Verbraucher

Lebensmittel-Müll vermeiden

+
Weg damit: Jahr für Jahr landen elf Millionen Tonnen Lebensmittel hierzulande im Müll. Die größten Verschwender sind die Privathaushalte. Sie werfen 6,7 Millionen Tonnen weg, von denen etwa zwei Drittel noch genießbar gewesen wären. Im Schnitt entsorgt jeder 82 Kilogramm Lebensmittel – zwei randvoll gepackte Einkaufswagen im Wert von 235 Euro.

Viele Lebensmittel landen im Müll, obwohl sie noch gut für den Teller wären. Frankreich will Nahrungsverschwendung im Handel deshalb nun per Gesetz einen Riegel vorschieben. In Deutschland ist das vorerst nicht geplant. Die größten Verschwender sind aber ohnehin nicht die Supermärkte, sondern Privathaushalte.

Schrumpeliges Gemüse, Obst mit braunen Stellen oder das Pilzgericht von gestern: Allein in Deutschland landen nach einer 2012 vorgestellten Studie im Auftrag des Ernährungsministeriums pro Jahr elf Millionen Tonnen Nahrung von Verbrauchern, Handel, Industrie und Gastronomie im Müll. Der Löwenanteil stammt aus privaten Haushalten: 6,7 Millionen Tonnen. Wenn Verbrauchern an Lebensmitteln kleine Mängel auffallen, werden sie oft zu Verschwendern – manchmal auch, weil sie sich unnötige Sorgen machen. Doch auch im Handel werden Lebensmittel verschwendet: laut Studie 550 000 Tonnen pro Jahr.

Die Verbraucherzentralen pochen deshalb bereits seit einiger Zeit auf schärfere gesetzliche Regelungen. Aktuell wagen sie einen erneuten Vorstoß: Supermärkte sollten unverkaufte Lebensmittel nicht mehr wegwerfen dürfen, fordern sie. Vorbild ist Frankreich. Im Nachbarland müssen Händler nach einem Anfang Februar beschlossenen Gesetz unverkaufte Nahrungsmittel spenden, verarbeiten, als Tierfutter verwenden oder kompostieren. Viele Händler und Caterer in Deutschland spendeten bereits nicht mehr verkaufbare Lebensmittel an Tafeln. „Eine gesetzliche Pflicht würde also die schwarzen Schafe treffen, die das bisher noch nicht freiwillig machen“, sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller.

Die Bundesregierung plant ein solches Wegwerf-Verbot jedoch nicht, wie das Bundesernährungsministeriums mitteilte. Das dürfte den Handel vorerst beruhigen, der bereits erklärt hat, ein Gesetz nach Vorbild Frankreichs sei unnötig, da sich die Branche bereits aus freien Stücken engagiere – etwa bei den mehr als 900 lokalen Tafeln.

Verbraucherschützer Müller hat allerdings nicht nur die Supermärkte ins Visier genommen: „Wie der Handel stehen auch Landwirte, Lebensmittelindustrie und die Verbraucher in der Pflicht“, betont er. Nötig seien etwa auch verständlichere Angaben beim Mindesthaltbarkeitsdatum (siehe Kasten), ein Verzicht auf ausschließlich große Packungen und günstige Angebote von Lebensmitteln mit Schönheitsfehlern.

Verbraucher können einiges tun, um Lebensmittelmüll zu vermeiden. Die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesernährungsministeriums gibt dazu Tipps:

  • Verschrumpeltes Gemüse lässt sich noch aufheben. Es eignet sich etwa als Auflauf- oder Pfannengemüse-Zutat. Schließlich geht es hier rein um die Optik, geschmacklich gibt es keinen Unterschied.
  • Angeschnittenes Obst und Gemüse, das braune Stellen hat, ist ebenfalls kein Grund zur Sorge. Die Verfärbungen seien eine natürliche Reaktion von Pflanzenstoffen mit der Luft. Das Obst ist deswegen nicht ungenießbar.
  • Kartoffeln halten sich je nach Sorte mehrere Wochen bis mehrere Monate. Grüne Verfärbungen sind aber ein Warnsignal. Solche Stellen enthalten Solanin, das Vergiftungen auslösen kann. Symptome sind zum Beispiel Magenbeschwerden, Fieber, Brechreiz und Durchfall. Wegwerfen muss man die Kartoffeln dann nicht gleich, aber die Stellen sollte man ausschneiden. Gekocht bleiben Kartoffeln zwei bis drei Tage im obersten Kühlschrankfach gut.
  • Pilze, Spinat und Fisch lassen sich wieder aufwärmen. Die Angst, das sei gefährlich, stammt noch aus der Zeit, als es keine Kühlschränke gab und sie deshalb schnell schlecht wurden. Das lässt sich vermeiden, wenn Reste von Pilzgerichten, Spinat und Fisch möglichst schnell abkühlen und dann in den Kühlschrank kommen. Der ideale Platz ist die untere Glasplatte gleich über dem Gemüsefach. Dort ist es am kältesten. Die Reste können dann ein bis zwei Tage aufgehoben werden. Beim Wiederaufwärmen ist es wichtig, die Reste bei mindestens 70 Grad für mindestens zwei Minuten gut durchzuhitzen.
  • Auch die verbreitete Regel „Nach dem Auftauen nicht wieder einfrieren“ stimmt nicht grundsätzlich: Tiefkühlgemüse zum Beispiel darf auch aufgetaut wieder in den Gefrierschrank, weil es vor dem Essen ohnehin erhitzt wird. Allerdings sollte es nicht lange draußen stehenbleiben. Je schneller es wieder ins Kühlfach kommt, desto weniger Keime können sich bilden. Außerdem bleiben die Nährstoffe besser erhalten.
  • Verschwendung vermeiden lässt sich, wenn Verbraucher gezielt nur so viel einkaufen, wie sie voraussichtlich brauchen. Wer immer wieder auf Vorrat einkauft und die Haltbarkeit nicht im Blick hat, riskiert, dass immer wieder Lebensmittel verderben. Vor dem Einkauf lohnt es sich deshalb, die Vorräte zu überprüfen. Auch die Kühltruhe oder das Tiefkühlfach lohnt einen regelmäßigen Blick: Eingefrorenes Obst und Gemüse sind bis zu ein Jahr lang genießbar, Fisch, Fleisch und fertig gekochte Speisen nur drei Monate. Tiefgefrorenes sollte deshalb mit dem Einfrierdatum versehen werden, wenn es in die Truhe kommt.

auch interessant

Meistgelesen

Michelin-Sterne-Regen für deutsche Spitzen-Restaurants
Michelin-Sterne-Regen für deutsche Spitzen-Restaurants
Kommentar: Glühwein? Geht mir weg mit dem Gesöff
Kommentar: Glühwein? Geht mir weg mit dem Gesöff
Burger King hat in München Großes vor
Burger King hat in München Großes vor
Großes Battle: Die zweite Runde ist gestartet
Großes Battle: Die zweite Runde ist gestartet

Kommentare