Söder will fränkische Dependance

Deutsches Museum bekommt Zweigstelle in Nürnberg

+

München/Nürnberg - Das Deutsche Museum in München ist eines der größten naturwissenschaftlich-technischen Museen der Welt. Pro Jahr kommen mehr als eine Million Besucher. Nun soll es eine Zweigstelle in Nürnberg bekommen. Ein Standort wird derzeit gesucht.

Noch vor der Sommerpause solle die Standort-Frage entschieden sein, zitiert dpa den fränkischen Minister. Die Vorbereitungen seien „auf einem gutem Weg“. Das Deutsche Museum habe auch bereits erste inhaltliche Planungen mit technologischen Schwerpunkten gemacht, „die gut zur Region passen wie beispielsweise Energietechnik“. Umgesetzt werden soll das Millionenprojekt bis 2018/2019.

Derzeit wird noch über die Finanzierung diskutiert. Der Freistaat hat als Anschub bereits acht Millionen Euro eingeplant. Das Projekt in Söders Heimat-Wahlkreis ist Teil der Ende 2014 beschlossenen „Nordbayern-Initiative“. Söder betonte: „Am Geld wird es nicht scheitern.“

Das Stammhaus in München dagegen leidet an den Folgen eines jahrzehntelangen Sparkurses. Die Bausubstanz ist marode. Zwar hat das Kultusministerium dem Museum 445 Millionen Euro für laufende, längst überfällige Generalsanierung genehmigt, doch das reicht nur für das Notwendigste. Erst im Januar forderte Museumschef Wolfgang Heckl: „Wir brauchen viel mehr Geld.“

Als Oskar von Miller das Museum im Jahr 1915 eröffnete, war es weltweit einzigartig. Nirgendwo sonst gewährte ein Museum einen umfassenderen Überblick über technische Entwicklungen und Errungenschaften – gewissermaßen eine Kulturgeschichte von Technik und Wissenschaft. Bis heute ist das Haus mit 73 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche das größte Technik-Museum der Welt, und auch mit jährlich mehr als einer Million Besuchern spielt es in der Top-Liga.

Doch inhaltlich haben Museen in Paris, London, Washington und Chicago das einstige Vorzeigeobjekt abgehängt. Viele Ausstellungen versprühen noch den müden Charme der 70er-Jahre. Erst mühsam bringt das Deutsche Museum seine in die Jahre gekommenen Abteilungen nach und nach wieder auf aktuelles internationales Niveau. Das fällt schwer, denn Etat und Mitarbeiterzahl bleiben deutlich hinter denen der erheblich kleineren Konkurrenten im Ausland zurück: Das Deutsche Museum, rechtlich eine selbstständige Anstalt, wird vom Freistaat mit rund 30 Millionen Euro im Jahr unterstützt. Die Stadt München schießt jährlich etwa eine halbe Million zu. Vor einem Jahr sperrte sich der Stadtrat aus finanziellen Gründen gegen den Vorschlag, die Öffnungszeiten zumindest bis 18 Uhr zu verlängern. London dagegen leistet sich mit dem Science Museum und dem Natural History Museum zwei Häuser, die zusammen eine vergleichbare Ausstellungsfläche haben – und einen Etat von 163 Millionen Euro.

Neben dem Stammhaus an der Isar unterhält das Deutsche Museum mehrere Dependancen: Straßen- und Schienenverkehr sind auf das Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe und die „Lokwelt Freilassing“ ausgelagert. Der Großteil der Luftfahrt ist in der Flugwerft Schleißheim untergebracht. Ein Bonner Ableger steht vor dem Aus, seit die Stadt Bonn als Geldgeber den Vertrag für Anfang 2018 gekündigt hat. Die Belegschaft kämpft tapfer für den Erhalt des Hauses.

Pläne für eine weitere Außenstelle werfen da Fragezeichen auf

Söder ist nicht der Erste, der mit dem Deutschen Museum (Struktur-) Politik zu machen versucht. Im März 2011 hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vorgeschlagen, an der Alten Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg (Oberpfalz) eine Außenstelle des Deutschen Museums einzurichten, um das Industriedenkmal zu erhalten. Damals hatte das Museum den nicht mit dem zuständigen Wissenschaftsministerium abgesprochenen Vorschlag kühl zurückgewiesen: „Das Deutsche Museum zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass wir viele Disziplinen an einem Ort vereinen“, sagte ein Sprecher. Es sei deshalb nicht das Ziel, Spezialmuseen in der Umgebung zu eröffnen. Zudem habe man angesichts der Sanierungspläne genug zu tun.

Zum Konzept der Nürnberger Pläne wollte sich Finanzminister Söder noch nicht im Detail äußern. Dies sei derzeit noch in der Abstimmung zwischen dem Museum, dem Kultus- und dem Finanzministerium. Söder sagte nur so viel: „Es soll etwas Besonderes werden, nicht nur ein Ableger von München. Es muss einen eigenständigen Charakter haben und dem Niveau des Deutschen Museums entsprechen.“ Wichtigstes Ziel sei, ein interaktives Angebot auch für Schulklassen und Studenten zu machen – projektorientiert und nicht als reines Vitrinen-Museum. In Nürnberg stieß Söders Ankündigung auf breite Zustimmung. In München dagegen weckt es die Sorge, dass am Stammhaus weiterhin gespart werden muss.

Zwischen Ostern und Pfingsten soll der Generaldirektor des Deutschen Museums, Wolfgang Heckl, im Wissenschaftsausschuss des Landtags zu den bisherigen Planungen informieren. Heckl war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Peter T. Schmidt, Catherine Simon

Peter T. Schmidt

E-Mail:Peter.Schmidt@merkur.de

auch interessant

Meistgelesen

Metallisches aus 1001 Nacht
Metallisches aus 1001 Nacht
Wie gut ist der neue Harry Potter?
Wie gut ist der neue Harry Potter?
Kanada-Power: Nickelback rockt die Olympiahalle
Kanada-Power: Nickelback rockt die Olympiahalle

Kommentare