Schwindel im Supermarkt

Die Etiketten-Tricks der Lebensmittel-Hersteller

+
Nur wer im Supermarkt kritisch einkauft, kann Fallen der Lebensmittel-Hersteller umgehen. Denn auch in den kleingedruckten Zutatenlisten wird legal geschönt und getrickst.

Eine „Geflügelwurst“, die vor allem Schweinefleisch enthält? Kunden fühlen sich getäuscht. Verbraucherschützer beobachten immer noch Tricksereien auf Etiketten – aber auch erste Lichtblicke.

Am Supermarktregal geht es häufig ziemlich schnell. Ein Blick auf die Packung und ab in den Korb mit Saft, Müsli und Joghurtbechern. Viele Kunden sind aber verwundert, wenn sie das Produkt später öffnen – und der Inhalt nicht hält, was die Aufmachung versprochen hat. Dabei monieren Verbraucherschützer seit langem, dass verlockende Bilder und Werbebotschaften in die Irre führen. Manche Hersteller bessern Etiketten nach – aber längst noch nicht alle.

Um welche Ärgernisse geht es?

Wenn die Werbung die Wahrheit über ein Produkt stark verzerre, nehme dies den Verbrauchern die Möglichkeit zu informierten Kaufentscheidungen, kritisiert der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. „Der Kunde ist dann nicht König, sondern eher ein armer Bettelmann.“ Beim Beschwerdeportal „Lebensmittelklarheit“, das der vzbv betreibt, gingen schon mehr als 9000 Meldungen ein. Aktuell stehen dort – jeweils nach Prüfung – 478 Produkte, bei denen Kunden sich getäuscht sehen.

Was wird konkret beklagt?

Am meisten Unmut gibt es über „nicht eingelöste Zutatenversprechen“, wie es Müller nennt. Da ist zum Beispiel ein „Vanilla“-Joghurt mit einer gelben Vanilleblüte auf dem Deckel. Im Kleingedruckten auf dem Becher ist dann aber nur von „Aroma“ zu lesen. Irritierend finden es Kunden auch, wenn sie im Kühlregal zu einer „Quarkcreme mit Joghurt“ greifen. Tatsächlich sind Frischkäse, Magermilch und Sahne im Dessert. Ähnlich ist es mit einem „Schwarze-Johannisbeere“-Saft samt Bild auf dem Etikett – in der Flasche steckt aber vor allem Apfelsaft.

Hat sich denn nichts verbessert?

Die Verbraucherzentralen registrieren, dass öffentlicher Druck Wirkung zeigt – zumindest etwas. Eine Auswertung auf Basis des Portals „Lebensmittelklarheit“ ergab, dass immerhin bei knapp der Hälfte der 2014 beanstandeten Produkte nachgebessert wurde. So wurde aus einem „Butter-Blätterteig“, der mehr pflanzliche Fette als Butter enthält, „Blätterteig mit Butter“. Ein Bild mit reichlich Früchten verschwand von einer Müslipackung, in der kaum Früchte sind. Bei „Sahne-Hering-Filets“ wurde die Rezeptur dem Etikett angepasst – und Sahne statt Crème fraîche verwendet.

Wie geht es weiter?

Erkenntnisse des Portals sollen künftig regelmäßig in die Arbeit der Kommission einfließen, die Leitsätze für die Bezeichnung von Lebensmitteln erarbeitet. Die müsse sich stärker am Verständnis der Kunden orientieren, fordern die Verbraucherzentralen: So wurde kürzlich definiert, dass bei einer Kalbsleberwurst mindestens die Hälfte des Leberanteils vom Kalb stammen muss – und eine übliche Beigabe von Schweinefleisch aufs Etikett gehört also: „Kalbsleberwurst mit Schweinefleisch“. Neue Fragen dürfte der Trend zu vegetarischen Produkten aufwerfen. Wäre bei einer fleischlosen „Wurst“ die Bezeichnung Mortadella noch in Ordnung – oder doch eher etwas wie „Aufstrich mit Mortadella-Geschmack“?

Pflichtangaben auf Lebensmitteln

Auf verpackten Lebensmitteln sind einige Angaben verpflichtend:

  • Die BEZEICHNUNG DES LEBENSMITTELS muss (anders als Produktnamen wie etwa „Schokotraum“) unmissverständlich sein.
  • In der Regel müssen alle ZUTATEN absteigend nach ihrem Gewichtsanteil aufgelistet werden. Allergene werden hervorgehoben.
  • Das MINDESTHALTBARKEITSDATUM gibt an, wie lange bei richtiger Lagerung spezifische Eigenschaften wie Farbe, Konsistenz und Geschmack, mindestens erhalten bleiben.
  • Das VERBRAUCHSDATUM nennt bei sehr leicht verderblichen Lebensmitteln hingegen den letzten Tag, an dem sie noch verzehrt werden dürfen.
  • Bei einigen Lebensmitteln, darunter frisches Obst und Gemüse, Eier und Rindfleisch, muss die HERKUNFT angegeben werden.
  • Tierische Lebensmittel tragen das ovale IDENTITÄTSKENNZEICHEN. So kann der letzte Betrieb, der das Lebensmittel verarbeitet oder verpackt hat, ermittelt werden.
  • Die LOSNUMMER gibt an, aus welcher Charge das Produkt stammt. Das erleichtert Rückrufe.
  • In der NÄHRWERTTABELLE sind der Energiegehalt und der Anteil der Nährstoffe angegeben.
  • Die NETTOFÜLLMENGE nennt Stückzahl, Gewicht/Volumen. - Das Unternehmen, das für das Produkt verantwortlich ist, muss seine FIRMENANSCHRIFT mitteilen.
  • Auf Getränken mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol muss der ALKOHOLGEHALT angegeben sein.

auch interessant

Meistgelesen

Dinnerhopping: Es fährt ein Bus durch München
Dinnerhopping: Es fährt ein Bus durch München
Lebensmittel aus Lupinen sind eine Alternative zu Soja
Lebensmittel aus Lupinen sind eine Alternative zu Soja
Kinder in der Küche einfach beschäftig
Kinder in der Küche einfach beschäftig

Kommentare