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Hält Glühwein, was er verspricht?

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Im heißen Zustand muss Glühwein mindestens sieben Prozent Alkohol enthalten.

Glühwein gehört zur Vorweihnachtszeit wie Plätzchen und Lebkuchen. Die Hersteller werben mit „feinsten Zutaten“, „alten Familienrezepten“ und „Traditionsqualität“. Doch was steckt dahinter? Die Verbraucherzentrale Bayern hat 22 Glühweine unter die Lupe genommen.

„Nach traditionellem Rezept, aus ausgesuchten Rotweinen, mit erlesenen edlen Gewürzen.“ Mit Sätzen wie diesen werben die Hersteller von Glühwein für ihre Produkte. Welche Zutaten wirklich in den Getränken stecken, erfährt der Verbraucher nicht. Der Hintergrund: Im Gegensatz zu den meisten anderen Lebensmitteln müssen Hersteller von Getränken mit einem Alkoholgehalt von über 1,2 Volumenprozent keine Zutatenliste und keine Nährwerte auf den Etiketten angeben. Betroffen ist also nicht nur Glühwein, auch bei alkoholischen Mixgetränken, Likören oder Spirituosen tappen Verbraucher im Dunkeln.

Geregelt ist das in der europaweit geltenden Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Für Marion Breithaupt-Endres, Vorstand der Verbraucherzentrale Bayern, ist die Sonderstellung der Alkoholika in der LMIV völlig unverständlich. „Es widerspricht jeder Logik, dass die Lebensmittelinformationsverordnung gerade hier Ausnahmen zulässt“, sagt Breithaupt-Endres. Der Gesetzgeber müsse sich dringend für eine Korrektur dieser Sonderregelung einsetzen, fordert sie. Um auf das Versteckspiel bei der Kennzeichnung aufmerksam zu machen, hat die Verbraucherzentrale Bayern bei einer Stichprobe 22 Fertigglühweine aus dem Handel unter die Lupe genommen. Bei sechs Flaschen handelte es sich um Bio-Produkte.

Das Ergebnis: Auf den Etiketten der meisten Flaschen ist nicht erkennbar, welche Grundweine, Aromen oder Zuckerarten eingesetzt worden sind. Nur bei zwei der 22 Produkte informieren die Hersteller freiwillig mit einer Zutatenliste: Zu kaufen gibt es die beiden Bio-Glühweine bei Denns (Abfüller: Weinhaus Krauss) und Alnatura. Bei vier Produkten wird die enthaltene Rebsorte angegeben: „Deutscher Winzer Glühwein“, der bei Rewe im Regal steht, enthält die Rebsorte Regent. Aus Dornfelder Trauben ist der „Deutscher Winzer Glühwein“ von Aldi Süd. 100 Prozent Bio-Merlot steckt in dem Glühwein namens „Heißer Hirsch“ (Denns), Dornfelder im Glühwein der Weinkellerei Kunzmann (Galeria Kaufhof). Nährwertangaben wie etwa den Zuckergehalt nennt dagegen keiner der Hersteller. Dabei ist Glühwein eine richtige Kalorienbombe. Mit rund 200 Kalorien pro Glas (200 Milliliter) steckt oft mehr Zucker in dem Heißgetränk als in Cola. Mit Schuss schnellt die Zahl der Kalorien auf rund 300 hoch.

So undurchsichtig die Inhaltsstoffe beim Glühwein sind, wenigstens einige Dinge sind rechtlich geregelt: Glühwein ist in der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung definiert als ein weinhaltiges Getränk, das aromatisiert ist. Seit März 2015 ist festgelegt, dass Glühwein mindestens sieben Volumenprozent Alkohol enthalten muss. Es darf kein Wasser zugesetzt werden und es sind nur bestimmte Zuckerarten erlaubt (EU-Verordnung Nr. 251/2014). Hier liegt auch der Unterschied zu Punsch. Beim Punsch darf Wasser zugesetzt werden – zum Beispiel in Form von Tee.

Von Manuela Dollinger

Manuela Dollinger

Manuela Dollinger

E-Mail:Manuela.Dollinger@merkur.de

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