hoffnung: Das Sorgenkind Schrannenhalle endlich langfristig profitabel zu machen. Und so wie es aussieht, könnte das tatsächlich gelingen.

Massimo Mele betreibt an der Prälat-Zistl-Straße die Trattoria „Luigi Al Mercato“. Das „Eataly“, sagt er, belebe das Geschäft im Viertel.

Der erste Eindruck, wenn man die „Schranne“ betritt: gute Stimmung. Die Verkaufsflächen sind gefüllt, alle Mitarbeiter wirken entspannt. Auch der Chef der Weinabteilung des Eataly-Komplexes blickt optimistisch in die Zukunft. „Head of Wine“ nennt sich Svetoslav Stoyanov. Der 30-Jährige wirkt überrascht, dass der Weinverkauf deutlich über dem Soll liegt. „Etwa 25 Prozent mehr Umsatz als vorausberechnet. Es läuft gut“, sagt er, während er an der zentralen Eataly-Weinbar eine dringende Mail schreibt. Als er fertig ist, sagt er: „Wir haben für jeden den richtigen Wein, egal ob für sechs oder für 750 Euro.“ 750 Euro – so viel kostet derzeit der 1961er „Vintage Barolo“. Stoyanov hat sich intensiv mit der Vergangenheit der Schranne beschäftigt. Er glaubt, dass der momentane Erfolg mit dem einheitlichen Konzept zusammenhängt: „Wir verkaufen den Leuten nicht nur Brot, Wein, Käse, Fleisch, Obst und Gemüse in hoher Qualität. Wir geben ihnen ein Gefühl – nämlich, in Italien zu sein.“ Jede Ware stehe unter dem Motto Italien. „Ich glaube, die Konzepte zuvor waren zu konfus, zu viel von allem.“ Sogar viele der Mitarbeiter vermitteln ein sehr starkes Gefühl von Italien. Wenn sie einen beraten, sprechen sie oft mit starkem italienischem Akzent.

Gegenüber steht Obsthändler Kurt Faltus zwischen säuberlich aufgereihten Äpfeln und Orangen. Er ist ebenfalls zufrieden. „Möglichst alles ist aus Italien, egal ob Ananas oder Sternfrucht“, sagt er. Faltus sieht eine Entwicklung. „Zu Beginn traten sich hier die Leute auf die Füße. Ungünstigerweise standen alle Eingänge immer offen. Da hat man schon gemerkt, dass einige Äpfel, Birnen und Orangen unbezahlt verschwunden sind. Aber jetzt kann man nur noch an drei Türen hereinkommen. Das ist schon sinnvoll.“ Seine Kundschaft liebe die Vielfalt und Exklusivität, sagt Faltus. Er hat alle Tomatensorten Italiens im Angebot. „Die sind sehr gefragt.“

Schräg gegenüber im Restaurantbereich steht Christina Tedde, Chefin vom Dienst im Ristorante Carne e Verdura, Arme hinter dem Rücken verschränkt. Sie wartet auf den täglichen Mittagsansturm und erzählt von der anstregenden Zeit zu Beginn. „Wir waren anfangs jeden Tag voll ausgebucht. Wochenlang. Mittlerweile hat es sich eingependelt.“ Tedde weist auf eine Besonderheit des Fleischrestaurants hin: „Wer hier isst, kann genau diese italienische Fleischsorte vom Teller aus unserer Metzgerei hinter der Küche kaufen. Die Kunden fragen oft nach.“ Das teuerste Gericht ist hier derzeit ein Dry-Aged-Steak, 300 Gramm, 36 Tage lang gereift, für 32 Euro. Der Kunde bekommt einen Mini-Grill auf den Tisch und kann bestimmen, wie sehr er es durchbrät.

Freut sich über rege Kundschaft: Christina Tedde, Chefin vom Dienst im Fleischrestaurant „Carne e Verdura“.

Wo italienische Kostbarkeiten verkauft werden, passt der italienische Rennrad-Hersteller Bianchi zwar nicht unbedingt hinein. Doch das Konzept scheint es zu erlauben. Die Bianchi-Mitarbeiter Vincenzo Terrusi und Antonio Galatola arbeiten gerne im Eataly. Mit dem Umsatz sind sie zwar noch nicht zufrieden, aber „das dauert“, sagt Terrusi. „Wir haben schon dutzende Kunden beraten und wollen immer das passende Fahrrad finden. Nicht alle brauchen schließlich ein 10 000-Euro-Rennrad.“ Dass sie mit ihrem Fahrradgeschäft ein wenig aus der Reihe tanzen, stört sie nicht. Frei nach dem Motto: Hauptsache noch ein Stück Italien im Eataly. Insgesamt sei das Resümee nach den ersten Monaten „mehr als zufriedenstellend“, sagt Geschäftsführer Alex Baermann. Aufgrund der hohen Besucherzahlen ist „unsere Zukunft im deutschen Markt sehr vielversprechend“. Wer die Feinkostwelt am Ausgang Richtung Marienplatz, zur Prälat-Zistl-Straße hin verlässt, sieht auf der anderen Straßenseite zwei schicke kleine italienische Lokale. Viel wurde im Vorfeld darüber spekuliert, ob der „Riese“ Eataly den Wirtshäusern und Lokalen rundherum die Kundschaft abschöpfen könnte, vor allem den italienischen.

Massimo Mele, der seit 2011 mit seinen Geschwistern gegenüber der Schrannenhalle die Trattoria Luigi Al Mercato betreibt, kann das nicht bestätigen. „Das Eataly hat das Geschäft hier belebt. Wir haben viel mehr Laufkundschaft. Und die überschneidet sich kaum mit den Kunden da drüben.“ Meles Erfahrung: Wer Feinkost haben will, geht in die Schrannenhalle. Wer gemütlich in original rustikal-italienischer Atmosphäre Pizza, Pasta oder Gemüsespezialitäten aus Apulien kosten möchte, komme zu ihm. Eataly-Geschäftsführer Baermann betont: „Wir sind München und den Münchnern sehr dankbar, dass wir so herzlich empfangen wurden. Sowohl von den Gästen als auch von den umliegenden Unternehmen und der Nachbarschaft wurden wir an unserem ersten deutschen Standort akzeptiert und integriert.“

Eine weitere Nachbarin des Eataly ist Ursula Zoccarato, Inhaberin des Caffé Classico. Hier gebe es „Espresso, Bar, Bistro, made in Italy“, sagt sie. Zoccarato hatte ihr Café schon geplant, bevor das Eataly kam, konnte aber erst später, am 17.Dezember, eröffnen. „Ich habe das Eataly immer begrüßt“, sagt sie. Der Menschenstrom hier hat enorm zugenommen. Das ist auch gut für uns.“ Die Spezialität ihres Lokals: Hausgemachtes Tiramisu. So wie Massimo Mele sieht sie im Feinkost-Giganten keine Konkurrenz. Sie geht hin und wieder selbst dort einkaufen: „Letztens habe ich mir Grissini Crostate geholt. Köstlich!“

Hüseyin Ince

auch interessant

Meistgelesen

Eklig oder originell? Bier aus Bauchnabelflusen
Eklig oder originell? Bier aus Bauchnabelflusen
Stiftung Warentest: Viel zu viel Zucker in der Cola
Stiftung Warentest: Viel zu viel Zucker in der Cola
Absinth: Bohème-Droge und Szene-Drink
Absinth: Bohème-Droge und Szene-Drink

Kommentare