Serie: Made in Munich

Die Inge: Scharf, süß und aus Giesing

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Ins Glas kommt nur Handarbeit, darauf ist der Erfinder der "Inge", Sascha Elsperger, stolz.

München - „Made in Munich“ – klingt doch gut. Viele Jungunternehmer haben sich entschieden, ihre Marken und Produkte in der Landeshauptstadt aufzubauen. In seiner Manufaktur stellt Sascha Elsperger Ingwersirup, Fruchtaufstrich und Chutney her – Nachfrage gibt es sogar auf Mallorca

Eine echte Giesingerin ist die Inge. In dem Stadtteil, in dem Franz Beckenbauer aufwuchs, erblickte sie das Licht der Welt und hat – anders als der Kaiser – hier auch heute noch ihren Hauptwohnsitz. Zu finden ist sie in einem schlichten Ladencafé an der Watzmannstraße 2. Bei der „Inge“ handelt es sich nicht um eine alteingesessene Bewohnerin des Viertels, sondern um den leuchtend gelben Ingwersirup, den Sascha Elsperger hier seit einigen Jahren herstellt.

Die Idee für den Getränkesirup auf Ingwergbasis kam Elsperger erstmals vor rund 30 Jahren, schätzt er. „Damals hatte ich ein ähnliches Produkt probiert und hatte immer im Hinterkopf, dass ich mich mal selber an der Herstellung versuchen will.“ Doch zur Umsetzung dieses Plans kommt es zunächst nicht. Denn der gelernte Koch schlägt vorerst einen völlig anderen Karriereweg ein und arbeitet lange als Redakteur beim Kinderfernsehen. Erst als es 2001 schwierig wird in der Branche, steigt Elsperger erneut in die Gastronomie ein. Mit der Rückkehr an die Töpfe kommt ihm auch der Getränkesirup wieder in den Sinn. Elsperger beginnt zu experimentieren. „Ich habe sicher ein halbes Jahr lang Rezepte ausprobiert und alles in einer Tabelle protokolliert“, erinnert er sich.

Als er mit dem Rezept – einer Mischung aus Ingwer, Orangen und Zitronen – zufrieden ist und der Sirup auch im Freundeskreis gut ankommt, nimmt Elsperger seine „Inge“ das erste Mal mit unter Leute. Beim 850. Geburtstag der Stadt München im Jahr 2006 ist er für das gastronomische Angebot am Wittelsbacherplatz verantwortlich. Zehn Flaschen Sirup hat Elsperger dabei, innerhalb einer Viertelstunde sind sie alle leer. Nach dieser positiven Resonanz mietet sich der 46-Jährige zunächst in der Restaurantküche eines Freundes ein, 2013 erfolgt der Umzug in das eigene Ladenlokal an der Watzmannstraße.

Mehrere tausend Flaschen von der Inge verkauft Elsperger inzwischen jeden Monat. In München kann man die Inge zum Beispiel im Bayerischen Hof, in der Hirmer-Tagesbar und bei Feinkost Käfer finden. Aber auch über die Stadtgrenzen hinaus ist die Giesingerin inzwischen bekannt: Von Norderney und aus Mallorca haben Elsperger inzwischen schon Bestellungen erreicht.

Beim Bekanntmachen seines Produkts halfen Elsperger besonders am Anfang seine Kontakte in der Gastronomieszene. Mittlerweile, so der 46-Jährige, spreche sich die „Inge“ aber auch von alleine herum: „Auf Norderney war ich zum Beispiel noch nie, und auch bei Feinkost Käfer habe nicht ich angerufen“, sagt er lachend. Auch der Spritz-Trend der vergangenen Jahre kam dem Unternehmen zu Gute. Ingwer mit Sekt wurde zur beliebten Alternative zu Aperol-Spritz und Hugo. Allerdings, so Elsperger, habe es gerade wegen dieses Erfolgs auch viele Versuche gegeben, sein Produkt zu kopieren. Das ärgert den Unternehmer, denn der Name ist geschützt. „Es darf eigentlich nur Inge drauf stehen, wo auch Inge drin ist“, sagt er.

Das Wachstum seines Unternehmens bezeichnet Elsperger als „gesund und langsam“. „Natürlich dauern einige Dinge so länger, aber nur so geht es vernünftig“, glaubt er. Mittlerweile beschäftigt die Inge fünf Mitarbeiter. Die helfen Elsperger im Ladenlokal, beim Bearbeiten der Bestellungen und vor allem beim Produzieren des Sirups, der für 12,90 Euro erhältlich ist. Denn der ist nach wie vor reine Handarbeit, das ist dem 46-Jährigen wichtig. „Vom Schälen des Ingwers bis zum Aufkleben der Etiketten“, sagt er.

Teil dieses „gesunden Wachstums“ war es auch, einen Großteil der Produktion des Sirups Ende vergangenen Jahres aus der Stadt nach Höhenkirchen zu verlegen. Nur hier fand Elsperger ausreichend Fläche, um die Größe der Manufaktur dem Bedarf anzupassen. In der Münchner Innenstadt war das schwierig. Während die Inge also zumindest teilweise aus ihrer Heimat weggezogen ist, hat ihre Giesinger Familie inzwischen Zuwachs erhalten. Denn mittlerweile vertreibt Elsperger auch Chutney (5,90 Euro) und Fruchtaufstrich mit Ingwer (4,20 Euro), die weiterhin an der Watzmannstraße produziert werden. Inges kleine Geschwister bleiben Giesing also treu.

Die Inge gibt es im Ladencafé in der Watzmannstraße 2 (Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 10 bis 16 Uhr, Mittwoch von 10 bis 19 Uhr, Freitag von 9.30 bis 15.30 Uhr), sowie bei diversen Gastronomiebetrieben und Läden in und um München. Die Liste mit allen Bezugsquellen findet sich im Internet unter www.die-inge.de.

Unsere Serie "Made in Munich": Lesen Sie hier über zwei junge Münchner, die alten Aktenordnern neues Leben einhauchen.

Annika Schall

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