Live in der Tonhalle

Eagles of Death Metal in München: Die Konzert-Kritik

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Die Eagles of Death Metal haben am Donnerstag in München ihr nach dem Terror-Anschlag von Paris abgesagtes Konzert nachgeholt (Archivbild).

München - Der Terroranschlag während ihres Auftritts im Pariser „Bataclan“ schockierte die Welt. Drei Monate später holen die Eagles of Death Metal ihr abgesagtes Konzert in München nach. Und konzentrieren sich dabei auf das Wesentliche – auf ihre Musik.

Wie würde Jesse Hughes den Abend wohl eröffnen? Mit Worten der Trauer? Einer politischen Botschaft? Von wegen. Aus den Lautsprechern in der Münchner Tonhalle dröhnt „In München steht ein Hofbräuhaus“, der Frontmann der Eagles of Death Metal streicht sich die Haare hinter die Ohren, setzt seine charakteristische Fliegerbrille mit rosafarbenen Gläsern auf – und rockt einfach los. Die Botschaft und gleichzeitig der einzige Kommentar zu dem Attentat auf das Konzert der Rock-Band in Paris: „Nach all den Schwierigkeiten, die wir hatten, ist jetzt die Zeit, um zu feiern“.

Am 13. November stürmten drei junge Männer mit Kalaschnikows und Sprengstoffgürteln das Konzert der Eagles of Death Metal im Bataclan, einem der ältesten Konzertsäle in Paris. 90 Menschen starben, darunter auch ein Mitarbeiter der Band, der an dem Abend am T-Shirt-Stand im Einsatz war. Es war ein Blutbad. Jetzt, drei Monate später, setzte die amerikanische Rock-Band ihre unterbrochene Europatour fort – und kam dafür auch nach München.

Am Dienstag kehrten die Eagles of Death Metal bereits für einen emotionalen Auftritt nach Paris zurück. „Ich liebe euch verdammt nochmal alle“, rief Frontmann Jesse Hughes den Zuschauern im Konzertsaal „Olympia“ zu, unter denen auch Überlebende der Attentate waren. Für sie und Angehörige der Opfer standen psychologische Betreuer bereit. Im ersten Stück des Abends stoppte die Gruppe für einen „Moment der Erinnerung“ an die Anschlagsopfer. Dem Konzert waren hohe Sicherheitsvorkehrungen vorausgegangen. „Niemand wird uns stoppen“, proklamierte Hughes während des Auftritts.

Bei den Konzertgästen in München ist die Stimmung vor dem Auftritt gelassen – auch wenn das Sicherheitspersonal am Einlass etwas genauer hinschaut und damit für eine lange Schlange quer durch die Kultfabrik sorgt. Paris haben viele der Besucher zwar noch im Hinterkopf, den Konzertabend wollen sich die Münchner davon aber nicht vermiesen lassen. Das hat die Band nicht verdient, ist der Tenor unter den Gästen.

 Mit der Ankündigung, auch die erste Band seien zu wollen, die bei der Wiedereröffnung im Bataclan spielen darf, ist Jesse Hughes ist unfreiwillig zu einem Symbol der Widerstandskraft geworden. Doch als Friedensbotschafter nach der Nacht des Terrors taugt er nur bedingt. Im französischen Fernsehen äußerte er sich über die seiner Meinung nach zu restriktive französische Waffengesetzgebung und schlussfolgerte: Bis niemand mehr Waffen habe, müsse vielleicht jeder Waffen haben. Dem Sender Canal+ sagte er: „Ich bin kein Held, aber wenn ich eine Waffe gehabt hätte, hätte ich etwas ändern können – und ich wäre bereit gewesen, es zu tun.“

In München verzichtet Hughes auf diskutable Einlassungen und konzentriert sich auf das, was er am besten kann: Er lässt die Gitarre heulen und bringt die rund 1900 Besucher mit seiner rotzigen Mischung aus Blues, harten, aber simplen Gitarrenriffs und ironisch-albernen Texten zum Jubeln. Es wirkt, als hätte Paris die Fangemeinde der Band noch enger zusammengeschweißt, so kräftig unterstützen die Zuschauer die Band auf der Bühne. Zur Zugabe sprintet Hughes durch die Halle hinauf zur Tribüne – und liefert sich mit seiner Band ein Gitarrenduell. „Ihr habt keine Ahnung, wie froh ich bin, heute mit Euch hier zu sein“, sagt er. Dort oben auf der Tribüne, zwischen verschwitzten und tanzenden Fans der Gitarrenmusik, dort zeigt sich, was Jesse Hughes wirklich ist. Kein Botschafter. Kein Politiker. Einfach nur ein Rockstar.

Dominik Göttler

Dominik Göttler

E-Mail:Dominik.Goettler@merkur.de

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