Niedrige Milchpreise

Milchkrise: Wie die EU den Bauern helfen will

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Prall gefüllte Euter drücken den Milchpreis – für die Bauern kann das existenzbedrohend sein. Die EU hat jetzt ein neues Hilfspaket präsentiert, 500 Millionen Euro sollen die europäischen Landwirte erhalten.

Die deutschen Bauern produzieren zu viel Milch. Das drückt die Preise. Doch was tun? Die Kühe stehen im Stall und legen auch keine Pause ein. Die EU will nun erneut einschreiten und hat Hilfen versprochen.

Brüssel – Die Europäische Union schnürt ein neues Hilfspaket für ihre Bauern. Nach einem ersten Paket von 500 Millionen Euro im vergangenen September ist nun noch einmal der gleiche Betrag vorgesehen. In Deutschland sollen vor allem die Milchbauern profitieren.

Warum geht es den Bauern schlecht?

Auf dem Weltmarkt wird mehr Milch angeboten als nachgefragt. Das drückt die Preise, viele Bauern können ihre Kosten nicht mehr decken. Hinzu kommt der russische Importstopp für viele westliche Lebensmittel, der nicht nur den Milchbauern zu schaffen macht. Und: Nach mehr als drei Jahrzehnten hat sich die EU im vergangenen Jahr von der Milchquote verabschiedet, mit der sie die Produktion in Europa lange gedeckelt hat.

Wie ist die Lage der deutschen Landwirte?

Tausenden deutschen Milchbauern geht die Krise bedrohlich an die Existenz – sie machen seit Monaten Liter für Liter Verlust. Denn die 35 Cent, die zum Decken der Kosten meist mindestens nötig wären, kommen nicht mehr herein. Dabei gibt es zumindest erste Anzeichen einer leichten Entspannung. Infolge der geringeren Preise seien die Anlieferungen in wichtigen und großen Erzeugerregionen der EU zurückgegangen, heißt es beim Milchindustrieverband. „Auch eine leichte Markterholung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Krise noch lange nicht beendet ist“, mahnt aber der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter.

Was will die EU tun?

Sie will 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Davon sollen 150 Millionen direkt an Bauern gezahlt werden, die die Milchproduktion herunterfahren. Die übrigen 350 Millionen Euro sollen an die EU-Staaten gehen, die dann selbst entscheiden können, wie genau sie das Geld einsetzen. In jedem Fall soll es zur Beruhigung der Märkte dienen, sei es im Milchbereich oder etwa im ebenfalls kriselnden Schweinefleischsektor. Auf Deutschland entfallen dabei knapp 58 Millionen Euro sowie laut Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) noch einmal ein zweistelliger Millionenbetrag aus den 150 Millionen. Deutschland will das Geld aus beiden Bereichen im Wesentlichen zur Unterstützung der Milchbauern einsetzen.

Welche Krisenmaßnahmen werden in Deutschland noch diskutiert?

Neben den EU-Mitteln ringen Bund und Länder um ein nationales Paket. Die Bauern warten ungeduldig darauf, dass Agrarminister Schmidt das Rätsel um sein ominöses „X“ auflöst. Als Nothilfe hat er nämlich „100 Millionen Euro plus X“ in Aussicht gestellt. Die genaue Summe ist aber weiterhin ungewiss. Schmidt will die Länder finanziell einbinden – und braucht selbst noch grünes Licht von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Auf den Prüfstand sollen generell die Beziehungen mit Molkereien und Handel. Denn die Mengen müssten herunter, sind sich die Experten einig. Die große Frage ist nur, wie und wie schnell.

Wie geht es jetzt weiter?

Das ist die Frage. Die Probleme auf dem Milchmarkt sind strukturell, das Ende der Milchquoten und das Russland-Embargo für westliche Lebensmittel haben die Probleme verschärft. Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll freute sich, dass die EU erstmals seit Ende der Milchquote im April 2015 wieder „eine Maßnahme zur Mengenregulierung“ einführt. Der deutsche Minister Schmidt betont hingegen, dass es um „Soforthilfe“ geht. „Wer glaubt, dass mit (...) staatlichen Paketen die Milchmengensteuerung stattfinden kann, der überinterpretiert die Möglichkeiten“, sagte er.

Von Martina Herzog und Sascha Meyer

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