Lebensmittelhändler in Bayern

Mega-Supermärkte profitieren von Konsumfreude

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Obst und Gemüse im Laden: Schon bald könnten Internet-Händler die Ware liefern. Der Einzelhandel ist nervös.

Die Lebensmittelhändler in Bayern haben 2015 so viel Umsatz gemacht wie noch nie. Aber nicht alle profitierten von dem Boom: Verlierer waren kleine Supermärkte und Discounter. Gleichzeitig wartet die Branche nervös auf den Einstieg von Amazon.

München – Die Freude ist Matthias Zwingel anzumerken. Und das liegt nicht nur am guten Geschäft seiner fränkischen Rewe-Märkte, Gestern hatte die Freude einen ganz anderen Grund: Als Vize-Präsident des Handelsverbands Bayern kennt Zwingel auch die Umsätze seiner Kolleginnen und Kollegen im Freistaat – und die waren vergangenes Jahr so gut wie noch nie. „Der stabile Arbeitsmarkt und die ungebrochene Konsumlust der Verbraucher halten unsere Branche auf Kurs“, sagte Zwingel gestern in München. Der Verkauf von Lebensmitteln spülte 2015 insgesamt 26,8 Milliarden Euro in die Kassen der bayerischen Lebensmitteleinzelhändler – drei Prozent mehr als im Vorjahr. „Das ist das sechste Jahr in Folge, in dem wir beim Umsatz zugelegt haben“, sagte Zwingel.

So gut die Zahlen auch sind, nicht alle bekommen davon etwas mit: „Verloren haben die kleinen Supermärkte“, hat Zwingel beobachtet – und daran wird sich seiner Ansicht nach auch künftig nichts ändern. Die großen Profiteure des Booms bleiben Mega-Supermärkte, die in den vergangenen Jahren am Ortsrand vieler Gemeinden entstanden sind. Läden, die mittlerweile über 30 000 Artikel im Sortiment haben. „Und je größer die Ladenfläche, desto besser lassen sich die Kosten umlegen“, weiß Zwingel. Im Lebensmitteleinzelhandel gilt die Regel: Der Kostenführer hat die Nase vorn.

Selbst Discounter wie Lidl und Aldi haben es zunehmend schwer, gegen die neue Konkurrenz anzukommen. Zwar liege der Marktanteil der Discount-Märkte in Bayern noch immer bei rund 40 Prozent, sagte Zwingel. „Aber Umsatzrückgänge haben die Vertriebsschiene mächtig unter Druck gesetzt.“ Es sei aber verfrüht, einen Abgesang auf die Discounter anzustimmen. Mit mehr Kundenservice, einer attraktiveren Ladengestaltung und der Erweiterung des Sortiments um Markenartikel hätten Discounter auf die neue Situation reagiert.

Aber auch die Supermarkt-Ketten ziehen Konsequenzen. Edeka hatte bereits angekündigt, die Tengelmann-Märkte übernehmen zu wollen. Eine Fusion würde Edekas Wettbewerbsposition deutlich verbessern. Der Deal ist noch nicht durch, noch wartet die Branche gespannt auf eine Reaktion von Edeka – denn Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte einer Fusion nur zugestimmt, wenn Edeka die rund 16 000 Jobs für mindestens fünf Jahre weitestgehend sichert. Zwingel glaubt, dass Filialschließungen einfach nur in die Zukunft verschoben werden: „Nach Ablauf dieser Frist wird entschieden, welche Standorte wirtschaftlich betrieben werden können und welche aufgegeben werden müssen“, vermutet er.

Das Branchengefüge würde aber nicht nur dadurch kräftig durcheinandergewirbelt: Das große Schreckgespenst der Branche heißt Amazon. „Mit Spannung beobachten wir deshalb den kommenden Markteintritt von Amazon“, sagte Zwingel. Bislang spielt der Online-Handel mit Lebensmittel in Deutschland eine verschwindend geringe Rolle. Vergangenes Jahr lag sein Anteil gemessen am Umsatz mit Lebensmitteln gerade einmal bei 0,6 Prozent. Der US-Gigant könnte das ändern.

Von Sebastian Hölzle

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