Starkoch tritt ins kulinarische Fettnäpfchen

"Verbotene" Zutat: Irrer Shitstorm gegen Jamie Oliver

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Jamie Oliver

London - Starkoch Jamie Oliver legt sich gleich mit einem ganzen Land an. Was die Paella angeht, verstehen die Spanier sowieso schon keinen Spaß, und dann bricht der Brite ausgerechnet das größte Tabu.

Das war's dann wohl mit dem Malle-Urlaub für Promikoch Jamie Oliver. Wahrscheinlich wird gegen ihn bald ein Einreiseverbot nach Spanien verhängt, so sauer sind die Südländer auf den britischen Koch. Er hätte aber auch wirklich wissen können, was auf ihn zukommt, wenn er sich erdreistet, das traditionsreichste Kulturgut der spanischen Küche zu entehren: die Paella. Nur einmal Googeln hätte gereicht, denn im Internet lassen die Spanier keine Zweifel daran aufkommen, dass es eben nur DIE EINE Paella gibt: von der falschen Reissorte, über Erbsen, die nicht hineingehören bis hin zum Verhältnis Reis/Fleisch kann nach Meinung der Einheimischen so vieles falsch gemacht werden.

Jamie Oliver, seit August fünffacher Vater, postete am 4. Oktober sein "Rezept des Tages" auf Twitter, das wohl, seiner Kommentierung zufolge, eine Paella darstellen sollte. Dass sein Rezept nach Gesichtspunkten der Völkerverständigung allerdings ein mächtiger Griff ins Klo war, bekommt er jetzt zu spüren.

Den größten aller denkbaren Fehler machte der Profi-Koch, indem er der Reispfanne Chorizo-Würstchen hinzufügte. "Aaaaaaargh", rufen da die Spanier! Auf Twitter kassierte Oliver nach seinem "Rezept des Tages"-Post à la Fake-Paella reichlich Spott und Gemecker. Unter dem Hashtag #Paellagate lassen die in ihrem Stolz angekratzten Mittelmeer-Bewohner ihrem Ärger freien Lauf:

"WTF, Jamie Oliver?"

"Meine Version von Fish & Chips wird mit Aubergine und Ente gemacht"

"Entferne die Chorizo! Wir verhandeln nicht mit Terroristen. Dies ist die erste Warnung!"

Das ging ja wohl zünftig daneben. Gut nur, dass Jamie Oliver derzeit im kalten England verweilt und damit außerhalb der Reichweite der wütenden Meute. Er und seine Frau müssten mit brenzligen Situationen wie dieser eigentlich bestens vertraut sein, denn der Küchenmeister eckt gerne mal an und erhitzte die Gemüter auch in der Vergangenheit bereits mit makaberen Aktionen. So ließ er vor acht Jahren in seiner einmaligen Show "Jamies Hühnerhölle" kleine Küken vor laufender Kamera und Studiopublikum vergasen, um auf die Vorgehensweise in industriellen Eierproduktionsstätten aufmerksam zu machen. Dass den Gästen im Studio, die sich am gedeckten Tisch auf ein leckeres Jamie-Oliver-Menü freuten, mit einem Mal der Appetit verging, verwundert nicht. Die Botschaft damals kam bei den schockierten Zuschauern jedenfalls an. Was Herr Oliver seinen aufgebrachten Fans diesmal mit seiner zweckentfremdeten Paella-Mutation mitteilen möchte, bleibt jedoch vorerst ein Rätsel.

Übrigens: Die wahre Paella hat ihren Ursprung in Valencia. Daher gilt die Paella Valenciana in Spanien auch als "das Original". Laut dem spanischen Journalisten Mikel Lopéz Iturriaga gehören in eine richtige Paella Valenciana ausschließlich folgende Zutaten:

Vier Reissorten stehen zur Auswahl: Senia, Albufera, Bahía und Bomba

Die gelbe Färbung kommt durch Safran, nicht durch Curry!

Kaninchen- und Hühnchenfleisch (in mundgerechten Stücken und auf keinen Fall mehr Fleisch als Reis!)

Tomatenwürfel

Artischocke

Französische Bohnen

Limabohnen

Ursprünglich gehörten wohl auch Schnecken zum Originalrezept, die werden aber oft weggelassen.

Auf keinen Fall Chorizo-Würstchen!

Die berühmten Meeresfrüchte gehören nicht in eine Paella Valenciana. Sind Fisch und anderes Meeresgetier Bestandteil der Reispfanne, handelt es sich um eine Paella Marisco.

Wer des Spanischen mächtig ist, kann sich im Video von Iturriaga nochmal erklären lassen, was bei einer echten Paella so gar nicht geht:

lg

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