Was nun aus den Restaurants wird

Zoff um zwölf Filialen: Das sagen "Hans im Glück" und Betreiber

Hans im Glück"-Filiale in München. Vom Knatsch betroffen
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Eine "Hans im Glück"-Filiale in München. Vom Knatsch betroffen sind lediglich Restaurants im Norden.

München - Spektakuläre Trennung bei "Hans im Glück". Die Münchner Burger-Kette und ein Franchise-Nehmer, der zwölf Restaurants betrieben hat, beenden ihre Zusammenarbeit.

Eigentlich schien es immer nur nach oben zu gehen für "Hans im Glück": Eine neue Filiale nach der nächsten tauchte nicht nur in München auf, sondern in ganz Deutschland. Die Nachfrage nach dem etwas gehobeneren Fast Food in den Dutzenden Häusern war enorm. Dafür arbeitet das Münchner Unternehmen auch mit Partnern zusammen, die unter dem "Hans im Glück"-Logo Filialen betreiben, ähnlich wie etwa "Burger King".

Doch jetzt ziehen dunkle Wolken am Burger-Himmel auf. Am Freitag ließ die Münchner "Hans im Glück Franchise GmbH" über ihre PR-Agentur eine Pressemitteilung verschicken. Der Betreff klingt noch recht harmlos: "Hans im Glück Franchise GmbH trennt sich von Patrick Junge". Doch die Personalie birgt richtig Zündstoff.

Denn bei Junge handelt es sich um den Geschäftsführer der Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH. Er betrieb als Franchise-Nehmer ganze zwölf Filialen unter dem "Hans im Glück"-Namen: drei in Berlin, zwei in Hamburg sowie je eine in Binz, Bremen, Flensburg, Lübeck, Oldenburg, Osnabrück und Potsdam.

"Hans im Glück" wirft Partner Paniceus "Alleingänge" vor

Hinter den Kulissen gab es offenbar heftigen Zwist. In der "Hans im Glück"-Mitteilung heißt es, die Unternehmensführung "sah sich aufgrund zahlreicher Alleingänge und Abweichungen vom erfolgreichen Franchisekonzept durch Patrick Junge zu diesem Schritt gezwungen".

Starker Tobak. Und es wird noch besser: Eine Einigung über die Übernahme der zwölf Grills sei nicht erzielt worden. "Die Hans im Glück Franchise GmbH wird die Expansion in Norddeutschland zukünftig selbst vorantreiben", heißt es weiter.

Franchise-Nehmer Paniceus spricht von "endgültiger Erfüllungsverweigerung"

Am Nachmittag zog dann die Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH mit einer eigenen Pressemitteilung nach. Demnach gehe die Trennung von Paniceus aus, die "Hans im Glück" wiederum Vorwürfe macht: "Die Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH kann bestätigen, die Verträge mit ihrem bisherigen Systempartner 'Hans im Glück' wegen ernsthafter und endgültiger Erfüllungsverweigerung des Systempartners zum 31.3.2016 gekündigt zu haben", heißt es in der Mitteilung.

Beide Seiten machen sich gegenseitig Vorwürfe. Franchise-Nehmer Paniceus spricht von besagter "endgültiger Erfüllungsverweigerung des Systempartners". Und "Hans im Glück" führt aus: "Ein Franchise-System ist auf Dauer nur erfolgreich, wenn es dank eines gemeinsamen Angebotes und eines einheitlichen Auftritts zu einer starken Marke wird. Dazu gibt der Franchisegeber, in diesem Falle der Gründer von 'Hans im Glück', Thomas Hirschberger, verpflichtende Systemvorgaben und Spielregeln vor. Dafür haben uns die Franchisepartner ihr Vertrauen geschenkt, nicht zuletzt auch, weil sie dank dieser Regeln alle gemeinsam Erfolg haben. Wer sich dagegen nicht an diese Vorgaben hält, ist fehl am Platz und gefährdet den Erfolg."

"Hans im Glück" behauptet: Es gab Beschwerden anderer Franchise-Nehmer

Wie "Hans im Glück" in der Stellungnahme behauptet, habe es sogar Beschwerden anderer Franchise-Nehmer gegeben, "dass Herr Junge die essentiellen Richtlinien von 'Hans im Glück' im Gegensatz zum restlichen Team nicht umsetzt." Weiter heißt es: "Aufgrund von Verstößen gegen die geltenden vertraglichen Bestimmungen wurde die Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH in den vergangenen anderthalb Jahren mehrfach von der Hans im Glück Franchise GmbH abgemahnt. Die jüngste Abmahnung erfolgte Ende Juli 2015."

Die Pressestelle von "Hans im Glück" geht noch ins Detail: "Die Abweichungen von den Vereinbarungen zeigten sich insbesondere in mit der Franchisegeberin nicht abgestimmten Marketing- und Werbemaßnahmen sowie einer nicht abgestimmten Nutzung der Marke Hans im Glück, ebenso wie in einem wiederholt nicht abgestimmten Produktangebot."

Paniceus will Restaurants unter neuem Namen fortführen - und expandieren

Paniceus erklärt, die Restaurants ab April weiterzuführen - mit Burgern auf der Karte, aber unter neuem Namen. "Alle Arbeitsplätze im Unternehmen bleiben erhalten, Verträge mit Lieferanten und Vermietern werden erfüllt", so die Mitteilung weiter. "Hans im Glück" hatte sich eigenen Angaben darum bemüht, die Restaurants zu übernehmen, ist aber damit abgeblitzt. Heißt: Es wird in den alten Räumlichkeiten weiterhin Fast Food geben, auch ab April. Aber eben nicht mehr unter dem "Hans im Glück"-Logo. Und betrieben vom bisherigen "Hans im Glück"-Franchise-Nehmer Paniceus.

Zur Steuerung der Restaurants an alter Stelle unter neuem Namen kündigt Paniceus eine "eigene Systemzentrale mit 20 Mitarbeitern" an, die die Burger-Grills mit dem vorhandenen Team steuern werde. "Wir werden unseren Gästen auch im neuen Jahr neben anderen Speisen hochwertige Burger und erstklassige Cocktails anbieten", verspricht Paniceus-Geschäftsführer Junge, der zudem betont, dass der Betrieb unter altem Namen bis Anfang März 2016 uneingeschränkt fortgeführt werde.

Dann kommt es zum Neustart unter anderem Namen. "Unsere Gäste können sich auf eine reichhaltige Karte mit vielen kreativen Burger-Kreationen in absoluter Spitzenqualität freuen", kündigt Junge an.

Zudem will er expandieren und vielleicht sogar dem bisherigen Partner "Hans im Glück" größere Konkurrenz machen. "Wir wollen zunächst unser Angebot im Norden verdichten, haben aber durchaus auch eine Expansion in erstklassige Lagen im ganzen Bundesgebiet im Auge."

Aus Partnern werden offenbar mehr und mehr Konkurrenten ...

lin

Armin T. Linder

Armin T. Linder

E-Mail:armin.linder@tz.de

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