Kabarettist besucht die tz

Jonas blickt durch: Interview auf der Redaktions-Baustelle

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Hat auf jedem Terrain seinen Spaß. Kabarettist Bruno Jonas albert auf der Großbaustelle der tz.

München - Bruno Jonas macht die Baustelle in der tz-Redaktion unsicher! Während der Arbeiten in den Räumen lässt es sich der Kabarettist nicht nehmen, auf ein Interview vorbeizuschauen.

Kabarettist Bruno Jonas (63) beweist Durchblick und Balance. Er lässt sich grad von Walter Gibowsky, unserem Hausschreiner, herumschieben. Was beide und die übrigen Aktionen eint? Jonas besuchte uns in der tz-Redaktion, die derzeit eine Baustelle ist - wir werden runderneuert! Und in Jonas‘ jüngstem Buch geht‘s um (politische) Baustellen bis hin zum Totalschaden. Fürs Interview packt er den Hirnhammer aus.

Jonas, das Sprachrohr

„Allzu wichtig sollte man sich nicht nehmen, aber eine gewisse Relevanz zu sich selbst und dem, was man sagt und tut, hat man natürlich schon. Kabarett ohne komödiantisches Element macht aber auch keinen Spaß. Dann ist‘s Soziologie oder Predigt. Da stimmt zwar alles, aber es ist nicht unterhaltsam. Ich arbeite an der Ironisierung des Abendlandes. Ironie in der Zeitung - darf man nicht, gell? Vielleicht werde ich deshalb so wenig verstanden.“

Jonas, der Überblicker

Jonas (r.) mit Redakteur Matthias Bieber.

„Ich mag gerne die Beobachterposition von oben. Man hat den Überblick und wird gleichzeitig kaum gesehen. Allerdings kann man von oben leichter abstürzen. Wichtig ist, dabei stets sanft zu landen. Jeder will, dass es aufwärts geht. Aber wichtig ist zu sehen, wie weit man schon oben steht. Wir Deutsche starten auf einem sehr hohen Level. So viel aufwärts kann es gar nicht gehen. Ich liebe es, mit dem Skilift hochzufahren. Ganz oben gibt es aber nur noch eine Richtung. Oben pfeift ohnehin der Wind. Wichtig ist, dass man heil und gesund im Tal ankommt. Und Spaß auf der Abfahrt hat.“

Jonas, der Anschieber

„Ich schiebe lieber hin und her und nicht an. Es gibt schwere und ganz leichte Sachen zum Herumschieben. Im Kopf hingegen arbeite ich linear. Und überdies noch nicht digital, auch wenn mein Kopf immer mehr zur Benutzeroberfläche mutiert. Was ich nicht mag, ich fahre schließlich auch gern selbst Auto und setz mich nicht nur ans Steuer und werde gefahren. Wie in der Zukunft. Mein Gegenmittel gegen die drohende Benutzeroberfläche meines Hirns: ein Weißbier. Der Körper verlangt schließlich nach Sinnlichkeit.“

Jonas, der Wegflexer

„Plastik an sich würde ich wegflexen. Die Fische nehmen mittlerweile Plastik auf, das lagert sich ab - und wir übernehmen es. Ich würde in einer Rückrufaktion das ganze Plastik aus den Fischstäbchen flexen. Ich weiß aber nicht, wo die Fischstäbchen schwimmen.“

Jonas, der Feuerlöscher

Jonas packt mit an.

„Mit Sprache kann man zündeln. Man muss ja so furchtbar aufpassen, was man sagt. Ich bin mittlerweile ein freilaufendes Gänsefüßchen. Ich setze alles in Gänsefüßchen. Das zeigt nämlich an, dass man das Thema reflektiert und eine distanzierte Betrachtungsweise eingenommen hat. Darf man eigentlich noch ‚Flüchtlinge‘ sagen? Ich glaub nicht, oder? Das mit den ‚inge‘ geht nicht mehr. Ich habe ‚Flüchtl‘ vorgeschlagen. Wurde aber abgelehnt. Oder ‘Mittlerer R …‘ oder ‚Traur …‘. ‘Nachbar‘ ist auch so ein Wort, das laut einigen Intellektuellen nach der Beleidigung Boatengs durch AfD-Gauland radikalisiert worden ist. Ein negativ besetztes Wort. Ich plädiere für das Wort ‘Wohner‘. Das klingt nach Offenheit und ist neutral. Man muss ganz einfach viel mehr an der deutschen Sprache arbeiten.“

Jonas, der Handwerker

„Bevor man mit dem Schreiben - oder Werkeln - anfängt, muss man überlegen: Welches Instrument nehme ich zur Hand? Ich kann nicht dicke Gitter mit der Nagelfeile bearbeiten. Kann man schon, dauert aber viel zu lange. Ich bevorzuge in der Regel schweres Gerät. Je schwerer es ist, desto höher ist allerdings die Verletzungsgefahr. Deswegen lasse ich machen. Ich bin eher der Controller. Es gibt Aktivisten und Antreiber. Ich gehöre zu den Letzteren. Der Leser versteht schon, dass das ironisch gemeint ist, oder?“

Interview: Matthias Bieber

Das Buch: Bruno Jonas: „Totalschaden - Die neuesten Unfälle aus Politik, Gesellschaft und Kultur“. Piper-Verlag, 304 Seiten, 20 Euro. Jetzt im Handel.

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