Junges Braupojekt Isarkindl

Neue Brauerei bringt Leben in "abwechslungsarme Bierkultur" Münchens

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Frischer Wind für die bayerische Bierkultur: Rainer Pieknik, Nina Bachmann, Simon Klur und Xaver Amler (v.l.n.r.) von der Brauerei Isarkindl.

Neuinterpretation traditioneller Bierstile und frischer Wind für die bayerische Bierkultur: Das ist das Ziel der jungen Brauerei Isarkindl. Wie die Umsetzung dabei genau aussieht, erklärt einer der Gründer von Isarkindl im Interview.

Das Projekt Isarkindl gibt es seit November 2014 und wurde von zwei Studenten ins Leben gerufen: Simon Klur und Xaver Amler studieren Brauwesen an der TUM in Weihenstephan. Mit der Teilnahme am Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel hat alles begonnen. Die Firma Isarkindl wurde dann im November 2015 gegründet, und kurz darauf folgte der offiziellen Markteintritt. Simon Klur im Interview:

Wie ist die Idee zu Ihrem Projekt entstanden?

Simon Klur: Mein Partner Xaver Amler hatte den Einfall, an dem Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel teilzunehmen. Und auch eine Idee hatte er schon: Ein Bier, das durch alternative Hefekulturen und nicht mit den klassischen unter- bzw. obergärigen Brauereihefen vergärt wird. Dort sind wir dann bis ins Finale gekommen, mussten uns allerdings dann aus technologischen Gründen von unserer Hefe verabschieden.

Ist es nicht schwierig, sich als neue Biermarke zu etablieren, bei all den Brauereien in Bayern?

Isarkindl ist ein junges Brauprojekt, das 2015 von vier StudentInnen aus München und Freising gegründet wurde.

Klur: Die Lage in München ist ja die, dass sich die Stadt gerne als Bierhauptstadt Deutschlands betitelt. Ob das bei sechs Großbrauereien, von denen fast alle zu riesigen internationalen Braukonzernen gehören, gerechtfertigt ist, muss man in Frage stellen. Darum tut es gerade München sehr gut, dass in der letzten Zeit junge kreative Brauer etwas Leben in die sehr abwechslungsarme Bierkultur bringen. So gesehen ist jetzt die perfekte Zeit um eine neue Biermarke an den Start zu bringen. Mit den großen Brauereien können und wollen wir uns nicht messen. Auf der anderen Seite ist es schwierig gegen die Preise dieser großen Brauereien anzukommen. Aber auch das können und wollen wir nicht. Gerade durch die Craftbeer-Bewegung ist das Bewusstsein für gutes Bier gestiegen und die Leute sind bereit, ein paar Euro mehr für das etwas andere Bier auszugeben.

Über welche Kanäle vertreiben Sie Ihr Bier?

Klur: Bisher haben wir das alles selbst gemacht. Ein- bis zweimal pro Woche sind wir mit einem Sprinter durch München und Freising gefahren und haben Getränkemärkte beliefert. Die Kontakte haben wir schon in den letzten eineinhalb Jahren geknüpft. So konnten wir sofort einige Kunden aufweisen. In Zukunft wird der Vertrieb allerdings einem Großhändler übergeben, der über ganz andere Dimensionen an Kontakten zu Getränkemärkten und Gastrobetrieben verfügt. Und wir haben dann wieder mehr Zeit für unsere eigentliche Aufgabe: Weiter an unseren Bieren zu feilen.

Sie schreiben auf Ihrer Website „Unser Ziel ist es durch bodenständige und dennoch zeitgemäße Neuinterpretationen traditioneller Bierstile frischen Wind in die bayerische Bierkultur zu bringen“ – wie sieht das in der Umsetzung konkret aus?

Klur: Wir bringen eben Geschmackskomponenten in die Bierstile zurück, die darin in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen sind. Beim Hellen sieht das konkret so aus, dass wir dem Bier eine leicht herbe Note verpassen und eine alten Aromahopfensorte (Hersbrucker) in sehr viel größeren Mengen einsetzen, als das bei den „Standardhellen“ in München der Fall ist. Dadurch können wir dem Bier einen ganz eigenen Charakter verleihen. Allerdings war uns auch eine gute Süffigkeit wichtig, darum haben wir es mit dem Hopfen auch nicht übertrieben.

Welche Biersorten bieten Sie in Ihrem Sortiment an?

Klur: Wir brauen ein Lager Hell und ein Spezialbier, das "Isarkindl Schmankerl". Das ist ein Variation eines Märzens, tief kupfernfarben, ausgewogen malzig, aber mit einer leicht blumigen Hopfennote. Ein modernes Märzen.

Lässt sich schon ein Erfolg Ihrer Brauerei verzeichnen?

Klur: Wir haben im vergangenen Monat immerhin über 15.000 Flaschen verkauft. Ohne Großhändler und in bisher nur ausgewählten Getränkemärkten, da wir sonst schon früh Lieferengpässe bekommen hätten. Also können wir mit dem Markteintritt auf jeden Fall sehr zufrieden sein. Auch das Feedback ist überwältigend, wir sind definitiv sehr überrascht gewesen, wie gut unsere Biere ankommen.

"Isarkindl Schmankerl" ist den Juni über auch das Bier des Monats im Schneiders Freising. Wie kam es dazu?

Klur: Xaver Amler wohnt in Freising und kennt auch die Betreiber vom Schneiders. Diese kamen auf ihn zu und haben angefragt, ob wir Lust hätten, unser Bier dort anzubieten. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Networking ist das A und O für ein junges Unternehmen. Wie lief es diesbezüglich auf dem Craft Bier Fest München in der Gaszählerwerkstatt am 3. Und 4. Juni? Wie waren Sie dort vertreten?

Klur: Ohne Neworking geht gar nichts. Glücklicherweise macht uns das auch viel Spaß. Mit Thomas Gierlich, dem Organisator des Craft Bier Fest München, haben wir uns schon vor längerer Zeit getroffen. Darum war schon lange klar, dass wir dort auch einen Stand haben werden. Das CBFM war auch ein voller Erfolg und hat wirklich sehr viel Freude gemacht. Vor allem, da wir neben einigen befreundeten jungen Brauprojekten standen. Da zum Team von Isarkindl ein sehr fitter BWLer, Rainer Pieknik, gehört, haben wir einen ziemlich schönen Stand mit einer großen gemütlichen Theke gehabt. Auch durch unser Erscheinungsbild, das von der Designerin im Team, Nina Bachmann, geprägt ist, fallen wir einfach auf. Gerade auf dieser Messe haben wir immer wieder gehört, wie stark unser Corporated Design ist. Das hören wir auch von älteren, schon etablierten Brauereien des Öfteren.

Braukunst ist ja etwas sehr Traditionelles. Wird Ihr Projekt denn überwiegend positiv aufgenommen? Oder gibt es auch Personen, die Ihre „Neuinterpretationen“ ablehnen?

Das Lager Hell und das Spezialbier Isarkindl, das "Schmankerl".

Klur: Definitiv wird das Isarkindl in Geschmack und Erscheinung fast durchwegs gut aufgenommen. Natürlich ist es unmöglich, ein Bier zu brauen, das wirklich jedem schmeckt. Aber das darf auch nicht der Anspruch sein. Wir freuen uns schon, dass es so einer breiten Masse schmeckt, aber wenn jemand sagt „meins ist das nicht“ ist das ja auch vollkommen legitim. Ich unterhalte mich gerne mit den Personen darüber, was genau sie stört, was ihnen besser schmecken würde, was für Bierstile sie grundsätzlich bevorzugen. Das ist für uns als Brauer wichtig: Feedback zu unserer Arbeit zu bekommen. Da gehört Kritik auf jeden Fall dazu. Ganz selten kommt es vor - insbesondere in den sozialen Medien -, dass wirklich eine ablehnende und unfreundliche Haltung hervorgebracht wird. Ein kleines Beispiel: Als das Schneiders bei Facebook bekannt gegeben hat, dass das "Isarkindl Schmankerl" Bier des Montats ist, lautete ein Kommentar darunter so in etwa „Ein stinknormales Helles, das wie alle Hellen ein bisschen nach nix schmeckt, dafür aber in einer kleinen Flasche verkauft wird.“ Da musste ich dann eher lachen. So eine Kritik kann ich dann ehrlich gesagt nicht ernst nehmen. Da würde ich auch nicht als Isarkindl darauf antworten.

Viel Erfolg für die Zukunft. Gibt es denn in absehbarer Zeit geplante Weiterentwicklung von Isarkindl?

Klur: Zunächst möchten wir uns wirklich auf die beiden aktuellen Sorten konzentrieren. Wir wollen ja auch eine gute Geschmackskonstanz halten können. Darum ist das Ziel über den Sommer konstant liefern zu können.

Danke für das Gespräch.

Interview: Simona Asam

Hier lernt die Bayerische Bierkönigin das Anzapfen

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