Interview

Startup liefert Grillfleisch via App direkt nach Hause

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Lars Tinapp und Florian Stocker, die Gründer des Startups "Jäger und Sammler".

Ein junges Startup aus München möchte das Metzgerhandwerk wiederbeleben und die Menschen für Freiland-Bio-Fleisch begeistern. Die Idee: eine App, mit der man sich sein Grillfleisch direkt nach Hause liefern lassen kann.

Die Grillsaison hat begonnen. Ein spontaner Grillabend kann aber oftmals schon daran scheitern, dass der Supermarkt bereits kein Grillfleisch mehr im Sortiment hat, weil alles schon ausverkauft ist.

Das Startup mit dem Namen "Jäger und Sammler" kam da auf eine Idee: Grillfleisch via App bestellen und bequem zuhause auf die Lieferung warten. Das Ganze gibt's dann auch noch in Freiland-Bio-Qualität. Der Familienbetrieb wurde von Florian Stocker und Lars Tinapp ins Leben gerufen. 

Das junge Startup im Interview:

Herr Tinapp, seit wann gibt es denn Ihren Fleischlieferdienst?

Lars Tinapp: Offiziell gibt es "Jäger und Sammler" seit Sommer letzten Jahres. Allerdings haben mein Partner Florian Stocker und ich am Anfang zuerst ein Pilotprojekt gestartet. Wir wollten bewusst das Feedback unserer ersten Kunden mitberücksichtigen. Mit diesem Feedback haben wir dann nochmal nachjustiert und sind jetzt mit der Grillsaison dieses Jahr startbereit.

Fleisch per App für zuhause – klingt ungewöhnlich. Was war die Idee dahinter und wie kamen sie dazu?

Tinapp: Florian Stocker und ich kennen uns seit 20 Jahren. Er ist gelernter Metzgermeister, und ich komme aus der IT-Branche. Bei einem gemeinsamen Urlaub kam uns die Idee, die Metzgerei in das moderne Zeitalter zu überführen. Wir wollen unseren Kunden sehr gutes Fleisch, das durch einen Metzger veredelt wurde, auf einem einfachen Weg zugänglich zu machen. Das haben wir durch App und Website umgesetzt. Das Fleisch stammt aus artgerechter Freilandhaltung. Während die konventionelle Tierhaltung Kühen nur 2,7 Quadratmeter einräumt, hat eine Kuh von unseren Lieferanten an die 200 Quadratmeter Platz. Und diesen Unterschied wollen wir den Münchner Kunden anbieten.

Gibt es auch einen Laden, wo man einkaufen kann, oder geht das wirklich nur über Bestellungen?

Tinapp: Florian Stocker kommt aus einer Metzgerfamilie mit mehr als 100 Jahren Erfahrung in der Ausübung des Metzger-Handwerks. Die Metzgerei Stocker im Südosten von München vertritt ähnliche Ideale, aber wir haben uns bewusst dazu entschlossen, mit einem neuen Namen den modernen Metzger zu gründen. Kurzum, Sie bekommen an Freiland-Bio-Fleisch ein ähnliches Angebot bei der Metzgerei Stocker, das neue Konzept gibt es nur bei "Jäger und Sammler".

Und Ihre Produkte sind wirklich rundum Bio?

Tinapp: Das ist unser Maßstab. Wir wollen mit Qualität und Vertrauen überzeugen. Da ist Bio eine Grundvoraussetzung. Und wir legen mit artgerechter Freilandhaltung die Bio-Messlatte nochmal höher. Unser Credo lautet: Fair zum Tier. Fair zum Bauern. Fair zum Metzger. Was am Ende auch bedeutet: Fair zum Kunden.

Woher beziehen Sie das Fleisch?

Tinapp: Rind und Schwein beziehen wir von Sonnberg Biofleisch aus Österreich. Bei diesem Betrieb konnten wir uns bei einem persönlichen Besuch von der artgerechten Tierhaltung überzeugen. In Österreich ist man sowohl von der Bio-Landwirtschaft als auch von artgerechter Tierhaltung uns in Deutschland ein Stück voraus. Unser Freiland-Huhn stammt aus Fahrenzhausen bei München.

Wie groß ist Ihr Liefergebiet?

Tinapp: Wir beliefern ganz München und einzelne Vororte im Südosten von München. Über die Eingabe der Postleitzahl auf der Website beziehungsweise der App kann man nachschauen, ob man bereits beliefert werden kann.

Wie groß ist Ihr Team – abgesehen von Ihnen und Florian Stocker?

Tinapp: Das bisherige Team sind wirklich nur wir beide. Sollte es bald einen größeren Ansturm geben, dann können wir auf viele begeisterte Freunde zurückgreifen, die wir uns mit gratis Fleisch-Lieferungen als Auslieferer warm gehalten haben. Wir würden dann aber natürlich auch neue Mitarbeiter einstellen. Alles folgt dem Startup-Gedanken.

Ihr Angebot – gibt es da eine Empfehlung Ihrerseits?

Tinapp: Empfehlungen gibt es sogar mehrere. Das Freiland-Schweinefleisch ist geschmacklich im Vergleich zu handelsüblichen Fleisch ein Unterschied wie Tag und Nacht. Außerdem gibt es Spezialstücke wie das Onglet. Ein sehr intensiver Geschmack vom Rind mit gleichzeitig unglaublicher Zartheit. Das Onglet erhält man beispielsweise nur durch die Schnitttechnik vom Metzger, und es war ursprünglich ein Stück, das der Metzger sich selber vorbehalten hat.

Wie sind Ihre Lieferzeiten?

Tinapp: Aktuell unter der Woche von 18 bis 21 Uhr. Die gewünschte Lieferzeit können Sie in einstündigen Zeitfenstern genauer eingrenzen. Am Wochenende mittags von 11 bis 14 Uhr und von 18 bis 21 Uhr. Man kann als Kunde noch eine Stunde vor Lieferbeginn seine Bestellung tätigen. Danach wird alles zugeschnitten und persönlich geliefert.

Kann man bei Ihnen auch richtig große Bestellungen tätigen, für Firmenfeste oder Geburtstage?

Tinapp: Wir beliefern aktuell schon enge Partner-Restaurants wie das Upper Eat Side oder das Katopazzo. Das heißt, wir sind auch auf Großbestellungen eingestellt und haben für Unternehmenskunden nochmal eigene Preise und Konditionen.

Und das Catering wäre dann mit dabei?

Tinapp: Wir haben bis jetzt noch nicht die Anfrage gehabt, sind da aber offen für alles.

Was sind denn weitere Besonderheiten an Ihrem Konzept?

Tinapp: Bei jedem Stück Fleisch, das unser Kunde bestellt, erhält er es als "Jäger und Sammler"-Set. Das besteht aus auf das Fleisch abgestimmten Gewürzen, Bergkernsalz und Butterschmalz, zum Anbraten. Außerdem legen wir zu der ökologischen Verpackung auch noch eine Rezeptkarte für das optimale Gelingen des Fleisches bei. Das Gesamtpaket liefert dann ein Lieferant im Outfit eines traditionellen Metzgers von "Jäger und Sammler". Der Metzger kommt also direkt an die eigene Haustür.

Danke für das Gespräch.

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