"Der deutsche Film ist großartig!"

37. Bayerischer Filmpreis: Was das Kino kann

Die Schauspieler Anna Lena Klenke, (l-r), Lucas Reiber, Gizem Emre, Aram Arami und Jella Haase erhalten am 15.01.2016 in München (Bayern) bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater ihre Auszeichnung. Das Schüler-Ensemble des Films "Fack ju Göhte 2" wurde mit dem Preis für die besten Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Anna Lena Klenke, (l-r), Lucas Reiber, Gizem Emre, Aram Arami und Jella Haase ("Fack ju Göhte 2") erhielten den Bayerischen Filmpreises für die besten Nachwuchsdarsteller.

München - Es war der Abend der bemerkenswerten Entscheidungen: Beim Bayerischen Filmpreis gewannen vor allem Produktionen, die Position beziehen – zu Fragen der Gegenwart und prägenden Momenten der (Zeit-)Geschichte.

Anspruch und Spannung sind kein Widerspruch – wer das bezweifelt, der sollte sich die Preisträger in den wichtigsten Kategorien des Bayerischen Filmpreises genau anschauen. Am Freitag wurde die Auszeichnung, die mit einer Preissumme von insgesamt 296 000 Euro zu den wichtigsten Medienpreisen in Deutschland gehört, im Münchner Prinzregententheater verliehen: Die elf Juroren hatten den Mut, Filme in den Mittelpunkt zu rücken, die relevante Themen ansprechen und unterhaltsam erzählen. Kein Wunder also, dass Bayerns Medienministerin Ilse Aigner (CSU) in ihrer Festrede jubelte: „Der deutsche Film ist großartig!“

Nehmen wir etwa „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“, den Gewinner des mit 200 000 Euro hochdotierten Produzentenpreises, der wichtigsten Auszeichnung, die vergeben wurde. Regisseur Florian Gallenberger erzählt seinen fiktiven Thriller vor dem Hintergrund der realen Colonia Dignidad, jener deutschen Sekte in Chile, die während der Pinochet-Diktatur in den Siebzigerjahren Folterzentrum des Geheimdienstes war. „Ein starker Film, der gerade in Zeiten vorgeblich glaubensbegründeter Gewalttaten nicht nur unterhält, sondern betroffen macht und zum Nachdenken anregt“, urteilte die Jury über das Drama, in dem Emma Watson und Daniel Brühl die Hauptrollen spielen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: „Colonia Dignidad“ startet am 18. Februar in unseren Kinos.

Um Zeitgeschichte geht es auch in den beiden Produktionen, deren Hauptdarsteller bei der Gala geehrt wurden: Burghart Klaußner wurde für seine Rolle als hessischer Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903–1968) ausgezeichnet. Dieser setzte im Nachkriegsdeutschland alles daran, den ersten Prozess gegen die Massenmörder von Auschwitz zu führen. „Mit seiner einfühlsamen Darstellung bringt Burghart Klaußner diese Zeit einer jungen Generation nahe, in der oft nur eine vage Ahnung herrscht über das, was die Großeltern erlebten“, lautet das Urteil der Jury. Dabei zeige er als Fritz Bauer „künstlerischen Mut, mimische Leidenschaft und eine große Liebe zu den Menschen – kurz jene Voraussetzungen, die ihn zu einem der besten deutschen Schauspieler machen“.

Beste Schauspielerin ist Rosalie Thomass: Die Münchnerin spielt in Doris Dörries „Grüße aus Fukushima“, der am 10. März in die Kinos kommt, eine freiwillige Helferin, die nach der verheerenden Reaktorkatastrophe 2011 den Menschen in den radioaktiv verseuchten Gebieten hilft. „Thomass spielt mit einer stillen Reife, die man so bei ihr noch nie gesehen hat und trägt dadurch diesen Film“, lobte die Jury am Freitag.

Bayerischer Filmpreis: Die stürmische Gala in Bildern

Bayerischer Filmpreis: Die stürmische Gala in Bildern

Wie berichtet, ging der Ehrenpreis des Ministerpräsidenten an Kerstin „Molly“ Dobbertin von Fürstenberg. Von Dörries „Männer“ (1985) über Sönke Wortmanns Filme „Kleine Haie“ (1992) und „Der bewegte Mann“ (1994) hat die Produzentin die Entwicklung des deutschen Kinos der Achtziger- und Neunzigerjahre geprägt. „Mit Wagemut und einem Gespür für interessante Stoffe und besondere Talente“, lobte Medienministerin Aigner, die Seehofer vertrat.

Dessen Last-Minute-Absagen sind beim Filmpreis eine unschöne Tradition. Er ließ sich auch im vergangenen Jahr spontan vertreten. Und im Jahr davor. Und im Jahr davor. 2012 stand er zuletzt mit Fliege im Prinzregententheater. Diesmal teilt die Staatskanzlei knapp mit, es gebe „terminliche Gründe“. Und, auf Nachfrage, krank sei er heuer nicht. An anderer Stelle heißt es erfrischend deutlich: „Er hat keinen Bock“ und sei zudem mit der Flüchtlingskrise beschäftigt.

Die Preisträger im Überblick

Produzentenpreis

(200 000 Euro):

Benjamin Herrmann (Majestic) und

Christian Becker (Rat Pack) für

„Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“

Regiepreis

(10 000 Euro):

Kai Wessel für „Nebel im August“

Beste Schauspielerin

(10 000 Euro):

Rosalie Thomass für ihre Rolle in

„Grüße aus Fukushima“

Bester Schauspieler

(10 000 Euro):

Burghart Klaußner für seine Rolle in

„Der Staat gegen Fritz Bauer“

Bestes Drehbuch

(10 000 Euro):

Burhan Qurbani und Martin Behnke für

„Wir sind jung. Wir sind stark.“

Beste Bildgestaltung

(10 000 Euro):

Jo Heim für die Filme

„Ein letzter Tango“ und „Unfriend“

Beste Filmmusik

(10 000 Euro):

Gert Wilden jun. für die Filme

„Die Kinder des Fechters“ und

„Hannas schlafende Hunde“

Bester Dokumentarfilm

(10 000 Euro):

Jens Schanze für „La buena vida“

Beste Nachwuchsdarsteller

(6000 Euro):

das Schüler-Ensemble in „Fack ju Göhte 2“

Beste Nachwuchs-Regisseurin

(10 000 Euro):

Uisenma Borchu für

„Schau mich nicht so an“

Bester Kinderfilm

(10 000 Euro):

Uli Putz und Jakob Claussen für

„Heidi“

Nachwuchsproduzentenpreis

(60 000 Euro):

Dorothe Beinemeier für

„Boy 7“

Publikumspreis

(undotiert):

„Honig im Kopf“

von Til Schweiger

Ehrenpreis des Ministerpräsidenten

(undotiert):

Kerstin „Molly“ Dobbertin von Fürstenberg

Michael Schleicher

Michael Schleicher

E-Mail:michael.schleicher@merkur.de

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