Bestseller-Autorin in „Neuland“ beschreibt

Ildikó von Kürthy: "Blond sein ist wie oben ohne"

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Gemütliches Chaos in der Garderobe des Lustspielhauses. Blond ist Ildikó von Kürthy auf der Bühne nur noch mit Perücke. Aber das maßgeschneiderte Kleid, das sie als echte Blondine trug, sitzt noch perfekt.

München - Die tz traf Ildikó von Kürthy während ihrer Lesetour im Lustspielhaus und sprach mit der ihr über Ausflüge in andere Welten und die lustigen Folgen, die nicht immer gut ankamen.

Wenn Bestseller -Autorin Ildikó von Kürthy etwas macht, dann auch richtig. In der Mitte ihres Lebens entschied die gebürtige Aachenerin, noch mal vieles umzukrempeln und veränderte dabei nicht nur ihr Äußeres, indem sie sieben Kilo abnahm und sich die Haare färbte, sondern auch ihr Inneres, denn Meditation ist jetzt ein fester Bestandteil ihres Lebens. In Neuland. Wie ich mich selber suchte und jemand ganz anderen fand beschreibt sie ihren eigenen Weg auf der Suche nach ihrer Mitte. Normalerweise hadern nur ihre Titelheldinnen mit sich selbst, wie etwa in ihrem Bestseller Mondscheintarif von 1999, doch plötzlich fragte sich die Hamburgerin: „Soll das alles gewesen sein?“ und stürzte sich in die witzigsten Abenteuer, wie etwa als glattgebügelte Blondine zu leben. Die tz traf sie während ihrer Lesetour im Lustpielhaus und sprach mit der ihr über Ausflüge in andere Welten und die lustigen Folgen, die nicht immer gut ankamen.

Im Buch heißt es, Sie haben sich vor den Spiegel gestellt und reflektiert, dass das jetzt die Mitte des Lebens ist. Wann ist das für Sie?

Ildikó von Kürthy: Ich bin gerade 48 geworden. Aber was heißt Mitte des Lebens, wer weiß das schon? Es ist in jedem Fall ein Wendepunkt, der sich daraus ergibt, dass man mit Ende 40 viele Themen auf der Lebens-To-do-Liste abgehakt hat. Die Ausbildung ist gemacht, der Mann im Zweifelsfall gefunden, einen Beruf hat man schon länger und oft auch Kinder. Als Mutter wirst du langsam immer weniger gebraucht und fragst dich: Geht das jetzt immer so weiter bis zum Schluss oder kommt da noch was?

Und Sie haben ja dann ungefähr alles verändert?

Ildikó von Kürthy: Ja, weil ich diese Unzufriedenheit spürte in einer Phase des Lebens, wo man doch eigentlich zufrieden sein sollte. Ich hatte Sehnsucht – aber wonach? Manche Frauen mobilisieren dann ihre letzten Eizellen, kriegen noch hastig ein Kind mit einem dahergelaufenen Eisverkäufer (lacht). Oder man sucht sich selbst durch Meditation, geht ins Schweigekloster, manche verlassen ihre Männer, wandern aus oder verändern sich äußerlich. Ich habe versucht, eine Mischung aus allem zu schaffen, Experimente zu machen, die zu mir passen.

Wie auch die Verwandlung zur Blondine?

Ildikó von Kürthy: Der Ausflug in das Land der Blondinen war erheblich ungemütlicher, als ich dachte.

Wieso?

Ildikó von Kürthy: Die Haarverlängerungen kamen aus Brasilien, dann streikte die Deutsche Post. Meine eigenen Haare wurden erst mal nicht blond, sondern orange – gleichzeitig hatte ich mir Botox spritzen lassen. Was etwas schiefging, weil ich aussah wie ein Preisboxer mit blauem Auge und blauer Lippe. Alles in allem kein schöner Anblick. Ich konnte das Haus nicht verlassen, während zeitgleich mein Friseur im Postamt einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen erlitt, bis die Haarteile kamen und meine Verwandlung zur Super-Blondine endlich gelang.

Wie hat Ihre Familie reagiert?

Ildikó von Kürthy: Mein Sohn hat gesagt: Papa, kannst du mir eine neue Mama kaufen? Mein Mann hat tapfer durchgehalten. Also die waren nicht begeistert. Aber ich muss schon sagen, wenn ich richtig aufwendig zurecht gemacht war, sah ich spitze aus. Aber nur wenn der Friseur mich anderthalb Stunden geföhnt hat. Lange, falsche Haare sind so pflegeaufwendig wie ein Haustier.

Wie hat die restliche Umwelt reagiert?

Ildikó von Kürthy: Das war teilweise irritierend, weil ich aussah wie eine Frau, die ganz dringend gefallen will. Aufwendige Frisur, glatt gespritzt und schlank – ich hab damals sieben Kilo abgenommen – und dann im orangefarbenen Maßkleid. Das war mir etwas peinlich, denn ich bin so nicht. Blond sein ist wie oben ohne rum zulaufen.

Gut oder schlecht?

Ildikó von Kürthy: Es gab sehr viel Aufmerksamkeit von Männern und kleinen Mädchen. Aber ich muss sagen, die Menschen denen ich gefallen will, haben mich kein zweites Mal angeschaut und in eine Schublade gesteckt. Axel Milberg, den ich schon lange kenne, musste ich unsanft schütteln, damit er mich beachtet. Woraufhin er entgegnete: „Du hast eine Stirn, hinter der man nichts vermutet.“ Sechs Wochen habe ich es mit der Blondine ausgehalten. Dann habe ich mich „repigmentieren“ lassen.

Aber es gibt schon Dinge, die Sie in dieser Zeit inspiriert haben?

Ildikó von Kürthy: Natürlich! Meditieren zum Beispiel. Ich dachte erst, das würden nur so Müsli-Elsen machen. Ein blödes Vorurteil. Ich bin begeistert, wie mich das innerlich stabiler und gelassener macht. Heute meditiere ich unter der Woche morgens jeden Tag. Nur am Wochenende ist frei – da kuschele ich morgens mit der Familie im Bett.

Welche anderen Veränderungen haben Sie noch weitergebracht?

Ildikó von Kürthy: Ich habe leider gemerkt, wie gut es tut, keinen Alkohol zu trinken. In Phasen großer Anstrengung, wie etwa jetzt während meiner Lesereise, trinke ich nichts. Sobald das vorbei ist, bin ich die Erste die hoch die Tassen ruft (lacht).

Welches Fazit können Sie aus allen Erfahrungen ziehen?

Ildikó von Kürthy: Zwischen Entspannung und Aufbruch findet das gute Leben statt. Du musst mutig sein, immer wieder – denn danach ist es ganz besonders gemütlich auf dem Sofa.

Interview: Sandra Brockötter

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