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Heinz Strunk: Auf den Spuren eines Mörders

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Heinz Strunk.

München - Im Goldenen Handschuh auf dem Hamburger Kiez war in den 70ern der Frauenmörder Fritz Honka Stammgast. Heinz Strunk (53) hat ein grandioses Buch über den Serienmörder geschrieben. Unser Interview:

Herr Strunk, Sie waren als teilnehmender Beobachter einige Abende im Goldenen Handschuh. Wie viele Fanta-Korn sind bei Ihrer Recherche geflossen?

Heinz Strunk: Recherche – wie das klingt … Ich war im Handschuh als normaler Gast – mit Anzug und Notizblock hätte ich mich der Lächerlichkeit preisgegeben. Obwohl Fako nicht so schlecht schmeckt, wie man meinen mag, halte ich mich an Bier und Kümmerling.

Was sind dort für Gäste?

Strunk: Am Wochenende mischen sich die Stammgäste mit Partygängern und Touris. Wer aber an einem Dienstag um 13 Uhr vorbeischaut, der trifft die Menschen aus meinem Roman, die Verschimmelten und die Tripperschicksen. Mich hat’s gefreut, dass der Ex-Chef vom Handschuh mir gesagt hat, dass es zu Honkas Zeiten genau so war, wie ich es geschrieben habe.

Warum haben Sie sich einen Frauenmörder ausgesucht?

Strunk: Weil ich selbst ab und an im Handschuh bin, wurde mir das Thema auf dem Silbertablett serviert. Ich wusste, dass ich dieses Buch machen muss. Es ist meine Chance, dem literarischen Kanon etwas Relevantes hinzuzufügen.

Hat es Spaß gemacht, über die alkoholschwangeren Sexszenen und die Morde zu schreiben?

Strunk: Es war eine große Tüftelei, den Leser im Grauen nicht überzustrapazieren. Deshalb handelt der B-Plot auch von einer reichen Reederei-Familie. Ich stelle dar, dass es in anderen Milieus auch großes Elend und Verkommenheit gibt.

Sie haben Ihrem neuen Buch Zitate des Kindermörders Jürgen Bartsch (1946 – 1976) vorangestellt …

Strunk: … der ein echter Sexualmörder war und seine Taten mit Vorsatz verübt hat. Fritz Honka ist da zufällig reingerasselt, seine Morde waren Situationstaten. Ich konnte nicht über Bartsch schreiben, weil ich keine Möglichkeit gesehen habe, humorvoll zu sein.

Das gelingt Ihnen hier in absurden Dialogen.

Strunk: Was schwere Alkoholiker sagen, ist ein Monolog, ein Gebrabbel, völlig bizarr. Eine Komik, die einer womöglich nicht sieht, der RTL-Comedyschranzen als Maßstab hat.

Als Nominierter für den Leipziger Buchpreis wurden Sie als „Comedian“ bezeichnet.

Strunk: Das trifft mich sehr. Mein Schwager hat mich in seinem Architekturbüro mal als Kunst- und Kulturschaffenden vorgestellt. Das gefiel mir gut. Ich füge hinzu: mit Schwerpunkt Humor aus Hamburg.
Heinz Strunk liest am Mittwoch in den Kammerspielen aus „Der goldene Handschuh“, Eintritt 15 Euro. 

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