Programm wird umgekrempelt

Bayern 1 kündigt einschneidende Änderung an

München – Volksmusik, ade: Ab 15. Mai ändert der Bayerische Rundfunk sein Radioprogramm und verlegt die beiden letzten Volksmusiksendungen von Bayern 1 auf BR Heimat.

Die erste Mail mit Glückwünschen sei um 5.02 Uhr gekommen, gerade einmal zwei Minuten nach dem Sendestart, erinnert sich Wellenchef Stefan Frühbeis mit glänzenden Augen. Das war vor genau einem Jahr, am 2. Februar 2015. An diesem Tag ging der Digitalkanal BR Heimat auf Sendung, mit nonstop Volksmusik und einem journalistischen Angebot für alle, die sich für „bayerische Belange“ interessieren. Der Erfolg der neuen Welle – mit laut Bayerischem Rundfunk bisher rund 110 000 Hörern täglich, Tendenz steigend – hat den Münchner Sender nun dazu bewogen, bald die letzten Volksmusikreservate im Programm Bayern 1 zu schließen. Nach dem Pfingstsonntag – heuer fällt der auf den 15. Mai – wird es die tägliche Volksmusiksendung zwischen 19 und 20 Uhr und die sonntägliche Stunde Blasmusik zwischen 11 und 12 Uhr auf Ultrakurzwelle (UKW) nicht mehr geben – beides findet dann ausschließlich im Digitalradio statt.

Martin Wagner ist Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks.

„Natürlich bleibt Bayern 1 das Radioprogramm für Bayern, mit der gewohnten Musik und vielen Informationen aus Bayern, Deutschland und der Welt“, versichert Hörfunkdirektor Martin Wagner (61) am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. In diesem Umfeld sei die klassische Volksmusik immer weniger „erwartbar“, so Wagner: „Van Halen und die Fischbachauer Sängerinnen – das passt einfach nicht mehr.“

BR sieht "Handlungsbedarf"

Schon seit längerer Zeit sieht der BR „Handlungsbedarf“ für seine meistgehörten UKW-Wellen Bayern 1 und Bayern 3. Letztere sei immer das jüngste Angebot des Senders gewesen, erläutert der zuständige Programmbereichsleiter Walter Schmich (52). Doch inzwischen liege der Altersdurchschnitt der Bayern 3-Hörer bei 43 Jahren – die Diskrepanz zwischen den aktuellen Hits und dem restlichen Musikangebot werde immer größer. Der Sender beabsichtigt daher, das Programm von Bayern 3 weiter zu verjüngen, die Hörerinnen und Hörer „um die 50“ sollen künftig bei Bayern 1 eine neue Heimat finden.

Erste Weichen wurden bereits gestellt – so moderiert Fritz Egner, einst Weggefährte von Thomas Gottschalk bei Bayern 3 – seit wenigen Wochen bei Bayern 1, zuvor hatte bereits Jürgen „Kauli“ Kaul die Welle gewechselt. Für den Herbst sei ein größerer „Facelift“ beider Programme geplant, kündigt Schmich an.

Über alle diese Maßnahmen sollen die Volksmusikfreunde nicht zu kurz kommen. BR-Heimat-Chef Frühbeis lobt die Akzeptanz des Digitalsenders in den höchsten Tönen. „Je wilder es zugeht in der Welt, desto mehr Halt suchen die Menschen in ihrer Heimat“, sagt der 54-Jährige, der festgestellt hat, dass das Programm für manche Hörer geradezu eine „therapeutische Maßnahme“ darstelle. Bei weitem nicht nur ältere Menschen lauschten den bayerischen Klängen, auch viele Junge, die selbst Volksmusik machten, schalteten ein. Die Entscheidung, die entsprechenden Sendungen bei Bayern 1 nun demnächst auslaufen zu lassen, sei in enger Abstimmung mit den Brauchtumsverbänden geschehen, betont Frühbeis.

Dass dem Digitalradio die Zukunft gehört, davon sind die BR-Programmmacher überzeugt. „DAB plus ist klassischer Rundfunk“, sagt Hörfunkdirektor Wagner. Im Unterschied zum Internetradio, das wie das Telefon auf einer individuellen Verbindung basiere, könne es von einer unbegrenzten Anzahl von Menschen gleichzeitig gehört werden. Hinzu komme, dass – anders als unter Umständen beim mobilen Internet – keine zusätzlichen Nutzungsgebühren anfielen. Auch der Klang sei klarer.

Entsprechende Geräte seien schon ab 30 Euro zu haben und leicht zu bedienen, außerdem könne man alte UKW-Empfänger vom Kofferradio bis zur großen Anlage für DAB plus nachrüsten. Frühbeis ist überzeugt: „Wer uns finden will, der findet uns!“

Rudolf Ogiermann

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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