Daniela Sepp wagte den Neuanfang

Neustart als Macaron-Bäckerin: Die Lebens-Versüßerin

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„Mir konnte damals keiner helfen. Oft stand ich vorm Spiegel und habe geweint“, sagt Daniela Sepp über ihre Sportsucht.

München - Ein Burnout und eine psychische Krankheit beendeten vor drei Jahren Daniela Sepps Karriere als Immobilienmaklerin. Doch die 32-Jährige ließ sich nicht unterkriegen und wagte den Neuanfang, als Macaron-Bäckerin mit eigenem Laden.

„Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin“, steht in leuchtend roten Buchstaben an der Wand über der Sitzecke in Daniela Sepps Ladenlokal „Principessa’s“. Unter dem Schriftzug sitzen zwei Frauen und trinken Kaffee. Um sie herum Regale voller Kekse, handgemachtem Ingwersirup, Schokolade – und in einer Vitrine der ganze Stolz der Ladenbesitzerin: Macarons, gefüllte französische Baiser-Plätzchen, in allen Farben. Jeder, der den kleinen Laden hinterm Viktualienmarkt betritt, wird von Daniela Sepp mit der Frage begrüßt: „Wie kann ich Ihnen das Leben versüßen?“

Dass die 32-Jährige heute hier steht, hängt tatsächlich damit zusammen, dass Daniela vor rund drei Jahren alles hinschmiss. Denn lange kamen weder französische Baisers noch ein eigener Laden in ihren Zukunftsplänen vor.

Die gelernte Werbekauffrau arbeitete viele Jahre in der Immobilienbranche. Doch der Job tat ihr nicht gut. Stress und das Gefühl, zu ihren Kunden nicht ehrlich sein zu können, belasteten sie. Um mit dem Druck umzugehen, fing Daniela an Sport zu treiben – exzessiv. Bis zu 40 Kilometer lief sie jeden Tag und nahm rasant ab: Von 85 auf 39 Kilo. Bei 1,68 Meter Körpergröße massives Untergewicht. Fremde hielten sie in dieser Zeit oft für magersüchtig, obwohl sie auch damals regelmäßig aß.

Sie hängt ihren Job an den Nagel

Auch ihr selbst fehlte lange Zeit ein Begriff für ihr Leiden: „Ich wusste, etwas stimmte nicht, konnte aber nicht genau sagen, was. Sportsucht war mir damals als Krankheit nicht bekannt.“ Die Sucht und die psychischen Probleme isolierten sie zusehends. „Mir konnte damals keiner helfen, selbst mein Vater war am Ende seiner Kräfte. Oft stand ich vorm Spiegel und habe geweint.“

Irgendwann beschließt Daniela, dass sie so nicht weitermachen will. Sie hängt ihren Job an den Nagel und orientiert sich um. In welche Richtung der Neuanfang gehen soll, steht schnell fest: „Essen und Genuss waren immer meine Leidenschaft, da lag es nahe, etwas damit anzufangen.“

Sie lernte das Backen von einer Koryphäe

Sie beginnt mit einem kleinen Verkaufsauto, aus dem sie in der Schrannenhalle Frozen-Yogurt-Eis verkauft, und übernimmt letztendlich den Süßigkeitenladen am Radlsteg, den sie offiziell Principessa’s und inoffiziell ihr Schloss tauft.

Zur Spezialität des Ladens, den Macarons, kommt Daniela eher zufällig: Als sie auf einer Reise nach Frankreich das Feingebäck kennenlernt, entsteht der Wunsch, die farbenfrohen Süßigkeiten auch nach München zu holen. Doch das ist nicht so einfach: „Hier kannte Macarons zu der Zeit niemand. Es gab nur Tiefkühlware, aber die wollte ich nicht verkaufen.“ Also fährt sie nach Frankreich, immer wieder, und lernt die hohe Kunst des Macaronbackens nach Art des Patissiers Pierre Hermé – einer Koryphäe auf diesem Gebiet.

41 Sorten Macarons - vielleicht die besten in München

In Deutschland allerdings bringt ihr das neu erworbene Wissen zunächst wenig, denn ohne Konditorenausbildung darf sie ihre Backwaren nicht verkaufen. Doch Daniela bleibt hartnäckig und erwirkt eine Ausnahmegenehmigung. Die Handelskammer lässt sie ohne vorherige Ausbildung zur Prüfung antreten. Tagsüber steht sie in ihrem Laden, nachts bringt sie sich aus Büchern das Wissen für die Prüfung selber bei. Mit Erfolg: Sie besteht beim ersten Versuch.

Seitdem gibt es in Danielas Laden „die vielleicht besten Macarons Münchens“ – ein Kompliment ihrer Kunden, auf das sie stolz ist. Dazu Süßes und Kleinigkeiten aus ausgewählten regionalen Manufakturen. Bis zu 41 Macaron-Sorten backt Daniela in ihrer Stube in Laim für das „Principessa’s“, darunter auch Ausgefallenes wie Salzkaramell, Schokolade-Marshmallow oder grüner Smoothie.

Sie bietet auch Catering und Workshops an

Der Schritt zur Schlossherrschaft war keineswegs nur rosig. Sie habe ihn schon „oft bereut“, sagt die Ladenbesitzerin. Denn obwohl das „Principessa’s“ ziemlich zentral liegt, fehlt es in der ruhigen Seitenstraße an Laufkundschaft. Deshalb weitet Daniela ihr Geschäft auch ständig aus, bietet Catering für Privat- und Firmenveranstaltungen an und gibt ihr Wissen über die französischen Baiserplätzchen in Back-Workshops weiter. Auch ein Buch hat sie herausgegeben „Macarons de luxe“ erschien vergangenes Jahr.

Trotz aller Widrigkeiten: Den Schritt, alles hinzuschmeißen und Prinzessin zu werden, würde sie immer wieder gehen, sagt Daniela Sepp. „Viele Leute, die einmal hier waren, kommen immer wieder und wenn man sie strahlen sieht, ist das das Allerschönste.“ Sollte ihr das doch einmal entfallen, hängt zur Sicherheit ein Plakat mit einem zweiten Motto hinter der Theke des Schlosses. „Ruhe bewahren und weiter machen“, steht darauf.

Das Principessa’s befindet sich zwischen Isartor und Marienplatz am Radlsteg 2.

Das Ladenlokal ist Dienstag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr und Samstag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Informationen zu den Workshops und ein Link zu Principessas Onlineshop im Internet: www.principessas.de

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