Neues Stück und Babyglück

Kabarettistin Hakenberg: "Frauen auf der Bühne sind zu nett"

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Sarah Hakenberg

München - Zwei große Projekte beschäftigen derzeit die Kabarettistin Sarah Hakenberg (37): Die tz traf sie zum großen Interview.

Am 12. März feiert sie mit Nur Mut! im Lustspielhaus Premiere, und kaum vier Wochen später soll ihr Sohn zur Welt kommen. Als hätte es die Jury des deutschen Kabarettpreises geahnt, hat sie Hakenberg kürzlich den Förderpreis verliehen. Unser Gespräch:

Frau Hakenberg, vier Wochen vor der Geburt Ihres Kindes eine Premiere – das klingt mutig …

Sarah Hakenberg: Na, ich hoffe, die Premiere findet noch vor der Geburt statt! Es kann natürlich auch zu einer Sturzgeburt auf der Bühne kommen. Und wahrscheinlich werden alle die ganze Zeit auf meinen Bauch starren. Der Termin für die Premiere und die Vorpre­mieren steht schon seit über einem Jahr, auch die Herbsttermine waren schon fix. Das jetzt alles umzuschmeißen wäre schon schwierig.

Macht das Kind Mut?

Hakenberg: Es ist nicht leicht, sich auf die Premiere und die Geburt gleichzeitig vorzubereiten. Wenn ich mich gerade auf die Wickelkommode konzentriere, fällt mir ein, dass ich noch unbedingt was für mein Programm machen muss, und wenn ich am ­Programm arbeite, denke ich: Der arme Junge, du kümmerst dich schon jetzt zu wenig!

In einem Lied haben Sie mal Ihren Freund zersägt. Geht es dem Kindsvater noch gut?

Hakenberg: Ja, dem geht es sehr gut. Das Lied ist schon alt, und außerdem ist mein Freund ja nett zu mir. Der, den ich zersägt habe, war es nicht. Mein Freund ist ein großer Unterstützer, sowohl beim Baby als auch beim Programm.

Die meisten Kabarettisten, die Eltern werden, machen darüber ein Programm …

Hakenberg: Ich hoffe, ich kann es verhindern! Davon gibt es schon genug. Bei meinem ersten Programm ging es um Ex-Freunde, Ex-Liebhaber. Dann habe ich festgestellt, wie viele Frauen ständig über Männer sprechen, und wollte es nicht mehr tun. Allerdings geht es im neuen Programm auch um Hubschrauber-Eltern, die ständig um ihre Kinder kreisen.

Wie waren Sie als Kind?

Hakenberg: Sehr frech, aber gegen meinen Willen. Eigentlich wollte ich ein liebes Mädchen sein, es hat nur nicht funktioniert. Ich war vor allem sehr dramatisch, habe mich im Supermarkt auf den Boden geworfen. Ich bin oft ausgezogen, weil ich mein Zimmer aufräumen sollte. Ich hatte großen Spaß an der Dramatik. Als Jugendliche habe ich dann gelernt, wie man Tricks anwenden kann, um das zu bekommen, was man sich vorstellt.

Auf der Bühne lächeln Sie ja auch verführerisch unschuldig, um dann die Keule auszupacken. Und privat?

Hakenberg: Das ist ganz bewusst auf der Bühne so. Es gibt hier viel zu viele nette Frauen. Je frecher, umso besser. Privat neige ich nämlich zu sehr zu großer Freundlichkeit.

Reines Polit-Kabarett ist nicht Ihr Ding, oder?

Hakenberg: Da gibt es ­genug, die immer auf das große Ganze schießen, mit Namen um sich werfen, und manchmal ist dann doch nicht so viel dahinter. Das Publikum lässt sich aber erst einmal blenden. Dann wird auch gerne gesagt, wie mutig der oder der ist, weil er das ausspricht. Aber sind wir mal ehrlich: Im Gegensatz zu anderen Ländern ist man in Deutschland nicht gerade gefährdet, wenn man etwas sagt. Man riskiert vielleicht einen Shitstorm auf Facebook, mehr nicht. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht auch sehr gute Polit-Kabarettisten gibt.

Vor ungefähr einem Monat haben Sie den Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises erhalten. War das nicht seltsam?

Hakenberg: Komisch war es schon. Vor fünf Jahren wäre ich noch mehr am Anfang gestanden. Aber immerhin habe ich jetzt ja passenderweise Nachwuchs im Bauch!

Stimmt es, dass Ihnen Martina Schwarzmann den entscheidenden Anstoß zur Karriere gegeben hat?

Hakenberg: Ja. Ich wollte eigentlich Schauspielerin werden, aber das hat nicht geklappt. Stattdessen habe ich Theaterwissenschaften studiert und bin bei Poetry Slams aufgetreten. Das kam ganz gut an. Im Substanz habe ich dann Martina kennengelernt. Sie meinte, das sei richtig gut, und es gäbe ohnehin zu wenig lustige Frauen. Ich solle das, was ich mache, Kabarett nennen, dann könnte ich auch Geld damit verdienen. Sie hat mir einige Tipps gegeben und mich auch auf eine Mix-Show eingeladen.

Sie sind zwar gebürtige Kölnerin, aber in Zorneding aufgewachsen und haben lange in München gelebt, sogar einen eigenen München-Führer geschrieben. Jetzt wohnen Sie in Ostwestfalen. Vermissen Sie München?

Hakenberg: Ja, manchmal. Es ist jetzt nicht so, dass ich unglücklich in meinem kleinen Kaff in Ostwestfalen hocke und mich zurück in die großen Stadt sehne. Aber ich vermisse schon Alt-Schwabing, das Vereinsheim, die Kammerspiele, die Staatsoper!

Und Ihre eigene Schauspielerei?

Hakenberg: So eine kleine Rolle im Fernsehen oder in einem Film würde mir schon Spaß machen. Aber mit neuem Programm und Kind habe ich ja auch erst mal zwei schöne Projekte vor mir.

Antonio Seidemann

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