Gemeinsames Kochen verbindet

Rezepte für Frieden und Integration

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Gäbe es für die Lösung des Syrien-Kriegs oder die Flüchtlingskrise ein Rezept, Malakeh Jazmati würde sich die Zutaten sofort besorgen und kochen. Die 27-jährige Syrerin gelangte erst vor drei Monaten über Jordanien nach Deutschland.

In Damaskus hatte sie eine eigene Fernsehkochshow, doch als sie sich gegen Präsident Baschar al-Assad stellte, musste sie das Land verlassen. In Berlin wurde die Flüchtlingsinitiative "Über den Tellerrand kochen" auf Malakeh aufmerksam, die Flüchtlinge und Deutsche bei Kochkursen zusammenbringt.

Sonntagabend in einem geschmackvoll eingerichteten Ladenlokal in Berlin-Schöneberg: Wo sonst auch Vorträge oder Kurse stattfinden, sind an diesem Abend eine lange Tafel für 16 Gäste und eine mobile Kochinsel aufgestellt. Malakeh zeigt ihren Kochschülern, wie Auberginen richtig tranchiert werden und was in ein "weißes Taboulé" gehört. Ihr Mann Mohammad Alghamian - "mein Assistent" - zerlegt währenddessen Hähnchenfleisch für den Hauptgang: Frekeh aus grünem Weizen, Pilzen und verschiedenen Gewürzen.

Zu ihren ersten deutschen Worten habe die Frage "Mit Fleisch - ohne Fleisch?" gehört, sagt Malakeh und lacht. Auch "vegan" habe sie in Deutschland zum ersten Mal gehört. Die lebenslustige junge Frau lacht viel an diesem Abend - es ist ein ansteckendes Lachen. Gemeinsam essen, reden, lachen - ein einfaches Rezept für Integration. Die meisten Teilnehmer kommen aus Berlin und Umland, die meisten von ihnen junge Paare. "Wir haben den Abend zum Valentinstag geschenkt bekommen", sagen Beate und Klaus Welsch aus Hennigsdorf.

Die bestechend einfache Idee, über gemeinsames Kochen Menschen verschiedener Kulturen zusammenzubringen, hatten Studenten. Ende 2013 gründeten sie die Initiative. Bald veröffentlichten sie das erste Kochbuch, das dritte kommt bald in die Regale. Inzwischen wird jede Woche gekocht. In 20 anderen Städten entstanden bereits Ableger, auch im Ausland. "Wir hatten mehr als 50 Anfragen", sagt Mathias Sauter, gelernter Koch und einer von vielen Ehrenamtlichen des Vereins. Bei der Berlinale kochen Flüchtlinge in einem Imbissbus der Initiative für die Kinogänger. In Syrien war Malakeh "Die Kochkönigin" - so hieß ihre TV-Show. "Malakeh bedeutet Königin", erklärt sie. Beim Kochen mit Prominenten redete sie über Gott und die Welt, als es in Syrien noch völlig egal gewesen sei, ob einer Schiit, Sunnit oder Christ war, sagt die ehemalige Politikstudentin.

In Berlin hat sie mit dem 34-jährigen Mohammad einen Cateringservice gegründet: Das Levanthe Gourmet Team. Mohammad war bereits 2014 über Griechenland nach Deutschland gelangt. Malakeh konnte er dann über die Familienzusammenführung nachholen. Nun träumt Mohammad von einem kleinen syrischen Restaurant. In Damaskus hatte er einen Orientwarenladen. Als er mit Freunden Kriegsopfern in Madaja und anderen Städten half, waren sie ins Visier des Geheimdienstes geraten. "Drei Freunde wurden im berüchtigten Gefängnis von Sednaja zu Tode gefoltert", ein vierter sei in der Haft verrückt geworden.

Der Schrecken des Krieges sitzt an diesem stimmungsvollen Abend mit am Tisch, an dem auch Amer Daoud und seine Ex-Frau Ragda Hasan Platz nehmen. Über sie gibt es den Dokumentarfilm "A Syrian Love Story" des britischen Regisseurs Sean McAllister. Fünf Jahre hat McAllister Amer und Raghda in Syrien, auf ihrer Flucht, in Paris begleitet, gefilmt, wie ihre Träume zerbrachen. "Syrische Menschen haben niemals davon geträumt, Flüchtlinge zu werden", sagt Amer. Auch für Malakeh war Deutschland nie das Traumziel. Sobald es gehe, wolle sie "unbedingt zurück nach Syrien", sagt die junge Frau.

afp

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