Bäckerei-Wiedereröffnung

„In der Mehlschüssel aufgewachsen“

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Maximilian Stadler hat in dieser Bäckerei seine Kindheit verbracht. Heute eröffnet er sie neu. 

Nach 17 Jahren Pause öffnet die Bäckerei Stadler in der Schwabinger Marktstraße wieder. Von 1974 bis 1998 gehörte sie der Familie Stadler, dann wechselte der Besitzer. 

Für Maximilian Stadler, den neuen Chef, ist die ehemalige Bäckerei seines Vaters ein Ort der Erinnerung.

„Das sind schon Emotionen“, sagt der Bäckermeister und blickt verträumt in den Verkaufsraum. Am Vortag der Eröffnung tüftelt Maximilian Stadler mit seinem Team noch an allen Ecken und Enden. Das Gröbste steht schon, an den Details hapert es noch. Gerade wird eine neue Toilette eingebaut. Die Kaffeemaschine funktioniert noch nicht, und die Kasse soll erst irgendwann im Laufe des Tages eintreffen. Für Stadler kein Grund zur Beunruhigung – er hat die Unterstützung seiner ganzen Familie. Während Mutter und Ehefrau fleißig mit anpacken, schlummert in einem Babykorb in der Ecke bereits die nächste Generation der Münchner Bäcker-Dynastie. So sei es in ihrem Betrieb schon immer gewesen.

„Ich bin hier aufgewachsen“, erzählt der 40-Jährige. „Unser ganzes Leben hat in dieser Bäckerei stattgefunden.“ Als er und seine beiden Brüder noch Kinder gewesen seien, hätten sie schräg gegenüber eine Wohnung gehabt. In die seien sie im Grunde nur zum Schlafen gegangen. Ihr wirkliches Zuhause sei die Marktstraße 18 gewesen, die Bäckerei ihres Vaters Lorenz.

„Dort hinten war eine große Betriebsküche“, erzählt Stadler und zeigt auf die Tür zum Mitarbeiterbereich. „Dort haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, und dort haben wir auch Schelte bekommen, wenn wir mal schlechte Noten heimgebracht haben.“ Er könne sich noch gut erinnern, wie er und seine Brüder als Buben in der Backstube herumgesaust seien. „Wir sind quasi in der Mehlschüssel aufgewachsen.“ In den Schulferien mussten sie dort auch arbeiten. „Unser Vater hat immer gesagt, sechs Wochen Urlaub braucht kein Mesch“, erzählt Stadler und lacht. Damals habe er den Bäckerberuf lieben gelernt.

1998 habe seine Familie den Laden aufgeben müssen – eine herbe Enttäuschung. Maximilian Stadler hatte zu diesem Zeitpunkt gerade die Prüfung zum Bäckermeister bestanden. „Damals gab es neue EU-Richtlinien, und die Hygienevorschriften sind extrem standardisiert worden“, erklärt er. Seine Eltern hätten eine hohe sechsstellige Summe investieren müssen, um den Betrieb halten zu können. Das Haus habe ihnen jedoch nicht gehört. Es habe sich lediglich um eine Pacht gehandelt, und in fremden Besitz wollte man nicht investieren. Die Räumlichkeiten gingen in die Hände der Familie Ehrnthaller über, die dort bis zuletzt die Bäckerei Aumüller betrieben.

„Ich war ziemlich traurig“, so Stadler. Kurz darauf habe er aber großes Glück gehabt. In Haidhausen habe eine kleine Bäckerei geschlossen – die perfekte Gelegenheit für einen jungen Bäckermeister. „Ich war 23, als ich den Laden übernommen habe. Da habe ich richtig Gas gegeben.“ Das Geschäft lief gut. In der Leopoldstraße eröffnete Stadler bald eine Filiale.

„Dann beschloss die Familie Ehrnthaller irgendwann, den Laden in der Marktstraße nahe der Münchner Freiheit wieder abzugeben. Fairerweise traten sie damit als erstes an mich heran.“ Den genauen Grund für den Verkauf kenne er nicht. „Zum Glück hatten sie aber einen, sonst wäre ich heute nicht hier“, sagt Stadler und lacht. Für ihre kleine Bäckerei seien der Kauf und die Renovierung ein Kraftakt gewesen. „Aber ich habe gesagt, so eine Gelegenheit bekommst du nur einmal. Und ich wollte nicht mein Leben lang die verpasste Chance bereuen.“

Die Familienbäckerei nach all den Jahren wiederzusehen, sei für ihn überwältigend gewesen. „Als ich mich das erste Mal mit dem vorigen Besitzer getroffen habe, war ich so nervös, als müsste ich vor 200 Leuten eine Rede halten.“ Ab heute lässt Stadler die Tradition im Haus seiner Kindheit wieder aufleben. In seinem Betrieb werde alles noch von Hand produziert, sagt er. Da komme es vor allem auf das Bauchgefühl des Fachmanns an. Als Stadlers Blick auf die Theke fällt, lächelt er. „Für mich ist es immer noch ein wunderschöner Beruf.“

Von Marian Meidel

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