Fünf Jahre Kiosk "Fräulein Grüneis"

Grün-weißes Kleinod im Englischen Garten

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Kiosk-Besitzer aus Leidenschaft: das Ehepaar Sandra und Henning Dürr.

München - Vom Toilettenhäuschen und „Schwulenhäusl“ zum beliebten Treffpunkt in Eisbach-Nähe: Der Kiosk Fräulein Grüneis feiert sein fünfjähriges Bestehen mit einem großen Fest – und möchte gleichzeitig die Integration von Flüchtlingen fördern.

Das kleine Häuschen mit der grün-weißen Fassade zwischen Eisbach und Bayerischem Nationalmuseum ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Das Fräulein Grüneis gehört für viele Münchner zu einem Besuch im Englischen Garten oder am Eisbach ganz selbstverständlich dazu. Und zwar seit nunmehr fünf Jahren – das wollen Sandra und Henning Dürr, die Inhaber des Fräulein Grüneis, an diesem Freitag, 22. Juli, groß feiern.

Dabei soll nicht nur der Geburtstag im Vordergrund stehen, es soll ein interkulturelles Fest unter dem Motto „Integration“ in Zusammenarbeit mit dem Asylhelferkreis Eichenau werden. „Der Kontakt ist über einen Stammgast zustande gekommen, der dort ehrenamtlich tätig ist“, erzählt Sandra Dürr. „Seitdem haben wir auch einen syrischen Koch und ein weiterer Syrer ist unser ,Mann für Alles’“, ergänzt Henning Dürr.

In Eigenregie baute Henning Dürr das ehemalige Klohäusl zu einem Kiosk um.

Ab 14 Uhr gibt es ein buntes Programm mit Spielen für Kinder, syrischen Tänzen und Live-Musik. Auf einer Bühne, die vor dem Rumford-Denkmal aufgebaut wird, sorgen unter anderem „Die Grüneisband“, die sich nach dem Fräulein benannt hat, und der „Münchner Kneipen Chor“ für musikalische Untermalung. Kulinarisch soll, passend zum Thema, ein Hauch von Orient wehen. Neben einem Falafel-Stand wird es ein Mitbring-Buffett geben mit Spezialitäten aus dem orientalischen Raum. Der Erlös geht direkt an den Asylhelferkreis Eichenau. Vor allem die Integration von Kindern liegt dem Ehepaar Dürr am Herzen. Um das Eis zwischen einheimischen und Flüchtlingskindern zu brechen, werden die „Clowns ohne Grenzen“ am Fest teilnehmen und zum gemeinsamen Spielen animieren.

Dass das Fräulein Grüneis in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag feiern kann, stand lange auf der Kippe. Eine Freundin hatte Sandra Dürr von dem heruntergekommenen Klohäuschen an der Lerchenfeldstraße erzählt. Doch es sollte ein langer Weg werden. Bereits 2008 bemühte sich das Ehepaar Dürr um einen Pachtvertrag. Viele Verhandlungen später und nach einer offenen Ausschreibung, welche die Dürrs gegen groß-gastronomische Konkurrenten für sich entscheiden konnten, bekamen die Quereinsteiger im Frühjahr 2011 den Zuschlag. Und Henning Dürr baute alles in Eigenregie um.

„Ich habe jedes Brett im Kiosk in der Hand gehabt“, erzählt er. Hilfe bekam er von unverhoffter Stelle. Einer der Eisbach-Surfer beobachtete Henning Dürr und bot spontan seine Hilfe an. 55 Tonnen Schutt schafften die beiden Männer innerhalb von drei Monaten mit der Schubkarre aus dem Haus. Und als es um mögliches Personal ging, boten sich Freunde des Surfers an. Heute hat das Fräulein Grüneis einen festen Stamm von zwölf Mitarbeitern. Viele von ihnen sind seit dem ersten Tag dabei. Ein eingeschworenes Team. „Es sollte ein Münchner Ort werden – und das ist es auch geworden“, sagt Henning Dürr sichtlich zufrieden.

Detailverliebt: die hübsche Theke mit frischem Gebäck im „Fräulein Grüneis“.

Und tatsächlich ist das Fräulein Grüneis zu einem Treffpunkt für die verschiedensten Münchner geworden. Die wechselnden Mittagsangebote locken viele aus den umliegenden Büros herbei, die ihre Mittagspause nur zu gerne hier verbringen. Am Nachmittag kommen viele Mütter und Väter mit ihren Kinderwagen vorbei, um sich ein Stück Kuchen, einen Brownie oder einen Kaffee zu gönnen. Die Speisen werden jeden Tag frisch zubereitet – und das auf einer nur zweieinhalb Meter langen Küchenzeile im Inneren des Häuschen. „Das ist logistisch schon eine Herausforderung“, sagt Henning Dürr und lacht. „Manchmal bereitet unser Koch bis zu 200 warme Mahlzeiten am Vormittag zu. Aber er meistert das fantastisch.“ Beliebt bei den Gästen ist die Grüneis-Alternative für die Leberkassemmel: gebratene Regensburger mit Essiggurken, Meerettich und süßem Senf im Brot. Eine Oberpfälzer Spezialität, die Sandra Dürr aus ihrer Heimat mitgebracht hat.

In fünf Jahren hat das Fräulein Grüneis sich einen festen Stammgästekreis aufgebaut. „Es sind auch Freundschaften entstanden“, sagt Sandra Dürr. Und auch auf die nächsten Jahre freuen sich beide Inhaber. „Die größte Herausforderung ist, Standard und Qualität zu halten und dabei den Spaß nicht zu verlieren“, resümiert Henning Dürr. Aber dieser Herausforderung stellen sich die beiden gerne.

Lisa-Marie Birnbeck

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