EU-Fischereipolitik

Welcher Fisch zum Fest auf den Tisch darf

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Die Bestände des Herings haben sich stabilisiert, daher wird die Fangquote von der EU wohl leicht erhöht. Der Fischratgeber von Greenpeace (siehe Grafik) bewertet die Nachhaltigkeit von Wild-Fischereien und Aquakulturen. Ist eine Art „nicht empfehlenswert mit Ausnahmen“/ „empfehlenswert mit Ausnahmen“, kommt es auf das Fanggebiet oder die Fangart an. Die Ratgeber von WWF und Greenpeace geben im Detail Auskunft über verschiedene Fanggebiete. 

Wie viel Fisch kann man essen, ohne dass das Meer leer wird? Um diese Grundsatzfrage geht es jährlich im Dezember bei den EU-Verhandlungen um die Fischfangmengen für das kommende Jahr. Dabei gilt es, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bekommen.

München – Die für Fischerei zuständigen Minister der Europäischen Union beraten in Brüssel über die Fischfangmengen für 2016. Welcher Fisch an Weihnachten bedenkenlos aufgetischt werden kann, hängt davon ab, wie es um die Bestände steht.

Fischbestände haben sich leicht erholt

Im Nordostatlantik, der Nordsee und der Ostsee wurde im vergangenen Jahr laut EU-Kommission rund die Hälfte der geprüften Bestände langfristig verträglich bewirtschaftet. Zum Vergleich: 2009 waren es nur 14 Prozent. Umweltschützer beklagen, dass immer noch viele Fischbestände auf einem Niveau bewirtschaftet werden, das nicht als langfristig haltbar gilt. Die Branche hält dagegen: Die zahlenmäßig größten Bestände hätten sich bereits erholt. Zudem könne sich ein Bestand auch nach und nach erholen – ohne drastische Quotenkürzungen.

Jährliche Debatte um Fangquoten

Die von der Europäischen Union (EU) jährlich erlassenen Quoten legen fest, wie viel Fisch pro Jahr aus dem Meer gezogen werden darf. Gerechnet wird in Tonnen, beim Ostsee-Lachs in einzelnen Stücken. Die Menge variiert je nach dem, wie gesichert oder gefährdet der Bestand einer Fischart in einem Bestimmten Meeresgebiet ist. Die Quoten werden heftig debattiert. Länder ohne eigene Meeresfischerei wie Österreich oder Ungarn stimmen den vorgeschlagenen Quoten meist zu, da sie nur mittelbar beteiligt sind – Länder mit großen Fangflotten wie Spanien, Frankreich oder Portugal kämpfen in der Regel für hohe Quoten. Der deutsche Anteil an den Quoten liegt im Schnitt bei fünf Prozent, er wird nach einem festen Schlüssel abhängig von Bestand und Fangflotte festgelegt.

Ein Meer an Siegeln und Zertifikaten

Verbraucher finden auf nahezu jedem Produkt irgendein Siegel – dessen Aussagekraft bleibt aber oft zweifelhaft. Wer gerne Fisch isst, sollte laut der Umweltorganisation WWF auf Produkte aus nachhaltigen Quellen setzen. „Verbraucher haben keine Möglichkeit zu erkennen, ob ihr Fisch legal gefangen wurde. Zertifizierte Ware bietet dafür die größte Sicherheit, weil der Fisch bis zum Schiff zurückzuverfolgen ist“, so Karoline Schacht, Fischereiexpertin beim WWF. Eine grundsätzliche Orientierung an der Fischtheke bieten die Umweltsiegel von MSC für Wildfisch sowie Naturland, Bioland und das ASC-Siegel für Produkte aus verantwortungsvoller Aquakultur. Das Zertifizierungsprogramm von Friend of the Sea ist ebenfalls ein Indikator für nachaltigen Fischgenuss. Es besagt, dass Bestände nur so stark befischt werden, dass ihre Population aufrechterhalten oder sogar wieder vergrößert wird, außerdem verbietet es die Befischung gefährdeter Arten.

Weihnachtskarpfen nicht gefährdet

Eine pauschale Aussage, ob eine Fischart gefährdet ist oder nicht, lässt sich nach Angaben von Greenpeace nicht treffen. Die Bestände haben in verschiedenen Verbreitungsgebieten unterschiedliche Gesundheits- und Gefährdungszustände. Daher bewertet die Organisation in ihrem Fischratgeber nicht Fischarten allgemein, sondern gezielt Bestände oder Fanggebiete. In die Bewertung fließt auch die Fangmethode mit ein – denn einige Fangarten, zum Beispiel die Fischerei mit Grundschleppnetzen, werden von Umweltorganisationen mitunter heftig kritisiert. Die gute Nachricht: Der traditionelle Weihnachtskarpfen kann auch dieses Jahr mit guten Gewissen serviert werden. Mit Vorsicht zu genießen ist unter anderem Alaska-Seelachs. Die Bestandsgrößen variieren sehr stark, außerdem werden einige Fanggebiete überfischt, erklärt der WWF. Die Fangquoten für Makrelen sollen deutlich sinken, auch ihr Bestand ist teilweise überfischt.

Mit Bedacht kaufen, bewusst genießen

Jeder Deutsche konsumiert im Durchschnitt rund 15 Kilogramm Fische und Meeresfrüchte pro Jahr, errechnete der WWF. Wer Wildfisch kauft, sollte in jedem Fall auf das MSC Siegel achten. Auch Fisch aus Bio-Aufzucht kann bedenkenlos gegessen werden. Generell empfehlen Umweltorganisationen, bewusster zu genießen und Fisch nicht zum Alltagsgericht zu machen. Würde jeder Deutsche nur einmal pro Woche Fisch verzehren, sänke der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch um fast die Hälfte auf acht Kilogramm pro Person, so der WWF.

Einkaufsratgeber Fisch

Zu bestellen beim WWF Deutschland Infoservice, Reinhardtstraße 18, 10117 Berlin, telefonisch unter 030/31 17 77 700. Der Fischratgeber von Greenpeace kann unter 040/30 61 81 20 bestellt werden. Eine digitale Version ist hier erhältlich.

Von Christoph Schneider

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