Politikerin hält Laudatio für Senta Berger

Fernsehpreis: Nur Ministerin Aigner mangelt's an Leidenschaft

+
An diesem Abend im Mittelpunkt: Senta Berger (M.) wird beim Bayerischen Fernsehpreis für ihre herausragenden Leistungen geehrt - Ministerin Ilse Aigner (r.) hält die Laudatio.

München - Senta Berger kämpft beim Bayerischen Filmpreis mit den Tränen - trotz der leidenschaftslosen Laudatio von Ilse Aigner. Andere Gewinner kommen kaum zu Wort.

Die Stars auf dem Blauen Teppich.

Zum Dankesagen müssen sie sich das Mikrofon schon selber schnappen. Sky-Moderatorin Aline von Drateln stellt den Gewinnern des Bayerischen Fernsehpreises am Freitagabend im Münchner Prinzregententheater lieber Fragen, als sie Reden halten zu lassen. Die Preisträger sind davon im Moment der Freude etwas überfordert. Martin Brambachs Haare stehen zwar generell zu Berge - als er den Preis als "Bester Schauspieler" entgegennehmen darf, scheinen sie aber noch etwas höher den Deckenleuchten zugewandt. Ob's ein besonderes Talent von ihm sei, so überragend zu spielen, will von Drateln von ihm wissen. Charmant uneitle Antwort: "Nein, das ist kein Talent, ich arbeite gern." Ehrlicher Applaus auch vom Nominierten in dieser Kategorie, Karl Markovics.

Völlig understatement ebenfalls Nina Kunzendorf, die erzählt, dass sie nie eine war, die schon immer wusste, dass sie einmal Schauspielerin werden würde. "Manchmal habe ich gedacht: Irgendwann kommt einer und sagt, das ist ein Riesenirrtum." Ist es nicht. Das hat sie unter anderem mit ihrer Darstellung der Hebamme Emma im ZDF-Film "Nacht der Angst" bewiesen, wofür sie nun als "Beste Schauspielerin" geehrt wird. Sie nutzt den Bühnenauftritt dazu, an die Politik zu appellieren, den Beruf der Hebamme mehr zu schützen und zu unterstützen. "Die Situation der Hebammen ist skandalös und erbärmlich!", betont sie.

Bilder vom Bayerischen Fernsehpreis: Wer bekommt einen Panther?

Friedel sorgt mit Band für musikalische Untermalung

Einer, der selbst schon so manche Ehrung erfahren durfte, ist an diesem Abend der wohl meistfotografierte Gast, ausnahmsweise nicht wegen seiner schauspielerischen, sondern seiner gesanglichen Fähigkeiten. Christian Friedel ("Elser") steht mit seiner Band "Woods of Birnam" auf der Bühne. Sie dürfen den Abend eröffnen und sorgen für die musikalischen Übergänge.

Der "Blaue Panther" ist das Objekt der Begierde.

Besonderes Lob auch für Antonia Rados, die sich für das RTL-Nachtjournal-Spezial "Die IS-Connection" "in vorbildlicher Reporter-Haltung" mit einem deutschen IS-Rückkehrer getroffen hat. "Sie widersteht der Versuchung, emotional oder alarmistisch an das brisante Thema zu gehen", lobt die Jury. "Wir müssen uns mit der Welt auseinandersetzen. Es ist interessant, wie groß das Misstrauen ist", sagt sie. Und plädiert dafür, keine Angst voreinander zu haben, sondern aufeinander zuzugehen - um Misstrauen abzubauen.

In Reihe eins sitzt an diesem Abend Senta Berger. Vor Kurzem feierte sie ihren 75. Geburtstag. Ein Leben voller "herausragender Leistungen im deutschen Fernsehschaffen". Dafür wird sie mit dem Ehrenpreis bedacht. "Sie waren unerschrocken. Hollywood war Ihre Bühne", erinnert Medienministerin Ilse Aigner und betont einmal zu oft in ihrer recht leidenschaftslosen Lobrede, dass Berger eine "starke Frau" sei. Man hätte dieser großen Künstlerin eine gewandtere Laudatorin gewünscht. Gott sei Dank macht sie die blutleere Ansprache der Ministerin mit ihren eigenen Worten wett. Mit den Tränen kämpfend. "Das Wort Lebenswerk ist schon sehr beeindruckend, ich bin erschrocken", gesteht sie. Rührend ihr Rückblick auf sechs Jahrzehnte als Schauspielerin. "Meine Tante hat mir das Knöpfe-Annähen beigebracht, meine Mutter das Kochen - und mein Beruf alles andere." Standing Ovations.

Gewinner des Bayerischen Fernsehpreises

Senta Berger für herausragende Leistungen im deutschen Fernsehschaffen (Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten)
Nina Kunzendorf für ihre Rolle in "Nacht der Angst" (ZDF)
Martin Brambach für seine Rollen in "Der Fall Barschel" (NDR/ARD), "Unter Verdacht - Ein Richter" (ARTE) und "Tatort: Auf einen Schlag" (MDR/ARD)
Antonia Rados als Autorin der Reportage "Nachtjournal-Spezial: Die IS-Connection" (RTL)
Güner Yasemin Balci als Autorin und Regisseurin des Dokumentarfilms "Der Jungfrauenwahn" (ZDF/ARTE)
Ralf Husmann und Peter Güde für ihr Drehbuch der Komödie "Vorsicht vor Leuten" (WDR/ARD)
Richard Huber als Regisseur des Films "Zwei Leben. Eine Hoffnung." (SAT.1) und der Serie "Club der roten Bänder" (VOX)
Bantry Bay Productions mit Gerda Müller und Jan Kromschröder für "Club der Roten Bänder" (VOX)
Olli Dittrich als Autor und Darsteller in der Satire "Schorsch Aigner - der Mann, der Franz Beckenbauer war" (WDR/ARD)
Sky Sportredaktion für die "Sky Bundesliga-Konferenz - das Original" (Sky)
Dietmar Klumpp als Autor und Regisseur der Reportage "Kampf für Frieden im Kongo - Die größte UNO-Mission der Welt (Abenteuer Leben)" (Kabel eins)
Maike Conway als Autorin und Regisseurin der Dokumentation "Niemand darf es wissen - Corinne und ihr Geheimnis" (ZDF)
Tobias Krell als Reporter der Kindersendung "Checker Tobi Extra - Warum so viele Menschen fliehen" (BR/ARD/KIKA) (Nachwuchsförderpreis)

Katja Kraft

Katja Kraft

E-Mail:katja.kraft@merkur.de

auch interessant

Meistgelesen

Metallisches aus 1001 Nacht
Metallisches aus 1001 Nacht
Amelie Fried: Die Frau mit Überblick
Amelie Fried: Die Frau mit Überblick
Wie gut ist der neue Harry Potter?
Wie gut ist der neue Harry Potter?
Kanada-Power: Nickelback rockt die Olympiahalle
Kanada-Power: Nickelback rockt die Olympiahalle

Kommentare