Interview mit Elena Uhlig

„Zu groß, zu fett, zu viel, zu laut“

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Buchuntertitel als T-Shirt-Aufdruck: Elena Uhlig.

Schauspielerin Elena Uhlig verzichtete auf Diät und schrieb das Buch „Mein Gewicht und ich – Eine Liebesgeschichte in großen Portionen“.

Es war der Moment nach dem dritten Kind: Gequält von ihrer Personal-Trainerin lag Elena Uhlig auf der Yogamatte, erschöpft, frustriert. Da fasste die Schauspielerin (40) einen Entschluss: Schluss mit Kalorienzählen, Diätwahn, Fitnessunsinn. 20 Jahre kämpfte Uhlig gegen und mit ihrem Gewicht: bekam Rollen nur, wenn sie abnahm, fühlte sich hässlich, wenn sie zunahm. Mit 40 sagte sie sich: Nie wieder! Sie akzeptierte sich endlich, wie sie ist: attraktiv, weiblich, präsent. „Ich muss keine Diät machen, um gut auszusehen“, sagte sie sich und schrieb ihre Geschichte auf: „Mein Gewicht und ich – Eine Liebesgeschichte in großen Portionen“, ist gerade erschienen. tz-Kolumnistin Maria Zsolnay traf die schlagfertige Schauspielerin zu Kaffee und Kuchen.

Darf ich fragen, wie viel Du aktuell wiegst?

Das sag ich keinem, weil ich es nicht weiß. Ich habe meine Waage weggeschmissen. Wirklich, ohne Witz. Ich weiß, dass ich eine gute 44 im Moment habe. Ich will das nicht mehr. Ich rede nur in Konfektionsgrößen.

Gibt es denn ein Korrektiv?

Der Hosenbund und der BH. Man merkt ja, wenn’s quillt, an der Seite, gell? Aber jetzt hab ich mir weite Hosen gekauft (lacht laut, zieht am Gummizug).

Aber Dir ist es nicht egal, wie Du aussiehst?

Nein überhaupt nicht. Mein Problem war, dass ich mich nur gemocht habe, wenn ich Größe 38 hatte, dann fand ich mich schön. Jetzt probiere ich zu sagen, ich bin auch jetzt schön. Ich bewege mich anders, ich versuch’ nicht die ganze Zeit, meinen Bauch wegzudrücken, und du guckst auch nicht die ganze Zeit drauf. Er wird gar nicht Thema. Wir haben es uns abtrainiert, zu uns zu stehen und dadurch werden wir hässliche kleine Entlein.

Nur wenn wir dünn sind, dürfen wir uns gut fühlen – diese kranke Einstellung haben leider viele Frauen ...

Ja, ich kann nicht mehr mithalten, und ich will auch nicht mehr. Seit 15 Jahren nehm’ ich nach Weihnachten und Silvester ab (haut auf den Tisch), weil da die Berlinale ansteht, weil ich da mitspielen will (erneut muss der Tisch dran glauben), dann nehm’ ich vor dem Münchner Filmfest wieder ab, dann nehm’ ich vorm nächsten Dreh wieder ab und dann zwäng’ ich mich in die Bauchweg-Hose.

Im Ernst?

Ja klar. Mach ich immer noch, das ist so drin. Erst jetzt wieder, als ich mein Buch hier in einer internen Verlagskonferenz vorgestellt habe, hab’ ich mir vorher in Schwabing eine Bauch-weg-Hose gekauft – von den Knien bis zum Busen, hab mir die dann auch angezogen, und dann steh’ ich vor den Verlagsmitarbeitern, heb’ das T-Shirt hoch und sag: Tschuldigung, bin rückfällig geworden. Ich hab’ mich selbst geschämt, ich schreib’ so ein Buch und dann zwänge ich mich in so eine Hose. Geht doch gar nicht.

Es gibt wohl keine Diät, die Du nicht ausprobiert hast?

Alles habe ich probiert: Shakes, Slimfast, Modifast, FDH, Heilfasten, Brigitte-Diät, Montignac. Und auch dieses Metabolic Balance, wo man erst mal 500 Euro hinblättern muss. Dieser Arzt hat sich mit meinem Fett bestimmt ’ne goldene Nase verdient. Ich habe das mal beobachtet. Ab Silvester geht der Wahnsinn los, im Fernsehen, in den Magazinen, alles redet vom Abnehmen.

Und – hast Du was geändert?

Ja, ich habe meine Ernährung umgestellt. Die Kekse stehen jetzt links vom Laptop (lacht herzlich).

Zum So-bleiben-wie-man-ist braucht’s auch Mut ...

Ich bin immer zu viel für diese Branche. Ich kann’s natürlich nicht beweisen, aber mit Sicherheit habe ich schon Rollen nicht gekriegt, weil ich zu fett bin. Zu groß, zu fett, zu viel, zu laut, das will man doch nicht. Also werd’ ich nicht besetzt.

Elena statt Elfe ...

Ich möchte seit 20 Jahren eine Elfe sein! Im Ernst, ich bin auch für Männer zu viel. Man muss sich mit mir auseinandersetzen, in die Konfrontation gehen.

Dein Lebensgefährte hofft ja immer noch, dass Du eine Gazelle wirst, schreibst Du zumindest ...

Nicht im Ernst. Herr Karl liebt mich so, wie ich bin. Er weiß vor allem, wie’s mir geht. Eine Woche vor dem Münchner Filmfest bin ich im Ausnahmezustand. Mein Kleiderschrank gibt nix her, ich krieg’ hysterische Anfälle, dann find’ ich nix auf dem Land, wo ich wohn’. Er will mich teilweise auch beschützen, denn er weiß ja, wie geredet wird.

Wie wird denn geredet?

Die ist zu fett, mit der können wir nicht drehen, wer will die denn sehen?

Wie ist Dein Rezept?

Du lernst ’ne neue Frau kennen, sofort geht’s ums Gewicht. Fürchterlich. Wenn wir ein bisschen anfangen, über sich und den ganzen Wahnsinn zu lachen, dann wird’s lustig. Aber bevor nicht die Modebranche anfängt umzudenken, kämpfen wir gegen Windmühlen. Es lebt ja eine ganze Industrie davon. Tragbare Mode für Normale, das wär’ doch mal was!

Maria Zsolnay

Maria Zsolnay

E-Mail:Maria.Zsolnay@tz.de

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