Lebensmittel

Was man über das Ei wissen sollte

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Glückliche Hühner beim Biobauern (links). Käfighaltung ist mittlerweile verboten. Doch auch die massenweise Bodenhaltung ist für die Tiere mit viel Stress verbunden.

Das ganze Jahr über essen die Deutschen gerne Eier: 218 Stück sind es pro Kopf, besonders viele kommen zu Ostern auf den Tisch.

Doch was sind das für Eier? Wie leben die Hennen? Wie groß ist der Preisunterschied zwischen konventionell und bio? Und: Was tun nach dem Fest mit all den übriggebliebenen hartgekochten Eiern?

Woher kommen die Eier?

Das klassische Osterei kommt aus Deutschland. Bei rund 70 Prozent liegt der Selbstversorgungsgrad, berichtet der Agrarinformationsdienst aid. Die meisten importierten Eier stammen aus den Niederlanden. In Deutschland gibt es etwa 1500 landwirtschaftliche Betriebe mit jeweils mindestens 3000 Hennenhaltungsplätzen. Was die Haltungsart der Hühner betrifft entscheiden sich die meisten Verbraucher nach einer repräsentativen Umfrage des TÜV Süd mit 38 Prozent für die Freilandhaltung, 19 Prozent für Bodenhaltung. Fast gleichauf liegen mit 18 Prozent die Käufer, die Wert auf ökologische Erzeugung legen. Nur zwei Prozent der Verbraucher sind Selbstversorger und kaufen im Handel keine Eier ein.

Woran erkennt man die Herkunft?

Seit dem Jahr 2004 müssen alle roh verkauften Eier eine EU-weit einheitliche Kennzeichnung tragen, die über Länderherkunft, Haltung und sogar über den Erzeugerbetrieb Auskunft gibt. So liest man den auf den Eiern aufgedruckten Code:

Haltung

0 = Ökologische Erzeugung

1 = Freilandhaltung

2 = Bodenhaltung

3 = Käfighaltung

-Ländercode (Beispiele)

DE = Deutschland

AT = Österreich

BE = Belgien

NL = Niederlande

Bundesland / Betrieb

Nach der Länderkennzeichnung folgt eine Ziffer (01 bis 16), an der man das Bundesland, aus dem das Ei stammt, erkennen kann. 09 steht zum Beispiel für Bayern, 08 für Baden-Württemberg. Ausnahmen von der Kennzeichnungspflicht gibt es auch: So zum Beispiel für den Erzeuger-Direktverkauf auf dem Hof oder an der Haustür, wie die Verbraucherzentrale Bayern erklärt. Dann müssen die Eier ausschließlich von diesem Erzeuger stammen. Auch fertig bemalte Ostereier müssen keine Kennzeichnung tragen – ein guter Grund, um mal wieder selbst zu färben. Zum Leidwesen von Verbraucherschützern ist auch für verarbeitete Produkte – wie zum Beispiel Nudeln – noch nicht vorgeschrieben, die Art der verwendeten Eier genauer zu kennzeichnen.

Wie glücklich sind die Hühner?

Doch was heißt eigentlich Freilandhaltung oder Bodenhaltung? Wie leben glückliche Hühner?

Ökologische Haltung

Am besten haben es Hühner getroffen, die vom Biobauern gehalten werden. „Bio“ oder „Öko“ darf dann auf der Eierpackung stehen, wenn maximal sechs Tiere je Quadratmeter Stallfläche gehalten werden, erklärt der aid. In einem Stall dürfen maximal 3000 Hühner in Bodenhaltung leben und sie müssen Zugang zu Auslaufflächen haben. Das Futter muss ökologisch und überwiegend im eigenen Betrieb erzeugt sein. Bio-Anbauverbände wie Demeter, Bioland oder Naturland haben teils noch deutlich strengere Öko-Richtlinien.

Freilandhaltung

Hier dürfen höchstens 6000 Tiere in einer Gruppe gehalten werden. Die Hühner müssen tagsüber uneingeschränkten Auslauf im Freien haben. Die Auslauffläche beträgt mindestens vier Quadratmeter je Henne. Der Auslauf sollte begrünt sein und über Unterstände und Sträucher verfügen. Die Tiere können ihrem natürlichen Pick- und Scharrtrieb nachgehen.

Bodenhaltung

Bei Bodenhaltung werden die Hennen im Stall gehalten und können sich dort frei bewegen. Ohne räumliche Trennung dürfen es laut aid höchstens 6000 Tiere sein. Neun Hühner pro Quadratmeter sind zulässig. Werden mehrere Ebenen genützt, dürfen bis zu 18 Henne pro Quadratmeter gehalten werden.

Bodenhaltung kann Stress bedeuten für die Hühner. Kämpfe untereinander bis hin zum Kannibalismus werden beobachtet. Zudem können die Tiere mit Kot in Kontakt kommen (wie auch in der Freilandhaltung). Daher können mehr Medikamente notwendig werden als zum Beispiel in der Kleingruppenhaltung.

Kleingruppenhaltung

In solchen Kleingruppen können die Hennen freilich ihr artgerechtes Verhalten wie Flügelschlagen, Picken oder Sandbaden nicht ausleben. Jedem Huhn stehen nur 800 Quadratzentimeter Fläche zur Verfügung. Jeweils zehn Legehennen teilen sich mindestens 900 Quadratzentimeter Einstreufläche und 900 Quadratzentimeter Gruppennester. Werden mehr als 30 Hennen in einer Gruppe gehalten, vergrößert sich das Platzangebot um 90 Quadratzentimeter. Dafür ist kaum Medikamenteneinsatz notwendig.

Was kostet der Unterschied?

Der Unterschied zwischen Kleingruppenhaltung (Kennzeichen 3) und ökologischer Erzeugung (Kennzeichnung 0) beträgt aktuell etwa 20 Cent je Ei. Wer zu Ostern einen schönen Rüblikuchen mit vier Eiern backt, gibt mit der teuren Variante für das gute Gewissen also 80 Cent mehr aus als wenn er zum Billigei greifen würde.

Haltbarkeit und Aufbewahrung

Frische Eier sind empfindliche Lebensmittel und leicht verderblich. Da sie im Supermarkt oft außerhalb der Kühlung im Regal stehen, fragen sich viele Verbraucher, wie man sie zu Hause am besten lagert, weiß die Verbraucherzentrale Bayern. Der Handel darf Eier bis zu 18 Tage nach dem Legedatum ungekühlt anbieten. Denn frische Eier haben eine natürliche Schutzschicht auf ihrer Schale, die Keime hemmt. Eier werden deshalb in Deutschland nicht abgewaschen, sondern abgebürstet. „Wir empfehlen Verbrauchern, Eier immer gleich nach dem Kauf bei maximal sieben Grad zu kühlen“, sagt Andrea Danitschek, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Denn kühle Temperaturen sind der beste Schutz gegen das Wachstum von krankheitserregenden Bakterien wie Salmonellen. Sind die Eier einmal im Kühlschrank, sollten sie bis zum Verzehr dort bleiben. Andernfalls kann sich Kondenswasser auf der Schale bilden. Dies begünstigt, dass Keime in das Ei eindringen.

Braun oder weiß? Und was ist drin?

Ob Eier braun oder weiß sind, hängt von der Hühnerrasse ab. Am ernährungsphysiologischen Wert des Produktes ändert die Farbe nichts. Grundsätzlich sind Eier ein gesundes Lebensmittel mit wertvollem Protein, Mineralstoffen und Vitaminen. Die Sorge um zu viel Cholesterin ist Studien zufolge häufig unbegründet. Ein Ei enthält zum einen gesunde ungesättigte Fettsäuren – zum anderen auch Cholesterin, also für Herz und Gefäße wenig günstige gesättigte Fettsäuren. Je nach Größe kommt ein Ei auf 200 bis 280 Milligramm Cholesterin, das hauptsächlich im Eigelb steckt. Bei den meisten Menschen erhöhen aber selbst mehrere Eier am Tag die Blutfettwerte nicht, schreibt die Stiftung Warentest. Cholesterinempfindliche sollten es aber bei ein bis zwei Eiern pro Woche belassen. Selbst die Amerikanische Herzgesellschaft hält zwei Eier pro Woche für unbedenklich.

Wenn es der Osterhase zu gut gemeint hat

Schöne bunte Ostereier: Wer wissen will, wo die Eier herkommen, muss selbst färben. Fertig gefärbte und gekochte Eier brauchen nicht gekennzeichnet zu werden.

Was tun mit dem Überschuss im Osternest? Ein gekochtes Ei mit intakter Schale lässt sich gut zwei Wochen lagern. Wurde es allerdings vor dem Kochen mit einer Nadel angepiekst oder ist es angeknackst, können Keime eindringen. Das Ei verdirbt schneller. Dann sollte es möglichst am gleichen Tag gegessen werden. Zur Sicherheit empfiehlt es sich auch gekochte Eier im Kühlschrank zu lagern – eventuell mit einem Stift kennzeichnen, um Verwechslungen mit rohen Eiern auszuschließen, rät die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern, Heidrun Schubert. Gekochte Eier lassen sich nicht einfrieren. Sie werden gummiartig und zäh. Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, die Oster-Übrigbleibsel äußerst schmackhaft zu servieren. Die Ernährungsexpertin nennt Beispiele:

  • In Scheiben geschnitten auf einem gebutterten Vollkornbrot – schön für‘s Auge und gesund: mit viel frischer Kresse bestreut
  • Klein gehackt im bunten Frühlingssalat oder über gekochtem Blumenkohl
  • Mit Pellkartoffeln zu einem feinen Bärlauch-Spinat-Gemüse
  • In einer Senf-Sahne-Soße zu schwarzen Linsen
  • Gehackt und mit geröstetem Sesam auf gedünstetem und mariniertem Fenchel
  • Als gefülltes Ei – mit etwas Creme fraîche und Senf auf hauchdünn geschnittenem gekochten Schinken
  • Im bunten Frühlingsquark oder einfach zur Brotzeit.

Von Corinna Maier

Corinna Maier

Corinna Maier

E-Mail:Corinna.Maier@merkur.de

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